Sperrstelle Gondo VS

Die Sperre in der Gondoschlucht ist ein ausgezeichnetes Beispiel einer passage obligé. In der Gondoschlucht war bereits seit 1815 am rechten Ufer eine krenelierte Mauer vorhanden, um die linksseitige Simplonstrasse bestreichen zu können. Die baufällige Mauer wurde 1832 mit einem Betrag von 7100 Franken wieder in Stand gestellt. Diese Mauer ist eine Befestigung aus kriegerischen Folgen: Vom 2./3. März 1814 haben Oberwalliser, verstärkt durch Österreicher-Einheiten, eine Vorhut italienischer Truppen am Simplon erfolgreich zurückzuschlagen.

Das Hauptwerk A9105

In den Jahren 1909 bis 1912 wurden auf den Überresten der bestehenden Befestigungsanlagen eine Galerie gegenüber der Brücke über den durch die Schlucht rauschenden Alpienbach erstellt. Die Aufgabe war klar: Den strategisch wichtigen Weg durch die Schlucht notfalls versperren. Ursprünglich waren mindestens an drei Stellen Zerstörungen durch Sprengobjekte vorbereitet worden.

Diese Galerie wurde mit zwei Maschinengewehren und einem kleinen Scheinwerfer armiert und mit zehn Gewehrscharten versehen. Sie bot Unterkunft für 1 bis 2 Offiziere und 24 Unteroffiziere und Soldaten.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Anlage von der Truppe erweitert durch eine Ost- sowie eine Westgalerie und beide wurden mit dem Hauptwerk durch unterirdische Stollen verbunden. Diese Galerien erhielten je zwei Maschinengewehre, die Galeriemauern zusätzliche Gewehrscharten. Für die vergrösserte Besatzung kamen Küche, Backofen, Latrinen, Bäder und Duschen dazu. 

Der Ausbau ab 1920

Ab 1920 wurden zusätzlich zwei 10,5 cm Druckluft-Minenwerfer und ein 5,7 cm-Geschütz installiert. Für letztere wurde eine Geschützkammer mit Verbindungsgang zur Ostgalerie und Munitionskammer gebaut. Das elektrische Licht wurde durch den Einbau einer «Dynamomaschine» sichergestellt, wie aus einem Protokoll der Befestigungskommission von 1927 nachzulesen ist. Das Vorfeld wurde durch einen «25/35 Scheinwerfer und eine 25 cm-Glühlampeneinheit» beleuchtet. Der Bestand wuchs bis 1918 auf 109 Mann an, 1927 waren es bereits 141 Mann.

Das ergab ein Problem: Während die Feuerkraft jeweils vergrössert wurde, blieb die Unterkunft im bisherigen Rahmen bestehen, zur Zeit sei nur «Kriegsunterkunft für 32 Mann» vorhanden, steht im erwähnten Protokoll. Und weiter: «Es ist nun für ein Grenzfort, das seien Aufgabe voll und ganz lösen soll, eine absolute Notwendigkeit, dass die Anlage derart ausgebaut werde, dass die Anlage immer noch halten kann, wenn sie bereits schon lange einzelne endliche Einheiten. auf Umwegen dasselbe umgangen und die Strasse oberhalb desselben erreicht haben. Zu diesem Zweck ist es aber auch notwendig, dass die Besatzung in einer Art und Weise untergebracht werden kann, ohne dass dadurch die Gesundheit der Truppe leiden muss.» 

Zu diesem Problem kam eine weitere Herausforderung dazu: Eine Übung hatte ergeben, dass sich die giftigen Schwaden eines Gasangriffs über eine Stunde in der Schlucht festsetzten, was neben der Unterkunft auch den Kollektiv-Gasschutz im Sperrwerk Gondo zum Thema machte. Das Problem war in einem teils in den Fels gesprengten, andererseits aber auch gemauerten Werk nicht einfach zu lösen, wie Akten zeigen. Die Befestigungskommission empfahl jedoch dringend, diese so wichtige Grenzfestung unverzüglich auszubauen.

A9105: Der Ausbau 1937/38

Das Sperrwerk Gondo erscheint damals in den Akten jeweils mit der Nummer 2505. Klar war, dass die Anlage vergrössert und besser bewaffnet werden musste, um weiterhin ihren Dienst erfüllen zu können. 

