Flugzeug-Kavernen/Retablierstollen

Auf den Reduit-Flugplätzen wurden während des Weltkrieges zum Schutz der Maschinen die bekannten halbrunden Beton-Unterstände vom Typ U-43 gebaut. Später wurden diese offenen Bauten mit Blechtoren verschlossen (U-68). Auf verschiedenen Plätzen wurden zudem die ersten einfachen unterirdischen Retablierstollen in den Fels getrieben, um die Flugzeuge sicher warten zu können. Gemäss der Broschüre „Militärische Denkmäler im Bereich Luftwaffe“ soll dies auf sieben Flugplätzen der Fall gewesen sein. 

Einige dieser Retablierstollen haben nach dem Ausbauschritt in den 1950-er Jahren als Ortsmagazin gedient oder wurden zu grossen Kavernenanlagen ausgebaut. Mit diesen Kavernen war damals quasi der Vollbetrieb von bis zu zwei ganzen Staffeln aus dem Berg heraus möglich. Sämtliche Anlagen wurden mehr oder weniger zeitgleich erbaut, Beginn ca. 1952 – die ersten Dienste in den Kavernen wurden in den Jahren 1957 bis 1960 durchgeführt. Dies war der Fall auf den sechs Flugplätzen Ambri, Alpnach, Buochs, Meiringen, Raron und Turtmann. Mit der Armeereform XXI wurden die Kavernen Alpnach, Ambri, Raron und Turtmann geschlossen. Diejenige von Buochs wurde zur Reservebasis bestimmt, die inaktiv ist, aber angeblich jederzeit wieder betrieben werden kann. 

Aus Platzgründen wurden die Maschinen (Venom, Hunter, Tiger) mit Kranen an die Decke gehoben, um einfacher zu manövrieren. Mit der Hornet ist dies nicht der Fall. Leider gibt es auch von den stillgelegten Kavernen-Anlagen nur wenige freigegebene Bilder oder Videos.

Parallel zu den Flugzeug-Kavernen wurden die wichtigsten Flugplätze mit unterirdischen Kommando- und Unterkunftsanlagen sowie Übermittlungseinrichtungen versehen. Das Kommando bestand aus Einsatz-Kommandoposten sowie Kommandozentrale. Dazu kamen angegliederte Munitions- und riesige Tanklager.

Die Unterscheidung der Flugplätze erfolgte grundsätzlich in Kavernenflugplatz (unterirdische Kommando- und Kavernenanlagen) und Feldflugplatz (unterirdische Kommandoanlage, Flugzeuge dezentralisiert in Unterständen) sowie Notlandepisten (vorbereitete Autobahnpisten).

Heute ist einzig Meiringen noch als Kavernen-Flugplatz wirklich aktiv. Die Kaverne Meiringen wurde für 120 Millionen Schweizer Franken an die  F/A-18 angepasst. Dazu heisst es auf Wikipedia: „Es wurde zusätzlich der Stollen Z gebohrt, welcher im Gegensatz zu den anderen Stollen über keine Kräne an der Decke verfügt. Die Stollen Y und Z sind mit Querbohrungen verbunden, in welchen zusammen mit in den Stollen integrierten Nischen 10 bis 12 F/A-18 abgestellt werden können. Die beiden Vorstollen Y und Z sind ebenfalls vor den Panzertoren mit einer Querverbindung für die Flugzeuge durchfahrbar. Zudem unterscheidet sich die Kaverne in Meiringen noch durch ihren eigenen Zugang zum Munitionsstollen in der Nähe des Stollen X. Ursprünglich wurde dieser Stollen für die A-7G Corsair II gebaut.“ Zumindest letzteres ist doch eigenartig, wurde doch wohl kaum noch während des Auswahlverfahrens für ein Flugzeug bereist ein Stollen dafür gebaut. Vor allem, weil das Resultat der Beschaffung der Null-Entscheid war und anstelle eines neuen Typs revidierte „Hunter“ beschafft wurden. 

Wie die heute noch aktive Meiringen-Kaverne wirklich konstruiert ist, bleibt ein Geheimnis. 

