Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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Festungsbrigade 23


Der Auftrag
Schwerpunktmässig mussten die Übergänge aus dem Tessin in den zentralen Alpenraum gesperrt werden. Dies umfasste infanteristische und artilleristische Mittel zur Sperrung der Gotthard-Achse sowie den Verbindungen von Furka und Oberalp her. Der Grossraum Andermatt wurde auch als Führungs- und Nachschubzentrum genutzt und geschützt.

In der Verordnung über die Organisation der Reduittruppen vom 28. Mai 1947 war noch die Rede von der Reduitbrigade 23. Die Brigade wurde im Zentralraum des 3. Armeekorps gebildet. Deren Aufgaben:
  • Halten der Festung St. Gotthard. Damit im Zusammenhang Sperren des Leventinatales und des Bedrettostales (ehemals Grenz-Truppen und 9. Division) sowie des Oberalp-, Gotthard-, Lucendro-, Cavenna-, Rotondo- und Furkapasses (Ter Bat).
  • Durch den Raum der Fest Br 23 (und des AK 4) führte auch die Gotthard-Bahnlinie. Diese wurde in die Abschnitte Arth-Goldau-Sisikon, Sisikon-Amsteg, Amsteg-Göschenen und Airolo-Bodio unterteilt und jeder Abschnitt von einem Bat bewacht.

FestBr23-Karte1902
Karte mit Schweizer Befestigungen in der Berliner Illustrierten vom 17. April 1902 (Landesarchiv Berlin)

Geschichte


Unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krıeges, der erstarkten Nationalstaaten Italien und Deutschland sowie im Hinblick auf den Bau der Gotthardbahn wurden erstmals ernsthafte Überlegungen zur Landesbefestigung gemacht. ln der Wintersession 1885 bewilligte der Nationalrat mit 79 Ja gegen 53 Nein einen Teilkredit von 500’000 Franken für die Verwirklichung eines Befestigungssystems am Gotthard in der Gesamtkostenhöhe von 2,67 Millionen Franken. Der Ständerat folgte dem Nationalrat mit 27 zu 16 Stimmen. Der Startschuss war gegeben.

Die Bauten begannen 1886 am Südportal des Gotthardtunnels und am Fondo del Bosco, dem Fort Airolo. Bis 1894 folgten die Forts Furka und Galenhütten auf dem Furkapass, Stellungen für Infanterie und Artillerie auf dem Gotthard- und dem Oberalp-Pass. Dazu kamen die Forst Bühel und Bäzberg in Andermatt.

1894 war das vor allem auf eine Süd-Bedrohung durch Italien ausgerichtete System der Gotthard-Festung im wesentlichen verwirklicht. Statt der ursprünglich vorgesehenen 2,67 Mıllıonen Franken hatte man 12'664’000 Franken ausgegeben.

Die Folge war, dass diese permanenten Anlagen von ausgebildeten Soldaten betrieben und auch unterhalten werde mussten. Dies war die Geburtsstunde der Festungstruppen. Mit den Gotthard-Mitrailleuren erhielt die Schweizer Armee 1898 die ersten Einheiten mit Maschinengewehren; aus der 1892 gegründeten Festungsverwaltung St. Gotthard entstanden die späteren Festungswachtkorpskompanien 17 in Andermatt und 18 in Airolo.

1892 bezeichnete der Bundesrat die Sicherheitsbesatzung für die Befestigungen am Gotthard. Es handelte sich um folgende Truppen:
  • Infanterie: Füsilierbataillon 47, Füsilierbataillon 87 (Auszug), Landwehrregimenter 14 und 29
  • Artillerie: Festungskompanien 1 (Airolo) und 2 (Andermatt), Positionsartillerie-Abteilung IV, Landwehr-Feldbatterie 3
  • Genie: Sappeurkompanien 4, 6 und 8, Pionierkompanien 4, 6 und 8.

Mit der Truppenordnung 1911 war für den Gotthard die Gebirgsbrigade 15 in der 5. Division zuständig, für die Gotthard-Festung wie bisher die St. Gotthard-Besatzung. Sie u.a. die Festungsartillerieabteilungen 1, 2, und 3 sowie die Festungsmitrailleurabteilungen 1 und 2.

Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg
Im Falle eines Aufmarsches an der Südfront bildeten Mitte der dreissiger Jahre die 5. Division und die Gotthard-Besatzung die Armeegruppe III unter Leitung des Stabes des 3. Armeekoprs.