Eine Aufstellung von Anfang 1935 zeigt Ausbau- und Verstärkungsempfehlungen von total 470’000 Franken. Die Anlage sei dem feindlichen Artilleriefeuer direkt ausgesetzt und besitze nur sehr geringe Deckungsstärken und würde deshalb bei einer ersten Beschiessung sofort zerstört und unbrauchbar. Angesichts der hohen Kostenschätzung wurde die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis gestellt. Eine Konzentration auf Tankbarrikaden und ein neues besser geschütztes Werk mit Infanteriekanone und Maschinengewehren und mit minimalem Anpassungen im Gondo-Werk würde die Gesamtkosten auf 250’000 Franken senken.

Die Beurteilung 1935 ergab gefährliche Schwachstellen. So waren sämtliche Gewehrmunition, das Sprengmaterial für die Minen und die Handgranaten in den «keineswegs bomben- und granatensicheren Galerien» untergebracht. Es waren separate Munitionsmagazine gewünscht. In der Nähe des Minenwerferstandes sollte Platz für 80 Pressluftflaschen geschaffen werden, zudem eine unterirdische Benzintankanlage von 2000 Litern Fassungsvermögen.

Für die Aussenverteidigung war in einem geheimen Protokoll des Kommandanten der Fest. Art. Kp. 15 vom 20. November 1935 vorgeschlagen, eine zusätzliche Tanksperre zu bauen. Flankierend sollte eine Galerie in der Felswand östlich der Ostgalerie, rechts der Doveria, gebaut werden. Die Bewaffnung: 1 bis 2 Infanteriekanonen und 2 Maschinengewehre. Die 4000 kg im Fort befindlichen Stacheldraht könnten nicht für den Hindernisbau verwendet werden, da Pflöcke fehlen würden, moniert der Kommandant. Und eine Minenübung hat ergeben, dass das Fehlen von permanenten Sprengleitungen ein Problem war. Es seien zu allen drei Sprengobjekten feste und meist unterirdische Leitungen zu legen.

1937 wurde nach einer Begehung festgehalten, dass West- und Ostgalerie nicht mehr verstärkt, sondern vor allem die Zentralgalerie für einen längeren Widerstand ausgebaut werden soll. Auf den Einbau einer Scheinwerferanlage wird verzichtet. Allenfalls sollten die Stollen von der West- und Ostgalerie ins Hauptwerk zugemauert werden, um einem eingedrungenen Gegner den Vorstoss zu verunmöglichen: «Bei drohender Kriegsgefahr besorgt die Freiwillige Bewachung-Kompanie dafür 5 Tonnen Portland-Zement.»

Im Juli 1937 wurden folgende Umbauarbeiten von vier Unternehmern offeriert (jeweils ca. 80’000 Franken):

  • Erstellen Infanteriekanonen-Stand
  • Neues Munitionsmagazin in der Westgalerie
  • Erstellen Betonwände für Panzertüren im Stollen, Transport der drei Panzertüren von Brig über den Simplonpass ist Werk
  • Sanierung der Unterkunftsräume
  • Erstellen eines betonierten Wasserreservoirs 
  • Felsausbruch für die Erweiterung des Maschinenhauses inkl. Wandverkleidungen (ein Sulzer-Dieselmotor war bereits bestellt)

Ein Protokoll von Januar 1938 zeigt auf, was 1937 passiert war:

  • Die Arbeiten am neuen Infanteriekanonen-Stand begannen am 24. August 1937 mit dem Abbruch der alten Minenwerferanlage, der Wegschutzmauer und den Planierungsarbeiten des Vorgeländes. Anschliessend wurde der Stand betoniert, allein die Armierungseisen wogen 20 Tonnen.

Seiten- und Grundriss des neuen Infanteriekanonen-Standes. Gelb die Konturen der ehemaligen Stellung für 10,5 cm Druckluft-Minenwerfer.

  • Erweiterung Unterkunftsräume: Ausgebrochen wurden dafür 416 Kubikmeter Fels. Gearbeitet wurde tagsüber sowie in 22 jeweils zehnstündigen Nachtschichten. Geschaffen wurden drei Räume (Zimmer für 4 Offiziere sowie Krankenzimmer und einem für Gaskranke). Der Boden wurde asphaltiert.

  • Wasserreservoir: Anschliessend an die Unterkunft wurde ein Raum von 4,2 x 4,6 x 6 m Höhe für ein Bassin ausgesprengt. Um Druck zu erzeugen, soll das Bassin auf Pfeiler gestellt werden.

  • Munitionsmagazine: Es sind zwei Magazine von 4 x 4 Metern vorgesehen, dasjenige in der Ostpoterne ist fertig.

  • Stollen-Panzertüren: Zwei Türen im Ostteil sind im Dezember 1937 montiert worden, die dritte erforderte erheblich mehr Aufwand. Im Westteil sind die drei Türen deponiert.

