Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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Lodrino-Osogna (LONA) TI


Auch wenn das Tal des Flusses Ticino in den dreissigen Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts leicht zu verteidigen war (zu überwachen waren die Pässe Jorio und Monte Ceneri, die Strassen entlang des Seeufers von Magadino und Gordola) war die Magadinoebene an sich ein gefährliches und ideales Gebiet für die Landung der Fallschirmgruppen, welche gerade in diesen Jahren entstanden sind. Die Festungslinie der LONA war eine der Antworten auf diese Gefahr wie auch für einen Einbruch durch das Valle Mesolcina. Sie hatte den Durchgang in die obere Leventina und ins Bleniotal zu sperren und in der Zeit des Reduits als Rückfallposition im Falle eines Durchbruchs zu dienen.

Über 100 Objekte bilden diese Sperrstelle, darunter die Geländepanzerhindernisse, die das ganze Tal queren. Diese werden aus flankierenden Infanteriewerken beschossen. Zurückliegend befinden sich drei Werke für die Unterstützung, davon waren zwei Felsenwerke mit 7,5 cm Kanonen (Panzerabwehr) und 8,1 cm Minenwerfer bestückt (Prototyp für solche Anlagen). Diese Anlagen bildeten zusammen eine sehr widerstandsfähige Sperrstelle am Eingang zur Leventina. Die Sperre wurde 1939-42 von Truppen und Privatunternehmen erstellt, die Planung erfolgte durch die 9. Division. Am Ende des zweiten Weltkrieges beinhaltete die zu Verfügung stehende militärische Ausrüstung 45 Maschinengewehre (leichte und schwere, auf Festungslafetten in der Festung oder auf Feldlafetten) 2 Tankbüchse Kaliber 24 mm, 6 Panzerabwehrkanonen Kaliber 4,7cm und 4 Kanonen mit Kaliber 7,5 cm.

Ferner war der Rückzug bei der Position
Mondascia-Mairano südlich von Biasca mit 8 Kanonen 12 cm 1882 in eigens dafür vorgesehen kleinen Bunkern positioniert. Eine ansehnliche Anzahl Waffen und Einrichtungen, die sich mit keiner anderen Sperre in der Schweiz vergleichen liess. Die erste in der Mondascia-Mairano-Stellung fest installierte Artillerie waren die 12 cm Ringrohrkanonen 1882 auf Schwinghebellafette, die nur in 16 Exemplaren hergestellt wurde. Die andern acht dieser Lafvetten waren im Artilleriewerk Kleiner Durren beim Pilatus eingebaut.

Drei Abwehrlinien wurden erstellt: die Geländepanzerhindernisse mit den Flankierwerken im Tal und den Felskavernen, die zweite Linie stammt aus der Nachkriegszeit mit den vorgefertigten Unterständen, die dritte Linie besteht aus den Artillerie-Felswerken. Eine beträchtliche Verstärkung der Linie bildeten die zahlreichen Unterstände aus vorfabrizierten Komponenten (Kugelbunker) , gebaut während den Jahren 1950-1960 in der Gegend von Iragna.

Was die zwei Felswerke betrifft, so handelte es sich dabei um Flankiergalerien wie Stuei oder die Galerie de Scex, die vor das Panzerhindernis wirken mussten. Sowohl die Knobel-Lafette, die nur eine geringe Depression und Elevation zuliess, wie auch die 7,5 cm Gebirgskanone 06, die zuerst eingebaut war, eigneten sich eigentlich nicht zur Panzerabwehr.

Die Artilleriedeckung umfasst allein rund 30 Objekte. Im Süden von Biasca befinden sich acht Haubitzen mit Kaliber 10,5 cm in Beton- oder Felsenwerken, ergänzt durch Unterstände und Kavernen für Munition und Mannschaften. Das Dispositiv, ursprünglich für zwei 7,5 cm Kanonenbatterien im Freien vorgesehen, wurde 1939-44 zu einer festen Installation mit acht 12 cm Kanonen modifiziert. Eine Modernisierung mit der Konstruktion der Unterstände und dem Ersatz der 12 cm Kanonen 1882 auf Hebellafetten (?) durch die 10,5 cm Haubitzen erfolgte 1954. Die Bunker wurden so gebaut, dass Rohre verschiedener Kaliber verwendet werden konnten.

Es handelt sich um eine der wichtigsten Sperren südlich des Gotthards: Besetzt wurde die Sperre durch die eigens gebildete Kampfgruppe LONA. Erst mit dem Fall der Berliner Mauer am Ende des kalten Kriegs wurde die Linie im 1995 in den Ruhestand versetzt.

Galerie Santa Pietà

(von Günther Reiss, 2002)
Das Werk, vollständig unter Fels in der Nähe der Kirche gelegen, hat viel Ähnlichkeit in seiner Konzeption mit dem frontalen Panzerabwehrbunker im Talboden. Vom Eingang her erreicht man einen ersten Raum auf der rechten Seite, der als Beobachter dient, um dann weiter in eine Stellung für eine 7,5 cm Kanone zu gelangen. Auf der linken Seite sind zwei Eingänge in die Unterkunft, denen auf der rechten Seite ein zweiter Beobachter und noch ein Kampfraum mit 7,5 cm-Kanone folgen. In den Kampfräumen kann man noch die Schienen und das Pivot der speziellen Lafette sehen, die nach dem Konstrukteur Knobel-Lafette genannt wird. Diese hat jedoch eine niedrigere Elevation als die Feldlafette. Nur sechs Stück dieses Typs, der für die Aufnahme der Wiege und des Rohres der 7,5 cm-Geschütze bestimmt war, wurden in der Schweiz installiert – alle im Tessin.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war das Werk mit zwei Gebirgskanonen 06 (7,5 cm, Reichweite 3,1 km) bewaffnet. 1950 wurden diese durch 7,5 cm Kan 03/22 (Reichweite 7,5 cm) ersetzt, was eine Anpassung der Lafette erforderte. Im selben Zeitraum wurde die Modernisierung des Werks studiert, um den neuen Sicherheitskriterien der Munitionslagerung zu genügen. Jedoch wurde diese Absicht nicht weiter verfolgt. Nach den vorliegenden Unterlagen waren die Ausschachtungen und die Scharten Mitte Dezember 1940 beendet; im September 1941 wurde das Werk als fertig gemeldet. Am 23. März 1943 wurde es offiziell dem FWK übergeben.

Bekannte Objekte
  • Geländepanzerhindernis LONA
  • Galerie Santa Pietà - 7,5 cm Kanone/Knobel-Lafette
  • Galerie San Martino - 7,5 cm Kanone/Knobel-Lafette
  • Infanteriebunker Grande
  • Artilleriestellung Mondascia
  • A1823 Infanteriewerk Chiesa - 718'510/128-920 - Infanteriewerk auf zwei Ebenen, durch Schrägstollen verbunden. 4x Mg und 1x Ik/Pak(?)
  • A8146 8,1 cm Fest Mw 56
  • A8154 Artilleriebunker 10,5 cm Kan (ist heute privat - Tessiner Artillerievereinigung - und kann besucht werden
  • A8155 Art Bkr Mondascia - 718’308/132’815
  • A8156 Art Bkr Mondascia - 718’575/132’894
  • A8157 Art Bkr Mondascia - 718’655/133’036
  • A8158 Art Bkr Mondascia - 718’711/133’045
  • KP (Kaverne)