Mit der TO 38 entstand aus der 5. Division die 9. Division, die den Gotthard zu halten und im Tessin zu kämpfen hatte. Die 9. Division war der eigentliche Kern am Gotthard, die Gebirgsbrigade 9 stand im Tessin. An Truppen umfasste die Festung St. Gotthard zur Hauptsache das Gebirgsgrenzregiment 65, das Territorialregiment 78, das selbständige Gebirgsgrenzbataıllon 229 sowie die Festungsabteilungen 5 und 6. Die Gebırgsbrigade wurde 1939 in die Grenzbrigade 9 umgewandelt. Zu ihr gehörte unter anderem dıe Festungsabteilung 7.

1940 unterstellte man die bisher selbständige Festung St. Gotthard dem Kommando der 9. Division. Diese und die Gebirgsbrigaden 11 und 12 wurden einem neu geschaffenen 5. Armeekorps unterstellt, das man gemäss Operationsbefehl Nr. 13 vom 14. Mai 1941 als 3. Armeekorps bezeichnete. Diese Änderungen standen im Zusammenhang mit dem Reduit-Konzept, das gewaltige Befestigungsarbeiten zur Folge hatte.

Die Bildung der Gotthard-Brigade
Nach dem Aktivdienst entstand um die Gotthardfestung wieder ein selbständiger Verband: 1947 zunächst als Reduitbrigade und mit der Neuorganisation der Armee gemäss Truppenordnung 1951 als Festungsbrigade 23. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Fortbesatzungen des Gotthards in Festungsartillerie-Abteilungen (Fest Art Abt) gegliedert und als Stammtruppen dem 3. Armeekorps unterstellt.

Mit der Neuorganisation der Festungsartillerie wurden ab 1948 folgende Einheiten gebildet/zugeteilt und im Festungsregiment 23 zusammengefasst
  • Fest Art Kp 11 (Art Wk Fuchsegg)
  • Fest Art Kp 12 (Art Wk Gütsch)
  • Fest Art Kp 13 (Art Wk Bühl-Altkirch)
  • Fest Art Kp 14 (Art Wk Bäzberg)
  • Fest Art Kp 15 (Art Wk Furka-Galenhütten)
  • Fest Art Kp 16 (Art Wk Airolo)
  • Fest Art Kp 18 (Art Wk Bttr Bofors - halbmobil)
  • Fest Art Kp 23 (Art Wk Isleten)
  • Fest Art Kp 24 (Art Wk Grandinaggia)
  • Fest Art Kp 27 (Art Wk Sasso da Pigna)
  • Fest Art Kp 28 (Art Wk San Carlo)
  • Fest Art Kp 29 (Lukmanier, neu)
Die Fest Art Kp 25 (Grimsel) wechselt zur Gebirgsbrigade 11.

Die Infanteriewerke wurden in allen Brigaden in drei Kategorien eingestuft:
  • I. Kat: Die Werke der Kat. I umfassen sämtliche mit Waffen ausgerüsteten Objekte, die bei einer Mobilmachung eine Besatzung zugeteilt erhalten. Diese Werke müssen innert 48 Stunden kampfbereit sein.
  • II. Kat: Alle andren bewaffneten Objekte der Reduitbrigaden sind in Kat. II eingeteilt (kampfbereit innert 14 Tagen), allenfalls durch improvisierte Besatzungen von Verstärkungstruppen besetzt.
  • III. Kat: Diese Kategorie umfasst alle nicht bestückten Werke oder sonstigen bauten und Einrichtungen, die von der FW Kp. verwaltet werden und verschiedenen Zwecken dienen (Lagerung von Werkwaffen, Munitions- und Lebensmitteldepots, Unterkunft für Truppen usw.

1949 kam ein Artillerie-Wetterzug neu zur Brigade, die mit der TO 51 zur Festungsbrigade wird.
  • Fest Rgt 23: Stab
  • Fest Abt 5: Stab, Fest Stabskp 5, Fest Kp I/5 (Gütsch), Fest Kp II/5 (Bäzberg), Fest Kp III/5 (Isleten), Fest Kp IV/5 (Lukmanier-Disentis)
  • Fest Abt 6: Stab, Fest Stabskp 6, Fest Kp I/6 (Sasso da Pigna), Fest Kp II/6 (San Carlo)
  • Fest Abt 7: Stabskp, Fest Stabskp 7, Fest Kp I/7 (Grimsel), Fest Kp II/7 (Fuchsegg), Fest Kp III/7 (Furka)
  • Fest Abt 17: Stabskp, Fest Stabskp 17, Fest Kp I/17 (Motta Bartola (Artillerie), Fest Kp II/17 (Airolo (Infanterie), Fest Kp III/17 (Grandinaggia/Manegorio)
  • Fest Flab Abt 23: Stab, Fst Flab Kp 5, Fst Flab Kp 6, Fest Flab Kp 7

