Bundesratsbunker - zivile Führungsanlagen
Insgesamt 18 Kantone hatten in den letzten Jahrzehnten eigene geheime Führungsanlagen erstellt, die im Notfall zivil und militärisch genutzt worden wären. Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde für den Bundesrat eine Führungsanlage, der sogenannte Brindlistollen A8760, erstellt. Weitere Projekte und ausgeführte unterirdische Bauten folgten und sind zum Teil noch heute in Betrieb - wenn auch für andere Zwecke wie als Truppenunterkunft. Inwieweit diese Anlagen als zivil bezeichnet werden können, ist fraglich, wurden doch zum Beispiel die Abteilung Presse und Funkspruch (eine Militäreinheit) ebenfalls in der Nähe der Regierung angesiedelt.
* K3 Harnischhut
* K8/A8760 Brindlistollen
Jüngstes und umstrittenstes Beispiel ist eine Ende der 1990-er Jahre fertiggestellte Führungsanlage für die Landesregierung im Berner Oberland. Der Planungsauftrag dazu wurde 1986 erteilt, die offiziellen Kosten beliefen sich auf 268 Millionen Franken. Die Details der Anlage sind selbstverständlich klassifiziert, bekannt sind jedoch aus diversen Medienberichten und der Baubotschaft, dass es sich um zwei grosse Kavernen mit der entsprechenden Führungs- und Kommunikationsinfrastruktur handelt. Weitere Infos - vor allem Medienberichte, aber auch Protokolle der Verhandlungen der eidgenössischen Räte - sind im Internet auffindbar und verraten zum Teil sogar Standorte von K-Anlagen. Ein Beispiel für die offene Informationen ist die offizielle VBS-Internetseite, auf der die Aufgaben, Dienstleistungen und WK-Standorte der Hauptquartier-Bataillone, die der Führungsunterstützungsbrigade 41 unterstellt sind, ersichtlich sind (soviel zum Massstab der Geheimhaltung innerhalb des VBS). Ach ja, als erster hat übrigens ein deutscher TV-Sender den «geheimen» Standort der umstrittenen Anlage im Berner Oberland verraten. Und dann waren es 2008 schon wieder die Deutschen, die für Aufsehen sorgten: Sie publizierten die Koordinaten. Erstaunlicherweise wurde von Seiten des Bundes darauf kaum reagiert, anders wäre das wohl bei der Publikation in Schweizer Medien gewesen. In der heutigen globalen Epoche findet aber jeder raus, was er wissen will.
In den zivil-militärischen Führungsanlagen fand jeweils auch die Abteilung Presse und Funkspruch (APF) Unterschlupf. Das ist die Abteilung, die in Kriegszeiten die Bevölkerung informieren sollte und so die Rolle von regulären Zeitungen, Radio und TV übernahm. In erster Linie ging es darum, die Informationen der Landesregierung zu verbreiten. Dazu wurden u.a. Reduitsender (z.B. an der Lenk, heute abgebrochen respektive ein Käselager) gebaut, aber auch in geschützten Räumen Druckereien aufgestellt. Die APF wurde mittlerweile aufgelöst.

Eingang zu einer ehemaligen Führungsanlage