Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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Reduitbrigade 24


Die Brigade 24 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet, um die durch den Abzug des 4. Armeekorps verwaisten Anlagen zu übernehmen. Im Krieg warn im Raum dieses AK die Gruppe Glärnisch (Kanton Glarus), die 6. Division (westlich des Sihlgrabens bei Schindellegi-Kanton Zug-Kanton Schwyz inkl. Rigi) und die 7. Division (Linthgebiet-Etzel-Sihlsee) eingesetzt. Die Bildung dieser ortsfesten Brigaden im Herbst 1946 resultierte aus den Erfahrungen des Krieges uns berücksichtigte u.a. die grosse Anzahl an Permanenzen, die erstellt worden waren. Natürlich wurden entsprechend die Truppenordnungen angepasst, wobei in der ersten Phase die neuen Festungs- und Reduitbrigaden nicht aufgeführt wurden (Geheimhaltung).

Der Raum
Die Brigade war für einen Raum verantwortlich, der vom südlichen Zürichseeufer über Zug zum Vierwaldstättersee, ins mittlere Reusstal und über den Klausenpass ins Glarnerland an den Walensee und bis zum Etzel und Hirzel reichte.

Der Auftrag
Die Brigade sperrte die Zugänge aus dem Mittelland in den Zentralraum, hält Schlüsselräume (Talkessel von Schwyz und Altdorf) und schützt Einrichtungen der Armee. Generalstabschef Oberstkorpskdt de Montmollin hielt am 7.9.1946 in einem Dokument zur Bildung der Brigaden fest, dass den «Reduittruppen im Kern des Landes eine ähnliche Aufgabe wie den Grenztruppen in den Grenzzonen» zufalle: Sie sperren die Hauptachsen ins Landesinnere – «Mehr kann von ihnen nicht verlangt werden.» Für die Erfüllung dieser Aufgabe mache man weitmöglichst Gebrauch von den bestehenden Befestigungsanlagen.

Für die Reduittruppen des 4. Armeekorps – also die neue Reduitbrigade 24 - hiess das:
  • Linthebene: Verhinderung der Festsetzung des Gegners in der Linthebene durch Kampf aus den Stützpunkten Grynau, Reichenburg und Giessen (Möslifluh). Sicherung des Linthstaus.
  • Reduiteingang Näfels: Sperren des Linthhales bei Beglingen-Näfels.
  • Reduiteingänge Siebnen-Aegerisee: Sperren der Achse Wäggital bei Vorderthal. sperren der aus dem Raum Zürichsee, des Sihltales und vom Plateau von Menzingen Richtung Einsiedeln und Sattel führenden Achsen auf dem Etzel, bei Biberbrücke, nördlich des Aegerisees und an der Aegeristrasse.
  • Reduiteingänge zwischen Aegerisee-Vierwaldstättersee: Sperren der ins Becken von Schwyz führenden Achsen zwischen Aegerisee und Zugersee und zwischen Zugersee und Vierwaldstättersee.
  • Durch den Raum der R Br 24 (und der Fest Br 23) führte auch die Gotthard-Bahnlinie. Diese wurde in die Abschnitte Arth-Goldau-Sisikon, Sisikon-Amsteg, Amsteg-Göschenen und Airolo-Bodio unterteilt und jeder Abschnitt von einem Bat bewacht.

Im selben Dokument schreibt de Montmollin, dass die Kampfkraft der Territorialtruppen (ohne Auszug- und Landwehrinfanterie) schon eingeschränkt sei, so seien „erst recht grösste Bedenken am Platz bei der Leistungsfähigkeit der Reduit-Ter. Trp. im Hinblick auf die mangelnde Ausbildung."

