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Die Protokolle der Räumungsdetachemente geben Auskunft, wie die mühsame und gefährliche Arbeit nach der Explosion im Munitionslager Mitholz ablief.

(Download PDF 2018-2408-Mitholz )

Das nachfolgende Interview erschien erstmals am 6. Juli 2018 im «Frutigländer», Autor Hans Rudolf Schneider. Es zeigt auf, wie bedenkenlos – oder unverantwortlich – mit dem «Problem Mitholz» umgegangen wurde.


Er ist zu jung, um die Explosion des Munitionslagers im Dezember 1947 erlebt zu haben. Dennoch haben die Bomben und Granaten Urs Kallen während 30 Jahren begleitet. Der ehemalige Anlagenchef von Mitholz erzählt aus seiner Erinnerung.

Die letzte Woche vom Verteidigungsminister veröffentlichte Information, wonach gut 3500 Tonnen Munition im verschütteten Verladestollen des Magazins Mitholz vermutet werden, beschäftigen Urs Kallen (62) seither. Und eigentlich auch schon vorher. Von 1980 bis 2010 war er bei der Armeeapotheke angestellt. Als Anlagenchef war der Frutiger beim Bau der unterirdischen Fabrikationsanlage dabei und anschliessend quasi Betriebsleiter des grossen Bunkers.

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Der nachfolgende Kommentar erschien erstmals am 3. Juli 2018 im «Frutigländer» / Autor Hans Rudolf Schneider


Panik und Hektik sind nicht angebracht. Mehrere Hundert Tonnen unkontrollierbaren Sprengstoffs in einem alten Bunker und unter Schutt vergraben sind ein gutes Argument, überlegt zu handeln. Dass diese Altlast durch den Verursacher Bund entsorgt werden muss, damit die Mitholzerinnen und Mitholzer wieder ruhig schlafen können, ist selbstverständlich. Sie wurden bereits einmal in Mitleidenschaft gezogen.

Und wie schlafen wohl heute die Hunderte von Armeeangehörigen, die in den letzten Jahrzehnten in der Anlage gearbeitet und genächtigt haben – nur wenige Meter von den Explosivstoffen entfernt? Spätestens mit dem Abschlussbericht der Explosion 1949 war klar, dass nicht alle Munition aus dem explodierten Magazin entsorgt oder deren Verbleib nachgewiesen werden konnte. Es handelte es sich um eine der grössten nicht-nuklearen Explosionen weltweit.

Der Umgang des Bundes mit dieser Gefahrenquelle stimmt nachdenklich. Erst 1986 wurde eine neue Risikoanalyse gemacht, weil die Armeeapotheke einzog. Es erfolgte damals keine Warnung. Wenn das VBS nicht eine Weiternutzung der Anlage als Rechenzentrum in Betracht gezogen hätte, wären die Unmenge an herumliegender Munition und die Gefahr in der Öffentlichkeit unbekannt geblieben. Niemand würde über Schutzmassnahmen oder die Räumung der Bomben und Granaten reden.

Hatte Mitholz in den letzten 71 Jahren einfach nur Glück, dass es keine erneute Katastrophe gab? Glück ist im Umgang mit Sprengstoff aber ein unzuverlässiger Partner!

Nach der Neubeurteilung der Explosionsgefahr im ehemaligen Munitionsdepot Mitholz: Derzeit wird das Lager der Armeeapotheke und das Sanitätsmaterial mit Hochdruck von einer kleinen Equipe geräumt. Hier einige Bilder davon (© VBS) – den erklärenden Text dazu gibts unter unter diesem LINK

Nachfolgend der zusammenfassende Bericht an den Polizei-Bezirkschef vom Eindringen in die Munitionskammern des Lagers Mitholz – datiert vom 20. Februar 1948, gefunden im Bundesarchiv.

«Nachdem bereits am 26. Januar 1948 Begehungsversuche in die zerstörten Munitionskammern in Blausee-Mitholz unternommen wurden, welche in Bezug auf die warme Witterung und Föhnwetter und der dadurch verbundenen Steinschlaggefahr abgebrochen wurden, fand am Mittwoch, 18. Februar 1948, wiederum eine Begehung statt. Der Einstieg durch eine grosse Spalte zwischen den beiden Felswänden etwas westlich des ehemaligen Eingangsportals A erfolgte am gleichen Ort wie am 26. Januar 1948 und zwar durch dieselbe Öffnung.

Blick vom hintren Verbindungsstollen in die Kammer 1 (Richtung verschütteter Eingang) im explodierten Munitionslagers Mitholz. © Bundesarchiv

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Update 30. Juni 2018: Das VBS hat informiert, das im Zusammenhang mit einem geplanten Rechenzentrum des Bundes in der Anlage Mitholz (1051 AA) eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde. Dabei kamen die Experten zum Schluss, dass das Risiko einer erneuten Explosion im ehemaligen Munitionslager höher sei als bisher bekannt. Während die eigentlichen Lagerstollen ausgeräumt, ausgebaut und für die Armeeapotheke genutzt wurden, blieb der frühere Bahn-Verladestollen mit Schutt, Trümmern und Munition gefüllt. Nun wurde sofort die Truppenunterkunft geschlossen und das Lager wird ausgeräumt. Gemäss VBS sind keine Sofortmassnahmen für die Bevölkerung, die Bahn und die Strasse nötig. Eine Arbeitsgruppe klärt ab, was mit den gegen 3500 Tonnen Munition, die in diesem Verladetunnel sowie im Schuttkegel vor der Anlage vermutet werden, passieren soll. Die lokalen Behörden fordern eine Räumung der Altlasten, was wohl nur mit Hilfe von Robotern erledigt werden kann. Aktuell sind dazu aber noch viele Fragen offen. Auch die Experten sind ratlos, da es in ganz Europa keine vergleichbare Situation wie in Mitholz gebe.

Ein Augenschein vor Ort in diesem Tunnel zeigt frei herumliegende angerostete Fliegerbomben, Granaten und Zünder. Teilweise ist die Munition zwischen Felsen eingeklemmt oder mit Schutt überdeckt. Von der Decke des Gewölbes drohen Felsen und Steine herunterzufallen, was im schlimmsten Fall zu Explosionen führen könnte.

Wie ernst die Behörden und die Landesregierung diese Angelegenheit nehmen, zeigt der Auftritt von VBS-Chef Guy Parmelin, der selber die lokale Bevölkerung über die neue Beurteilung des Risikos gemäss dem vorliegenden Zwischenbericht informierte.

Die Anlage Mitholz wurde mittlerweile entklassifiziert, Informationen darüber dürfen also veröffentlicht werden. Offizielle Unterlagen gibt es unter www.vbs.ch/mitholz

Weitere aktuelle Beiträge dazu sind im BLOG zu finden (Stichwort Mitholz).

Aktuell läuft die Arbeit an einem Buch über dieses verheerende Ereignis. Wer sich dafür interessiert, kann sich für den Newsletter des Verlages HS-Publikationen anmelden (Besitzer dieser Website) und erhält weitere Infos, sobald klar ist, wann das Buch erscheint. Die Mailadressen werden nur Verlagsintern verwendet und nicht an Dritte weitergegeben!

Plan der unteren Etage der Anlage mit den Lagerstollen. © AL

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