Die Gebirgsbrigade 11 und später die Grenzbrigade 11 hatten den Auftrag, einen allfälligen italienischen (oder sowjetischen) Vormarsch über den Simplon in Wallis zu verhindern. Die Brigade gibt es schon seit 1994 nicht mehr. Was geblieben ist, ist der steinerne Adler auf der Passhöhe – er wird dieses Jahr 75-jährig.

Die Berner Zeitung «Der Bund» berichtete im September 1944: «Der Adler, als Sinnbild des Mutes, der Kraft und der Wachsamkeit, steht nun aus Stein, gehauen und gemauert, hoch oben auf dem Simplon! Die Einweihung und Übergabe an den Staat Wallis erfolgte Sonntag, den 10. September. Aus allen Stäben und Einheiten der Brigade pilgerten in aller Frühe des Sonntags Abordnungen nach dem Simplon. Mittags um 11.45 Uhr begann der Aufmarsch zum Denkmal. Dieses steht zwischen Simplon Kulm und Simplon-Hospiz, rechts der Strasse, zirka 300 Meter hangaufwärts auf einer Bodenerhöhung. Stolz und mächtig steht der 9,5 Meter hohe Adler aus Granit über allem. Seine riesigen Umrisse heben sich scharf vom Nebel ab, der ringsum die Berge einhüllt. Am Fusse des Denkmals haben sich die Träger der Truppenhoheitszeichen aufgestellt. Ihre rot-weissen Tücher flattern in der zügigen Bise. Vor ihnen postieren sich der Brigade-Kommandant, die beiden Vertreter der Regierung des Kantons Wallis, der Genie-Chef, Abordnungen der Alpen Simplon, der Ortsgeistliche sowie weitere Ehrengäste. Und ringsherum stehen Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der verschiedensten Waffengattungen, vom HD-Soldaten bis zum Regimentskommandanten!»


Inschrift auf dem Sockel des Denkmals

«IN DER FREIHEIT DER BERGE STEHT ES, EIN WUCHTIGES MAL AUS HARTEM GRANIT: EIN GEDENKEN TREUER PFLICHTERFÜLLUNG, EIN DAUERNDES MAHNEN, WILLIG UND WACH ZU SEIN FÜR UNSERE FREIHEIT.»


Der Bildhauer erzählt

Etwas technischer beschreibt Erwin F. Baumann, Architekt und Bildhauer aus Faulensee BE, in der Bauzeitung vom Dezember 1944 die Entstehung. Als Freiwilliger einer HD-Bewachungskompanie stand er zufälligerweise im Dienst im Kommandoberiech der Brigade. Baumann erhielt den Auftrag, zu prüfen, ob das Ausbruchmaterial für ein Wahrzeichen aus Granit genutzt werden könnte. Sein Entwurf fand Anklang und «die Vorschläge für die technischen Möglichkeiten zur Ausführung eines über neun Meter hohen figürlichen Monuments in Bruchsteinmauerwerk wurden als durchführbar erkannt». Er beschreibt etliche mögliche Varianten, wie das Bauwerk erstellt werden könnte und eine genaue Beschreibung, wie er vom Gipsmodell endlich zum steinernen Denkmal gelangte. Allein die aussergewöhnlich grossen Masse waren schon ein Problem. Unter Anleitung des Bildhauers bauten Unteroffiziere und Soldaten der Brigade «ihren» Adler – in Ablösungen von sechs bis acht Mann. «Eine Gruppe von Bausoldaten aus dem Berner Oberland und dem Wallis – abkommandiert aus zwei HD-Baudetachementen – übertraf bei den heikelsten Arbeiten selbst die höchsten Erwartungen des Projektverfassers», hielt er fest.

Bilder von der Einweihungsfeier © Bundesarchiv