Offenbar hat das VBS im Zuge der Erarbeitung der ADAB-Inventare ja einige Zusicherungen gemacht, was den Erhalt von ehemaligen militärischen Anlagen angeht. Gerade im aufgeführten Raum St.Maurice sind aber offenbar letztes Jahr verschiedene Rückbauarbeiten gemacht worden. Was soll man davon halten?

Aus einem Dossier über die Trinkwasserversorgung des Artilleriewerkes A1750 Gross Tosse stammt dieser handkolorierte Plan der geologischen Verhältnisse. © Bundesarchiv

Schule und Kurse der Festungstruppen. St. Maurice. Infanterie

Rekrutenschule Zum ersten Mal wurde eine Infanterie-Rekrutenschule in den Befestigungen von St. Maurice abgehalten. In derselben wurden im Ganzen 87 Rekruten des Füsilierbataillons Nr. 12 ausgebildet. Der Erfolg war ein befriedigender. Die Bewaffnung, die Ausrüstung und die Bekleidung waren gut.

Wiederholungskurse Die Wiederholungskurse der Füsilierbateillone 9 und 11 L. fanden in Savatan statt und diejenigen des Bataillons 12 L. in Dailly; es wurden zu jedem Wiederholungskurs nur jeweilen 2 Compagnien einberufen. Auch diese Bataillone leisteten ihren ersten Dienst in den Befestigungen. Die Truppe ist im Allgemeinen gut, aber immerhin trifft man einzelne Leute, die für diesen Specialdienst nicht mehr beweglich genug sind. Die Disciplin war befriedigend. Die Cadres sind schwach; sie rückten unvorbereitet ein und hatten das Meiste von dem früher Gelernten vergessen. Ihre Autorität über ihre Untergeordneten liess zu wünschen übrig, was einigermaßen der im Kanton Wallis durchgeführten compagnieweisen Rekrutierung zuzuschreiben ist. Die Zahl der Offiziere war ungenügend, von den 12 Compagnien hatten deren 4 nur 3, 5 Compagnien nur 2 Offiziere, welche in der Compagnie eingeteilt waren, 2 Compagnien sogar nur 1 in der Compagnie eingeteilten Offizier und 1 Compagnie gar keinen. Im Mittel rückten somit per Compagnie nur 2 Offiziere zu den Wiederholungskursen ein.

Quelle: Bericht des Bundesrates an die Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahre 1896.

Einen interessanten Einblick in die Entwicklung von Bauten in der und für die Schweizer Armee ergeben sich beim Durchblättern der Baubotschaften und Rüstungsprogramme. Als Beispiel hier das Jahr 1950, als man zwar noch kriegsmüde war, aber dennoch den sich abzeichnenden Ost-West-Konflikt erkannte und entsprechend Investitionen in die Landesverteidigung beantragte. Hier einige Auszüge im Original-Wortlaut.

Rubrik Genie und Festung

Die neue Dienstabteilung muss sich auf dem Gebiet des Bauwesens mit den Minenobjekten und den Festungswerken, einschliesslich der Munitionsmagazine, befassen. Diese Werke bedürfen alle ständiger und regelmässiger Verbesserungen, dafür haben wir 2 von insgesamt 8 Millionen Franken im jährlichen Budget vorgesehen. Neben diesen laufenden Aufgaben muss unser Zerstörungsnetz an einigen Stellen ergänzt werden, und unsere wichtigsten Festungsbauten sollten der normalen Entwicklung der Bewaffnung und dem technischen Fortschritt angepasst werden.

Es ist unerlässlich, die Panzerabwehr gewisser Werke zu verstärken und einige grosse Werke neuzeitlich auszurüsten. Ist jedoch einmal das laufende Bauprogramm für St. Maurice vollendet, wofür die notwendige Summe von 24 Millionen Franken in den «Verpflichtungen» aufgeführt ist, glauben wir, dass nicht gleichzeitig grosse Anstrengungen für die Feldarmee, für Festungswerke und für das Zerstörungswesen gemacht werden können. Wir geben der Feldarmee ohne Vorbehalt den Vorrang und führen im Programm für Neubauten nur 6,5 Millionen Franken auf. Die Hälfte davon ist für Sicherheitsvorkehrungen in Munitionsmagazinen der Festungen vorgesehen.

