Flugplatz Frutigen

Am 28. April 1942 landeten in Frutigen erstmals zwei Bücker Jungmann-Doppeldecker auf der eben fertig gestellten Gras-Piste. Im Mai 1943 gingen 130 Mann an den Bau einer Asphaltpiste (40×900 m). In den folgenden Jahren kamen acht Flugzeugunterstände, drei Leichtstände (Infanterie-Bunker) und sieben Splitterwehren dazu. Auf dem rechten Kander-Ufer am nördlichen Pistenende wurde eine Einschiess-Anlage zum Justieren der Bordwaffen aufgebaut, deren Reste heute noch sichtbar sind. Der Vorschlag, eine Felskaverne als Retablierstollen zu bauen, wurde hingegen nie ausgeführt.

Im September 1943 erfolgte die erstmalige kriegsmässige Belegung durch die Fliegerkompanie 4. Nach dem Aktivdienst waren dann kaum mehr aktive Einheiten stationiert. Die Piste mit der Bezeichnung 03/21 erwies sich für die neuen Generationen von Militärflugzeugen als zu kurz, der Anflug als zu schwierig. Bekannt ist mir von einem Augenzeugen eine einzige Landung resp. Start einer Vampire. Weiterhin Verwendung fand die Piste als Basis für Leichtfliegerstaffeln. Soweit bekannt, wurden letztmals im September 1984 reguläre Einsätze von der Leichtfliegerkompanie 2 von Frutigen aus geflogen.

Im Lawinenwinter 1999 wurde Frutigen sowohl für die zivilen Helikopterfirmen als auch die Luftwaffe zu einem regelrechten «Frontflugplatz» mit sehr vielen Flugbewegungen. Teilweise war die Luftwaffe mit bis zu einem halben Dutzend Maschinen vertreten.

Heute ist die Piste in Gemeinde-/Privatbesitz und wird als Gewerbezone und für öffentliche Nutzung wie Parkplatz oder Country-Festivals genutzt.

Manöverbericht 1943

Flugplatz Frutigen, September 1943: Wir arbeiten an Bunkern auf dem Flugplatz. Morane-Jäger stehen startbereit. Da, die Sirene heult auf, die Piloten starten in den grauen Himmel hinein, die Flab eilt an die Geschütze. Mit unheimlichem Dröhnen stürzen sich die «feindlichen» Messerschmitt Me 109 vom Elsighorn, Dorfgrat und von Reichenbach her auf den Flugplatz, brausen im Tiefstflug darüber hin und her, bis eine Junkers Ju 52 mit ihren drei Motoren heran gedonnert kommt. Aus etwa 50 Metern lässt sie «Fallschirmler» über dem Dorf und dem Tellenfeld fallen. Die Sandsäcke schweben an den grossen weissen Schirmen zur Erde, die Ju 52 verschwindet. Jetzt stieben aus allen Ecken die bisher versteckten Soldaten mit dem Feindband um den Helm hervor, die die Fallschirmler darstellen, verfolgt von ein bis zwei Kompanien (hier stationierter) 33er. Ein halbstündiges Geknatter von Karabinern, MP und MG hebt an, bis der «Feind» erledigt ist. Inzwischen griffen die Morane-Staffeln die Me 109 an, drückten sie in 1000 bis 2000 m Höhe, wo eine lang andauernde Kurbelei losgeht. Die Messerschmitt suchen schliesslich das Weite, werden aber noch lange verfolgt von den Moranes, bis diese endlich im Tiefflug über den inzwischen von den Fallschirmlern gesäuberten Platz brausen und landen. Es war eine äusserst lehrreiche Übung, die uns die Zusammenarbeit von Flugwaffe und Fusstruppe sowie die neusten Angriffsmethoden deutlich vor Augen führte.

Auszug aus dem Tagebuch von Rudolf Schneider, Frutigen