Diverse Informationen

  • Auf dem Flugplatz Alpnach begann der Bau der Kavernenanlage 1952. Sie wurde 1960 der Direktion für Militärflugplätze offiziell übergeben. Die ersten Nutzer der modernen Untertag-Anlage waren damals Fliegerrekruten. Im September 1960 wurde der erste Kavernen-WK der Flugplatzabteilung 9 durchgeführt. Seit 1958 wurden DH-112 Venom-Jets ab Alpnach operiert. 1973 wird die Kaverne an den Betrieb mit Hunter angepasst.
  • Auf dem Flugplatz Meiringen erfolgte in den 1950-er Jahren der Kavernenbau, ein 70 Millionen-Franken-Projekt. Dazu heisst es in der Jubiläumsbroschüre «50 Jahre Flugplatz Meiringen» «Bombensicher kann seither die Truppe ihre Flugzeuge bereitstellen, tanken, munitionieren und reparieren. Der Flugzeugeinsatz kann im Alarmfalle in sehr kurzer Zeit über die eigens dafür gebauten Roll- und Diagonalstrassen erfolgen.»
  • In St. Stephan und Meiringen ist bestätigt, dass der frühere Retablierstollen zumindest zeitweise als Ortsmagazin genutzt wurde.
  • 1958 publizierte «Flugwehr- und -Technik» die Botschaft 1958 an die Bundesversammlung über die Errichtung und Erweiterung militärischer Bauten. Darin wird erwähnt, dass «das Bauprogramm 1951 seinerzeit den Bau von Kavernen, die Errichtung von Radar- und Ultrakurzwellen-Richtstrahlanlagen sowie die Verlängerung der Landepisten auf den Flugplätzen umfasste. Die erste Etappe der Verlängerung von Landepisten wurde 1952 angeschlossen. Die Kavernen können in den Jahren 1958/59 dem Betrieb übergeben werden. Was die Radar- und Richtstrahlanlagen anbetrifft, werden diese nicht vor dem Jahre 1962 in betrieb genommen werden können. Durch den Beschluss vom 14. März 1957 wurde unter andeerem die Verlängerung von weiteren 4 Landepisten, der Bau von Kommandoposten und einer Seilbahn auf den Fliegerschiessplatz Axalp bewilligt.» Es wird bestätigt, dass die vier Pisten verlängert sind und die Seilbahn sowie die Kommandoposten im Bau sind. Weiter werden für das aktuelle Bauprogramm weitere Kredite von rund 60,7 Millionen Franken für Ausbauten der Luftwaffe beantragt, wobei es sich dabei um «eine weitere Etappe» handelt. Für den Ausbau des geplanten Radar- und Richtstrahlnetzes werden Mehrkosten aufgeführt, da die Erfahrung im Bau von Hochgebirgskavernen fehle, die Apparate-, Kontroll- und Auswerteräume grösser sein müssten, vermehrte Stollenauskleidungen nötig seien, die Ventilationsöffnungen gegen Schnee und Eis gesichert werden müssen, der Ausbau aller Anlagen als Faraday-Käfig nötig ist und Mehrarbeiten an den Antennengruben anfallen werden. Beantragter Kredit: 37 Millionen Franken.
  • Ende der 1950-er Jahre entbrannte in der Schweiz eine heftige und sehr emotionale Diskussion um die künftige Luftwaffe. Insbesondere das Kosten-/Nutzen-Verhältnis sowie der Sinn von langen Betonpisten, Graspisten, Autobahn-Notlandeplätzen, Kavernen oder sogar Startplattformen (40 x 200 m mit Katapult und Fangvorrichtung analog Flugzeugträger) wurde in der Fachpresse angesichts der zunehmenden atomaren Gefährdung diskutiert. Auslöser war zudem die anstehenden Flugzeugbeschaffungen.
  • 1964 wird die Kavernenanlage St. Stephan an die DMP übergeben. Es handelt sich dabei um die Kommandoanlage, da dort keine Flugzeugkavernen gebaut wurden. 1989 wurde in der Kaverne ein Quadradar-Raum eingebaut.
  • 1942 werden die «Anlagen Rugen und Aenderberg» des Flugplatzes Interlaken dem Einsatz übergeben. Rugen war ein Lagerstollen, später als Hauptlager bezeichnet.
  • 1952 beginnt in Meiringen der Kavernenbau, der erste Kavernen-WK findet am 3. Oktober 1958 für die Fl Kp 8 und 9 mit DH-100 statt. Der Retablierstollen wird zum Lager für Flugzeugteile.
  • Am 20. August 1968 wird erstmals einer ausländischen Delegation eine Kaverne von innen gezeigt: Der schwedische Verteidigungsminister kann die Kaverne Meiringen besuchen.