Rubrik Brennstoffdepots

Die Entwicklung der Motorisierung hat natürlich einen erhöhten Bedarf an Brennstoffen zur Folge. Das Problem der Reserven und Lager berührt nicht nur die militärische, sondern auch die wirtschaftliche Landesverteidigung. Von beiden Seiten hat man sich zusammengeschlossen, um gemeinsam ein grosses Programm für den Bau unterirdischer Lager aufzustellen. Der Anteil an der 1. Tranche dieses Programms beläuft sich für die Armee auf 22 Millionen Franken ; davon sind 3 Millionen schon ausgegeben, und 19 Millionen sind in den 20 Millionen Franken der «Verpflichtungen» enthalten.

Rubrik Munitionsmagazine

Da der ganze Kriegsbedarf an Munition schon im Frieden angelegt werden muss, brauchen wir notgedrungen zahlreiche Depots. Die Waffenentwicklung läuft in der Richtung einer Vergrösserung der Kaliber und Vermehrung der Rohre; daraus entstehen neue Anforderungen für Munitionsart und -zahl und damit auch für die Magazine. Nach den Katastrophen von Dailly und Blausee-Mitholz müssen die Sicherheitsmassnahmen verstärkt werden. Dies verlangt zahlreiche neue Depots, um zu verhindern, dass die Sprengstoffmenge in jedem einzelnen von ihnen das Mass überschreite, das von der nach den Katastrophen eingesetzten Expertenkommission als «zulässig» bezeichnet wurde. Alte Magazine müssen umgebaut und neue in einer viel kostspieligeren Bauweise als bisher erstellt werden.

Seit 1947 wurden die dringlichsten Massnahmen getroffen; aber manchmal waren diese nur vorübergehender Art und müssen jetzt durch dauerhafte Einrichtungen ersetzt werden. Wenn wir auch auf diesem Gebiet die vernünftigste und zugleich preiswerteste Lösung suchen, so ist eine übertriebene Beschränkung nicht zu verantworten, denn unsere Soldaten wären wehrlos, wenn ihnen die Munition für ihre Waffen fehlen sollte, weil die Depots durch Bomben und Sabotagehandlungen zerstört wurden.

Seit Ende des Aktivdienstes wurden Magazine sozusagen ohne Unterbruch, aber in verhältnismässig langsamer Folge, erstellt. Die Arbeiten müssen nun beschleunigt werden. Durch bereits begonnene Bauten bestehen 45 Millionen Franken an «Verpflichtungen»; ihnen müssen 52,5 Millionen Franken hinzugefügt werden, von denen ungefähr die Hälfte durch Verstärkung der Sicherheitsmassnahmen bedingt ist. Die Gesamtsumme von 100 Millionen Franken ist zweifellos sehr beträchtlich, dabei ist dies jedoch nur ein Annäherungswert, denn einmal ist es schwierig, den Raum für die Munition noch nicht bestehender Waffen zu bestimmen und zweitens können die geologischen Verhältnisse, die beim Bau unterirdischer Depots auftreten werden, den Baupreis wesentlich beeinflussen.

Ob wohl dieses Jahr die legale Jagd nach den 12 cm Festungsminenwerfern losgehen kann? Die sind ja schon lange genug ausser Dienst und würden die Objektliste vieler Sammler ergänzen – das wäre doch ein guter Vorsatz für das VBS 😉

Jedenfalls wünsche ich auch in diesem Jahr viele überraschende Begegnungen mit Betonklötzen, Felsentarnungen und anderen geheimnisvollen Objekten.

Als die 3. Division im Aktivdienst den Reduiteingang am Thunersee bezog, bildete sie als «Kampfgruppe Thunersee» mehrere einzelne Kampfgruppen. Die Südgrenze des Raumes, für den diese Division verantwortlich war, wurde als «Kampfgruppe Hochalpen» bezeichnet und dem Territorialregiment 87 zugeteilt. Das Schwergewicht hatte das Ter. Bat. 175 zu tragen.

Die Gruppe Hochalpen wurde in mehrere Abschnitte unterteilt: Gemmi, Lötschenpass, Mutthorn und Jungfrau.

