Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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A1980 KP Kien


Der Raum Thunersee war der 3. Division zugeteilt, bevor nach dem Krieg die neu gebildete Reduitbrigade 21 diese Aufgabe übernahm. Der KP der Einheit war in Thun, der Kriegs-Kommandoposten A1980 (BE470/Objektkredit 3448) jedoch hinter der Reduitlinie im Kandertal vorgesehen (ev. zeitweise als K3 bezeichnet).

In Unterlagen des Bundesarchives über beantragte Kredite ist der Standort mit Kien bei Reichenbach angegeben. Im Oktober 1940 war die Anlage geplant, aber mit dem Bau war noch nicht begonnen worden. Der Wochenbericht vermeldet im November, dass der KP im Bau sei und im Dezember: «Die Kavernen des Div KP müssen wegen wasserdurchlässigen Schichten mit Tunnelsteinen ausgemauert werden.» 1941 war der Auftrag für den Asphaltbodenbelag vergeben und die Ventilationspläne vergeben. 1942 war der Bau beendet, die Bodenbeläge erstellt und die Ventilation montiert, aber "es fehlen noch Möblierung und Matratzen". Im Oktober desselben Jahres erfolgte die Mobilisation und der Bezug des KP Kien: «Die Büros waren sehr gut eingerichtet, die Erwartungen übertroffen.» 1949 ist folgendes aufgeführt: A1980, RBr 21, Felswerk. Objekt ist feucht, keine Klimaanlage, Ventilation ist ungenügend. Tel.-Installation vorhanden muss neu erstellt werden, Telefonzentrale ausgebaut.

Aus den BAr-Unterlagen sind folgende Kosten ersichtlich:
  • 1941: Unterstände 10'000.- Beton, 165'000.- Kaverne, 10'000.- Infanteriehindernis, für Bauarbeiten bezahlt 121'311.–
  • 1943: Kreditsituation ausgegeben 389'459.-, fehlen Funker-Zentralen 60'000.-, total 449'459.–
  • 1945: Kredite 1. Armeekorps für 3. Division Kien: 395'266.-

Zwei Eingänge führen in die Anlage, die sich seit langem nicht mehr im Betrieb befindet. Der Ausbaustandard im Innern ist nicht mit heutigen Anlagen zu vergleichen, wie die Bilder beweisen von 2007. «Der Boden in den Räumen war nach links und rechts abschüssig», erzählt ein Insider. Oberhalb des einen Eingangs ist ein «Bunkerturm» in Steinverkleidung erstellt worden, ein Steigstollen führt dort hinauf. Drei Schiessscharten decken das Vorfeld ab. Auch beim Eingangsbauwerk waren Scharten vorhanden, heute ist jedoch dieses zubetoniert und nicht mehr zugänglich. Vor der eigentlichen Anlage war ein Betongebäude erstellt worden, in dem sich Infrastrukturteile und Sanitäranlagen befanden - alles in allem doch ziemlich speziell. Die letzte Nutzung der Anlage diente als Spiegel für Richtstrahlverbindungen aus einer anderen Führungsanlage.

Während Manövern der 3. Division war in Kien auch eine Kompanie-Meldesammelstelle mit Telefon und Funkverbindungen vorhanden war, die u.a. mit dem wichtigen Beobachtungsposten KP Heinrich (Hondrichhügel) verbunden war. Ob diese jedoch auch im KP untergebracht war oder anderswo, ist nicht klar.

Im selben Taleinschnitt in Kien sind grosse Munitionslager erstellt worden. Sechs Eingangstore in die einzelnen Kavernen sind gut sichtbar. Beim Unwetter 2005, bei dem die «Kiene» grosse Schäden verursachte, wurden ebenfalls Verladerampen zu diesen Kavernen weggespült. Diese Kavernen sind Anfang 2013 zum Verkauf ausgeschrieben worden (Richtpreis 432’000.-)

A1980-0000