Sperren und Sprengobjekte
Engnisse im Gelände oder in Verkehrsachsen sind seit
Jahrhunderten künstlich verstärkt worden. Solche Letzinen
(Mauern) wie in Wimmis oder Mülenen wurden von Tankgräben,
umgeleiteten Bächen oder Mauern ersetzt, Höcker und
Tobleronen resp. Eisenbahnschienen kamen dazu und oft
wurden besonders geeignete Engnisse (Strassen, Bahngeleise,
Brücke und Tunnels) mit Sprengstoff zur Zerstörung
vorbereitet.
Während nach dem Ersten Weltkrieg die Armee sträflich
vernachlässigt wurde, musste im Zweiten Weltkrieg massiv
und rasch aufgerüstet werden. 1945 zählte man in der Folge
fast 3000 Sprengobjekte sowie rund 3200 Tankbarrikaden und
andere Hindernisse. Dazu kamen 290 Festungsgeschütze und
1410 Infanteriewerke und -bunker mit Panzerabwehrkanonen
oder Maschinengewehren.
Im Kalten Krieg erfolgte eine Modernisierung, es standen
rund 400 Festungsgeschütze zur Verfügung, dazu 600
Panzerabwehrkanonen und 1800 verbunkerte Maschinengewehre.
1992 zählte man rund 4000 permanente Panzerhindernisse und
etwa 2000 Sprengobjekte. Dazu kamen rund 2000 Schutzbauten
für Truppen und Führung.

Behelfsmässige
Sperre zur Kanalisierung des Verkehrs © Stiftung HAM

Beispiel
einer Sperrstelle mit Sprengobjekt: Schachtdeckel in der
alten Jaunpass-Strasse

Beispiel einer Sperrstelle mit Sprengobjekt: Türen zu den
Sprengkammern.
Geladene
Strassen- und Bahntunnels
Dass
in den grossen und wichtigen Alpentunnels Sprengungen
vorbereitet sind, ist wohl jedem klar. Lange Zeit war dort
der Sprengstoff direkt einbetoniert (Permanentes
Zerstörungsnetz), nur die Zünder fehlten. Nach dem
Flammeninferno im Gotthardtunnel war dies plötzlich ein
Thema, da sich in der Nähe der Unglücksstelle eine solche
riesige Mine befand (siehe unten). Da es heute noch
vereinzelt aktive Sprengobjekte gibt, sind die Infos sehr
zurückhaltend zu erhalten. Interessant ist deshalb dieser
französischsprachige Bildbericht auf einer
ausländischen Website
über
die Schweizer Sprengobjekte.

Zurückgebautes
Sprengobjekt in einer Strasse im Raum Spiez: Mit total
sechs Sprengschächten wäre der Lehnenviadukt der Strasse in
die Luft gejagd worden. Die Sperrstelle lag zudem im
Bereich von Artilleriefeuer.
Grosse Aufregung herrscht nach dem Brand im
Gotthard-Tunnel, unweit eines grossen Minenobjekts. «Trotz
dem Fall der Berliner Mauer vor zwölf Jahren hat die Armee
die Transitrouten durch die Schweiz bis vor kurzem so
gesichert, als ob ein Grossangriff unmittelbar bevorstehe»,
schreibt der Tages-Anzeiger vom 21. Dezember 2001 unter dem
Titel Keine Sprengsätze in Tunnels. Zwar hätte die
Armeeführung 1996 - fünf Jahre nach Auflösung des
Warschauer Pakts - beschlossen, die Sprengsätze aus den
Alpentunnels zu entfernen. Passiert ist jedoch lange
nichts. «Nach dem Brand im Gotthardtunnel entdeckten die
Rettungskräfte, dass nach wie vor mehrere Tonnen Tolyl in
500 Kilo schweren Gefässen unter der Fahrbahn gelagert
wurden. Im Ernstfall, so dachte die Armeeführung, sollte
der Sprengstoff mit Zündern scharf gemacht werden, die
ausserhalb des Tunnels gelagert wurden. Ähnliche
Sprengungen seien für die Bahntunnels im Gotthard und
Simplon vorbereitet gewesen, bestätigte gestern
Korpskommandant Hans-Ulrich Scherrer. Hingegen sei der
San-Bernardino-Tunnel nicht geladen worden.»
Die Basler Zeitung rahcte beriets am 30. November 2001
unter dem Titel Gotthardtunnel von Dynamit befreit einen
Bericht zu diesem Thema: «Der Sprengstoff, den die Armee in
der Gotthardröhre in speziellen Sprengkammern gelagert hat,
ist freilich ganz anders als die beliebten
Feuerwerkskörper, die am 1. August abgebrannt werden und
meist mit Schwarzpulver hergestellt werden.» Heutige
Gelatinesprengstoffe seien so sicher, dass sie nur mit
Spezialzündkapseln zur Explosion gebracht werden könnten,
die ihrerseits eine kleine Explosion und grosse Hitze
erzeugen müssen. Unfälle werden dadurch vermieden, dass
Dynamit und Sprengkapseln getrennt gelagert und erst kurz
vor Gebrauch zusammengeführt werden. «Und auch bei allen
anderen rund 2000 Brücken, Tunneln und Engnissen, welche
noch bis 1990 im ganzen Land herum zur Sprengung ähnlich
vorbereitet waren, ist es nie zu einem entsprechenden
Unfall gekommen. Jetzt werden die grossen Mengen Dynamit
aus dem Gotthard entfernt und der Strassentunnel so
„desarmiert“», heisst es weiter.
Vor fünfzig Jahren retteten Partisanen den Simplontunnel
schrieb die Basler Zeitung am 22.4.1995. «Das auf
italienischem Territorium liegende Südportal des längsten
Eisenbahntunnels durch die Alpen war gegen Ende des Zweiten
Weltkriegs von den im Ossolatal stationierten deutschen
Truppen zur Sprengung vorbereitet worden. Die Deutschen
hatten bereits den Sprengstoff zum Bahnhof Varzo
herangeführt. Diese Aktivitäten waren der schweizerischen
Spionageabwehr dank des im Nachrichtendienst tätigen, in
Domodossola stationierten Zollbeamten Peter Bammatter und
des SBB-Beamten Mario Rodoni nicht entgangen.» 120 Mann der
2. Garibaldi-Division riegelten am 21. April 1945
schliesslich das Tal bei Varzo ab, unterbrachen die
Telefon- und Telegrafenleitungen und entwaffneten die
österreichischen Wachtposten, die in die Schweiz
abgeschoben wurden. Die Partisanen entfernten in der Folge
1500 Kisten mit Explosivstoff und die beiden Tunnelröhren
waren gerettet.