Da im südlichen Vorfeld der Stellung die starke Gebirgsbrigade 11 stationiert war, wurden nur wenige feste Verteidigungsstellungen an dieser auf dem Alpenkamm an der Grenze der Kantone Bern und Wallis entstehenden Linie erstellt. Zumeist wurden Unterkunftsbaracken und Schutzhütten gebaut. Dazu kamen etliche Seilbahnen zum (temporären) Einsatz.

Bekannt ist im Abschnitt Gemmi die Waffenstellung Gemmi. © BAR

Die Planung der Transport- und Verbindungswege auf den Lötschenpass. © BAR

Skizze eines nicht realisierten Infanteriewerkes in der Klus (Eingang Gasterntal/Kandersteg). © BAR

Ein Buchtipp: Wunderwaffen – Ergänzungsband – Leider hat es der Verlag VSAM noch immer nicht geschafft, seinen Shop mit diesem Buch zu aktualisieren. Also Bestellungen wohl am besten per Mail machen -> shop@armeemuseum.ch (am bestem mit Hinweis auf festung-oberland.ch als Quelle 

Das Buch «Die Wunderwaffen der Schweizer Armee» hat grosses Interesse an diesen unbekannten und oft auch wenig beachteten Sperrsystemen geweckt. In der Folge tauchten viele neue Fragen auf, und neue Dokumente wurden entdeckt. Daraus entstand ein Ergänzungsband mit 200 Seiten.

Im neuen Buch – herausgegeben vom Verein Schweizer Armeemuseum – sind als Hindernisse die geplanten Überflutungen im Detail abgehandelt, mit denen ein Feind gestoppt werden sollte. Das ganze Spektrum der Unbrauchbarmachungen wurde neu integriert und auch das Kapitel Hindernisse mit zahlreichen «Trouvaillen» vervollständigt. Das Kapitel der Sprengobjekte konnte mit einem Bericht über die Sprengversuche 1970 im Gasterntal mit dem Permanenten Sprengdispositiv PSD 75 ergänzt werden. Ein echtes Bedürfnis wird zudem mit der vollständigen Liste der Sprengobjekte, die nach 1975 gebaut wurden, inklusive Koordinaten, abgedeckt.

Im 600-seitigen Hauptband ist die Geschichte der permanenten Zerstörungen der Armee zusammengefasst. Die Vorbereitungen für gezielte Sprengungen, um so einen feindlichen Vormarsch zu stoppen, beeindruckten und stärkten das Bild der abwehrbereiten Schweiz in den ausländischen Köpfen. Dass in diesem Zusammenhang von «Wunderwaffen» gesprochen wird, ist kein Zufall. Das System war relativ kostengünstig, effizient, der Einsatz wäre für einen möglichen Gegner meist überraschend gekommen und hätte dessen Vormarsch empfindlich verzögern können. Im Inland waren die Sprengstoffstollen in Brücken und unter Strassen hingegen kaum ein Thema – die Geheimhaltung funktionierte. Der Autor hat die Geschichte der militärischen Zerstörungsvorbereitung in allen Facetten zusammengetragen und in eine geordnete Form gebracht.

Mit künstlichen Hindernissen wurde starkes Gelände noch zusätzlich verstärkt. In einem zweiten Teil des Buches sind diese Typen und deren Einsatz und Wirkung beschrieben. Von den einfachen Betonröhren über eingerammte Stahlträger geht die Liste bis zu speziell in die Landschaft eingepassten Höckersperren («Tobleronen»).

Der Autor: Jürg Trick aus Muri bei Bern – auch Autor des immer noch lieferbaren Buches «Übersetzmittel der Schweizer Armee ab 1815» – war als Bauingenieur HTL in der Abteilung und später im Bundesamt für Genie und Festungen bei der Planung und Ausführung von Geländehindernissen und militärischen Bauten beteiligt.

Zumindest seinen Namen kennen militärgeschichtlich Interessierte sicher: Max Rudolf. Er hat zahlreiche Schriften zur aargauischen Militärgeschichte verfasst und ist trotz seines fortgeschrittenen Alters noch voller Ideen und vor allem Wissen.