Die Einheiten (nach offizieller Brigadegründung am 28.4.1947)
  • Ter Bat 192
  • Ter Bat 146
  • Ter Rgt 83 (Bat 161, 157, 156)
  • Ter Rgt 79 (Bat 188, 149, 140)
  • Fest Art Kp 82
  • Fest Art Kp 53
  • Fest Art Kp 52
  • Fest Art Kp 51
  • Zer Det 66
  • Zer Det 65
  • Zer Det 61
  • Zer Det 60
  • Zer Det 59
  • Zer Det 58
  • Zer Det 57
  • Zer Det 56

Mit der Neuorganisation der Festungsartillerie wurden ab 1948 folgende Einheiten gebildet/zugeteilt:
  • Fest Art Kp 51 (Art Wk Beglingen)
  • Fest Art Kp 52 (Art Wk Verena)
  • Fest Art Kp 53 (Art Wk Spitz)
  • Fest Art kp 54 (Art Wk Barbara)
  • Fest Art Kp 55 (Art Wk Stock)
  • Fest Art Kp 56 (Art Wk Obere/Untere Nas)
  • Fest Art Kp 57 (Art Wk Näfels)

Die Infanteriewerke wurden in allen Brigaden in drei Kategorien eingestuft:
  • I. Kat: Die Werke der Kat. I umfassen sämtliche mit Waffen ausgerüsteten Objekte, die bei einer Mobilmachung eine Besatzung zugeteilt erhalten. Diese Werke müssen innert 48 Stunden kampfbereit sein.
  • II. Kat: Alle andren bewaffneten Objekte der Reduitbrigaden sind in Kat. II eingeteilt (kampfbereit innert 14 Tagen), allenfalls durch improvisierte Besatzungen von Verstärkungstruppen besetzt.
  • III. Kat: Diese Kategorie umfasst alle nicht bestückten Werke oder sonstigen bauten und Einrichtungen, die von der FW Kp. verwaltet werden und verschiedenen Zwecken dienen (Lagerung von Werkwaffen, Munitions- und Lebensmitteldepots, Unterkunft für Truppen usw.)

1948 wurde das Festungsregiment 24 gebildet:
  • Fest Abt 19 (Fest Art Kp 57, 51), 1994 aufgelöst
  • Fest Abt 18 (Fest Art Kp 52, 53, 54, 55, 56)

1962 wurde die R Br 24 dem neu gebildeten Gebirgsarmeekorps 3 unterstellt, administrativ der Geb Div 9 zugewiesen.

Die Truppenordnung 61 hatte etliche Umbenennungen von Einheiten zur Folge, unter anderem der Fest Art Kompanien.

Mitte der 1960-er Jahre wurde eine umfassende Bestandesaufnahme der Anlagen in der Linthebene gemacht. Mit Aufrüstungen, Modernisierungen und Neubauten von Objekten wurden in dieser Studie Kosten von knapp 1,9 Millionen Franken aufgeführt.

1970 erfolgte eine Studie mit dem Titel «Der Festungskrieg im Alpenraum». Unteranderem wird darin vom Brigade-Kommandanten Cramer kritisiert, dass der KP der Brigade, dass zu wenig mobile Panzerabwehrmittel mittlerer Reichweite vorhanden seien, kaum Flab-Mittel, keine Kampfverbände für Gegenschläge gebildet werden könnten (Ressourcenmangel), mangelhafte Funk- und Kabelverbindungen und dass es keinen Ausweich–KP für die Brigadeführung gebe. Gerade die fehlenden Panzerabwehrmittel wurden mehrmals erwähn. Der Kdt schlägt beispielsweise vor, alte 10,5 cm Kanonen durch neuere Bunkerkanonen zu ersetzen oder sogar Lenkwaffen in Werke (namentlich ins Art Wk Beglingen) einzubauen. Die Anzahl vorgeschlagener 12 cm-Festungsminenwerfer wären das absolute Minimum, eine Verdoppelung anzustreben. Der Ersatz der beiden 12 cm-Haubitz-Batterien in den Bunkern Ennetberge durch eine 10,5 cm Batterie verbessere zumindest durch den Umzug in die leeren Bunker den Schutz von Munition und Feuerleitstelle. Auch der Brigade-KP Selgis sei ungenügend. Cramer zählt auf: Er verfügt weder über Küchen- und Vorratsräume noch über Essräume für Of, Uof und Mannschaften. Die Schaffung solcher Lokalitäten, zusammen mit Verbesserungen der sanitären Einrichtungen, bedingt Vergrösserung der Notstromgruppe, des Maschinenraumes, der Tankanlagen für Wasser- und Betriebsstoffe, sowie den Ausbau des Licht-, Wärme-, Kraft- und Ventilationsnetzes. Derzeit ist eine aussenunabhängige Versorgung nicht sichergestellt.