  • Kommandozimmer: Die neue Türöffnung ist ausgebrochen, die alte zugemauert.

  • Weg zur Scheinwerferanlage: Die Ausbesserung sollte eigentlich durch die Truppe ausgeführt werden. Da auch drei Stege morsch waren, kamen dennoch Fachleute zum Einsatz.

  • Wasserversorgung: Die 20 Jahre alte Leitung war undicht, es traten Wasser- und Druckverluste auf. «In aller Gründlichkeit» wurde das Netz untersucht. Die Brennstäbe musste gereinigt werden, verschiedene Hahnen ersetzt oder gedichtet werden. Ausserhalb der Anlage musste die Zuleitung teils ausgegraben und ersetzt werden. Zudem wurde ein bisher nicht vorhandener Leitungsplan erstellt.

Das Gegenwerk A9106

Auf Wunsch des Kommandanten der Grenzbrigade 11 sollte im linken Berghang ein Maschinengewehr eingebaut werden mit der Aufgabe, flankierendes Feuer vor die neu eingebaute Infanteriekanone und die Zentralgalerie des Werkes Gondo abgeben zu können. Bei der Besichtigung 1938 wurde bestimmt, dass ungefähr über dem Magazin der Tankbarrikade Frascinoli-Brücke im Felsen einen Mg-Stand zu bauen, mit erwähnter Feuerwirkung und durch eine linke Schulter gegen feindliches Artilleriefeuer möglichst gedeckt. Der Eingang zu diesem Mg-Stand kann eventuell durch das genannte Tankarrikaden-Magazin erfolgen (durch einen Steigschacht). Das BBB soll dies studieren, die Kosten sollten den betrag von 100’000 Franken nicht übersteigen.

Die Tankbarrikaden

  • Tankbarrikadenmagazin 2504a, zwischen Gondo und Landesgrenze, Felsausbruch 30 Kubikmeter, Fertigstellung am 20. November 1937
  • Tankbarrikadenmagazin 2504b, gegenüber der Ostgalerie des Forts Gondo, Felsausbruch 24 Kubikmeter, Fertigstellung 10. November 1937
  • Tankbarrikdenmagazin 2504c, gegenüber der Zentralgalerie des Forts Gondo (bei der Frascinodibrücke), Felsausbruch 26 Kubikmeter, Fertigstellung 20. November 1937.
  • Tankbarrikade mit Tankbarrikadenmagazin 2509, nordwestlich Schallberg. Barrikade fertiggestellt am 16. Oktober 1937. Magazin Felsausbruch 73 Kubikmeter, Fertigstellung 22. Oktober 1937.
  • Geschützstand für eine Infanteriekanone im Wald nördlich der Tankbarrikade 2509. Bearbeiten der Steinplatten und Quader für Boden und Schulterwehr mit Erdböschung (Oktober 1937).
  • Tankbarrikade mit Tankbarrikadenmagazin 2510, Josefsgalerie auf Simplonkulm. Barrikade fertiggestellt am 10. November 1937. Magazin Ausbruch 56 Kubikmeter, Fertigstellung 10. November 1937.
  • Platz für Maschinengewehr bei Km 38,85, Punkt 1051,4 in der Strassengalerie unterhalb Casermetta, wegsprengen von Felsen zur freien Sicht auf das Fort Gondo.

Die Sprengobjekte

  • Sprengobjekt No.1, Objekt 2507, Strassenstützmauer zwischen Tankbarrikaden 2504b und 2504c. Verteilen der Verdämmungssteine in den bestehenden Minenstollen, Aufnahme des Minenobjektes für die Neubearbeitung der Pläne (Oktober 1937), neue Türschlösser montiert.

 

Zustand heute (2020)

Bei der Aufhebung dieser Sperrstelle waren noch rund 20 verschiedene Objekte vorhanden. Heute führt der Stockalperweg durch die Anlage, wo damals unsere Vorfahren ihren Dienst für das Vaterland geleistet haben. Die Räumlichkeiten mit all den Einrichtungen und technischen Anlagen zum Einquartieren der Truppen können heute unter Führung besichtigt werden. Die Ausstellung in der Soldatenstube zeigt anhand von Objekten, Archivalien, Plänen und Modellen die Militärpräsenz am Simplon während dem Aktivdienst im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Baugeschichte des Forts.

Bekannte Objekte

  • A9105 Infanteriewerk Gondo
  • A9106 Infanteriewerk (Gegenwerk)
  • MXXXX Sprengobjekt Gondo