Die Armee hat heute kaum mehr verbunkerte Unterstände im Bestand. Ob und wieviele der Feldunterstände FU88 noch vorhanden sind – oder ob ein neueres Modell zur Verfügung steht, ist mir unbekannt.

Beim FU handelt es sich um einen zylinderförmigen Unterstand aus Metall mit einem Durchmesser von 2,5 und einer Länge von 6 Metern. Er wiegt 3500 kg. Je nach Verwendungszweck bietet er 12 Liege- oder 18 Stehplätze. Durch Anpassung der Inneneinrichtung kann der Unterstand auch als Sanitätshilfsstelle, Kommandoposten oder Materiallager genutzt werden. Eine einfache Ventilationseinrichtung ohne AC-Schutz ist vorhanden.

Die Entwicklungsgeschichte

Ende der 1960-er Jahre fehlten der Armee 100’000-150’000 Schutzplätze. 1969 wurde deshalb ein Ideenwettbewerb für einfache normierte Unterstände durchgeführt, 38 Projekte wurden eingereicht. Mehrere Prototypen wurden in den Jahren 1971-73 erprobt. Am Ende fiel der Entscheid auf die Firma Dr. Ing. Koenig AG (Dietikon), ihr Modell zum FU 74 weiterzuentwickeln. Dazu wurde ein neuer Einstieg entwickelt und der Notausgang eliminiert.

1976 wurde der FU 74 als beschaffungsreif erklärt. 1978 erlaubt der Bund der Firma Koenig, den Unterstand auch an Dritte zu verkaufen und zu exportieren. 1980 wurde die Arbeitsgemeinschaft Schutzbauten zwischen Koenig und der Schweizerischen Metall-Union gegründet. In den nächsten zwei Jahren wurden weitere Vereinfachungen umgesetzt und die Fabrikationsunterlagen erstellt. Fakt ist, dass 1983 der Armee noch immer 100’000 bis 150’000 Schutzplätze fehlten…

1984/85 entwickelte das Bundesamt für Genie und Festung den FU74 zum FU88 weiter, unter anderem mit Nutzung einer 2,5 mm dicken Wellstahlplatte der Firma Ferriere Cattaneo SA (Giubiasco) und einem neuen Winkel-Einstieg. Anschliessend folgten Truppenversuche.

1986 wurden 4500 Materialsätze im Rahmen des Rüstungsprogramms für 62 Millionen Franken beschafft. In der Botschaft heisst es, dass die Infanterie durch den Einsatz des FU88 in Stützpunkten künftig der aufwändige Bau von Holzunterständen erspart werden solle. Der Aushub für die Erstellung im Mobilmachungsfalle erfolge maschinell oder per Hand, für die Montage seien weder Spezialwerkzeuge noch Spezialisten nötig. Die Auslieferung erfolgte in den Jahren 1987 bis 1991.

Zum FU 88 sollten eigentlich noch Beobachter (Typ 90?) beschafft werden, was kaum mehr der Fall gewesen sein dürfte. Jedenfalls hat die RUAG etwa ums Jahr 2012 mindestens 1000 Exemplare des FU 88-Bausatzes in neuwertigem Zustand für je 1300 Franken (inkl. MwSt.) zum Verkauf angeboten – Mengenrabatt gewährte sie aber keinen.