1977 erfolgte eine Anpassung des Brigaderaumes: Die Linthebene ging an das Feldarmeekorps 4, der Talkessel von Altdorf kommt neu zur R Br 24. Ein Jahr später wurde auch das Art Wk Isleten in die R Br 24 integriert. Zudem wird die Werk-Kompanie 16 aufgestellt.



1983 waren offensichtlich noch nicht alle Wünsche in Bezug auf den Ausbau des KP der Brigade bewilligt worden. Kdt Streiff wies darauf hin, dass eine Integration des geplanten FLAWIZ in das Funkzentrum sinnvoll wäre, das aber aus räumlichen Gründen gar nicht bestehe! Die brigadeeigene Genieabteilung 64 habe beachtliche Leistungen zugunsten Privater geleistet. Künftig würden solche Einsätze abgelehnt, solange nicht die eigenen baulichen Bedürfnisse für einen kriegsgenügenden Einsatz der Brigade erfüllt seien.

Im Oktober 1983 wurde ein Ausbaukonzept für den Brigaderaum diskutiert. Interessant ist, dass etliche neue Infanteriebunker mit Pak als Hauptbewaffnung oder der Ersatz von MGs durch Pak in bestehenden Bunkern gefordert wurden. Dies betraf beispielsweise die Bernerhöchi, die Stützpunkte Etzel und Biberbrugg und die Sperren Sattel und Niederurnen respektive Näfels. Offensichtlich ist das Problem der (mangelhaften) Panzerabwehr der Brigade noch nicht gelöst. Die wenigstem der Anträge wurden realisiert.

Offenbar wurde auch bereits intensiv über die Standorte von neuen Centi-Panzertürmen diskutiert, die an einigen Stellen wohl ganze bisherige Sperr- und Bunkerlinien hätten ersetzen können. Realisiert wurden ja nur wenige Exemplare dieses Panzerabwehrsystems. Vorgesehen waren Centi-Türme in der Sperre 2415 Niederurnen-Ziegelbrücke (2x), 2419 Näfels (3x) und 2444 (Obere/Untere Nas).

1986 wurde die Werk-Kompanie 16 aufgelöst. 1988 wurde neu die Festungsflab-Abteilung 24 aufgestellt. 1989 erhält die Fest Abt 18 drei Fest Hb Batterien, die Abt 18 eine (je 6x 10,5 cm Hb 46 L22).
  • Fest Hb Bttr (mob) IV/218 Steinerberg (Inf Rgt 79)
  • Fest Hb Bttr (mob) V/18 Bennau (Inf Rgt 83)
  • Fest Hb Bttr (mob) VI/18 Bürglen
  • Fest Hb Bttr (mob) IV/19 Riedern

Zudem werden die Artillerie-Bunker Halsegg – Prototypen für das neue Festungsartilleriekonzept – in Betrieb genommen.

29. Oktober 1994: Formeller Auflösungsakt auf dem Rütli, die Brigade wird auf Ende Jahr aufgelöst.

Die Einheiten (bei der Auflösung Ende 1994)
  • Inf Rgt 79
  • Inf Rgt 83
  • Wk Kp 15, 46
  • Fest Rgt 24
  • Fest Abt 18 (Kp I/18, II/18, III/18, IV/18, V/18 und VI/18)
  • Fest Abt 19 (I/19, II/19, III/19 und IV/19)
  • Fest Flab Abt 24
  • Genie Abt 64

Die Kommandanten
  • 1947-1952 Oberst Fridolin Kundert
  • 1953-1956 Oberst Jakob Büchi
  • 1957-1959 Oberst Karl Streit
  • 1960-1966 Oberst/Oberstbrigadier Fritz König
  • 1967-1972 Brigadier Claus Cramer
  • 1973-1979 Brigadier Mario Oss
  • 1980-1985 Brigadier Hans-Jakob Streiff
  • 1986-1988 Brigadier Simon Küchler
  • 1989-1994 Brigadier Robert Küng