Seine sehr detaillierten Publikationen umfassen jeweils (Bunker-)Pläne, einzigartige und bisher nicht publizierte Bilder und Originaldokumente. Max Rudolf fasst die jeweilige Geschichte kompetent zusammen und bringt dem Leser so ein Stück Lokal- und Militärgeschichte lebhaft nahe.

Aktuell sind folgende seiner Publikationen noch erhältlich:

  • Von den «Schuflenpuren» zur Grenzbrigade 5
    Auf Spurensuche in der Zurzacher Gegend.
    2006. 68 Seiten. 128 Abbildungen.
    Letzte Exemplare im Militärmuseum Full erhältlich.
  • Abwehrvorbereitungen der Grenzbrigaden 4 und 5 1936-45
    Auf Spurensuche von Leibstadt bis Kaiseraugst.
    2006. 96 Seiten. 170 Abbildungen.
    Letzte Exemplare im Militärmuseum Full erhältlich.
  • Als die 47er in Birmenstorf waren…
    Abwehrvorkehren des Gebirgs-Infanterieregiments 20 1939-1940 – Bauten im rückwärtigen Raum der 8. Division.
    2013. 111 Seiten. 193 Abbildungen.
  • Noch einmal die FÜNFTE
    Hinterlassenschaft der 5. Division in ihrem Verteidigungsabschnitt 1939-1941 zwischen Aare und Schinberg
    2015. 145 Seiten. 400 Abbildungen.
  • Rund um das Gebenstorfer Horn
    Abwehrvorbereitungen unserer Armee 1939-45 im Abschnitt des Gebirgs-Infanterieregiments 19
    2017. 100 Seiten. 287 Abbildungen.

Info/Bezugsquelle: Jede Publikation 40 CHF + Porto.
Schweizerisches Militärmuseum Full. General Guisanstrasse 1, 5324 Full oder
Max Rudolf, Oberzelglistrasse 13, 5413 Birmenstorf

Die neuste 7-bändige Dokumentation von Werner Pfenninger befasst sich im Detail mit der Grenzbrigade 7. Im bekannten System seiner vorherigen Doks hat er die vielen Anlagen und Objekte (unter anderem den Festungsgürtel Kreuzlingen) den jeweiligen Einheiten zugeordnet und mit Lage- und Anlagenplänen sowie Fotos versehen.

Alle Infos zu dieser Dok gibt es hier (PDF). Bestellungen per Mail an wernerpfenninger@hotmail.com

Um die Übersicht zu wahren, wurde die Anlagen der Schweizer Armee mit Buchstaben-Nummern-Kombinationen versehen. Diese so genannte AGFA-Nummern kennzeichnen ein Objekt eigentlich eindeutig, es gab aber auch Doppel-Nummern und Fehler.

AGFA bedeutet übrigens Abteilung für Genie und Festung A = erstes EDV-Projekt. Die neue Nummerierung wurde in der Westschweiz angefangen und dann im Uhrzeigersinn abgearbeitet. Wann genau diese Nummerierung begonnen wurde, ist noch immer nicht klar. Es gibt verschiedene Hauptkategorien mit einigen Unterkategorien.

Anlagen mit militärischen Nutzen im Kriegseinsatz

1: Anlage, die betreffend Schutzgrad beziehungsweise Wirksamkeit vollständig den neusten Erkenntnissen entspricht.
2: Anlage, die betreffend Schutzgrad beziehungsweise Wirksamkeit nicht vollständig den neusten Erkenntnissen entspricht.
3: Anlage mit reduzierter Bereitschaft
4: Anlage, die nur behelfsmässig verwendet werden kann.
(5): Hilfsanlage ohne speziellen Kampfwert

Anlagen ohne militärischen Nutzen im Kriegseinsatz

6: Anlage in Projektierung oder Bauausführung
7: Anlage dient ausschliesslich der Ausbildung
8.0: Anlage dient ausschliesslich der Verwaltung
8.9: Anlage, die überzählig ist. Weiterverwendung offen
9.0: Anlage mit historischem Wert
9.1: Anlage, die mit minimalem Aufwand erhalten werden kann
9.2: Anlage, die zum Abbruch freigegeben wurde und nach Abbruch der Bundesboden verkauft werden kann
9.3: Anlage, die zum Verkauf freigegeben wurde

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