Anpassungen - und das Ende
1977 wurde die Truppengattung Festungstruppen geschaffen, in der Folge gab es weitere Anpassungen: Die Infanteriebunker (ohne Aussenverteidigung der Forts), 8,1cm-Festungsminenwerfer-Werke und Forts mit infanteristischem Auftrag wurden in Werkkompanien ausgegliedert respektive zusammengefasst. Neu: Wk Kp 66 (Bühl–Altkirch), Wk Kp 66 (Oberalp-Disentis), Wk Kp 67 (Airolo), Wk Kp 68 (Grandinaggia), Wk Kp 69 (Furka/Ladsteg).

Zudem wird die Fest Abt 17 aufgelöst oder in andere Verbände überführt. Die neue Gliederung (inkl. teilweiser Umbenennungen der Kompanien) zeigt auch, dass die Reduktion respektive Ausmusterung alter Werke begonnen hat:
  • Fest Rgt 23: Stab, Stabskp Fest Rgt 23
  • Fest Abt 5: Stab, Fest Flt Kp 5, Fest Kp I/5 (Gütsch), Fest KP II/5 (Bäzberg), Fest Kp III/5 (Lukmanier)
  • Fest Abt 6: Stab, Fest Flt Kp 6, Fest Kp I/6 (Sasso da Pigna), Fest Kp II/6 (San Carlo), Fest Kp III/6 (Motta Bartola)
  • Fest Abt 7: Stab, Fest Fl Kp 7, Fest Kp I/7 (Grimsel), Fest Kp II/7 (Fuchsegg), Fest Kp III/7 (mobil, 4x10,5 cm Hb, 4x12 cm Mw 41)
  • Fest Flab Abt 23: Stab, Fest Flab Stabsbttr 23, Fest Flab Bttr I/23, II/23, III/23

1987 ist die letzte grössere Bewegung zu verzeichnen: Die Zuteilung von drei Fest Hb Bttr mit je 6x10,5 cm Hb 46 als Fest Hb Bttr IV/5, Fest Hb Bttr IV/6 und Fest Hb Bttr IV/7.

Mit dem Ende der Armee 61, das heisst auf 31. Dezember 1994, wurden die Festungsbrigade und auch das Festungsregiment 23 aufgelöst. In der Armee 95 blieben als Festungstruppen im Regimentsraum nur das Festungs-Pionierbatallion 36 und die Festungsartillerie-Abteilung 6 (die Abt 13 für St.Maurice/Sargans).

Mit der Armee 21 wurden alle Objekte in der Festungsartillerieabteilung 13 zusammengefasst und diese im Juni 2011 aufgelöst. Die verbleibenden Bison-Festungsgeschütze sowie Festungsminenwerfern haben dadurch keine Bedienungsmannschaften mehr, obwohl sie auf dem Papier noch ein paar Jahre im Bestand verbleiben werden. Die Festungstruppen aber hatten - auch auf dem Gotthard - aufgehört zu existieren.

Aus dem «Berner Oberländer»
Gotthardregiment: Standarten abgegeben
Das Fest Rgt 23 (Gotthardregiment), bestehend aus der Stabskp Fest Rgt 23 und den Fest Abt 5, 6 und 7, rollte am 2. Juni 1994 zum letzten Mal die Fahnen ein. Die Abteilungen und einige Kp werden aufgelöst. Die restlichen Kp werden in neu gebildeten Verbänden der Armee 95 weiterbestehen. Das Gotthardregiment ist eng mit der Geschichte der militärischen Befestigungsanlagen im Gotthardgebiet verbunden. Nach der Öffnung der Schöllenen im Mittelalter hatte der Gotthardpass als eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen nicht nur für den Warenverkehr eine
grosse Bedeutung.

In einer schlichten Feier wurden am 2. Juni die Feldzeichen der drei Abteilungen abgegeben. Der Regimentskommandant, Oberst i Gst Siegwart, versammelte – erstmals in der über 40jährigen Geschichte - das ganze Regiment in Andermatt. Die Fahnen grüssten letztmals die über 1700 dienstleistenden Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere und wurden von den Abt Kdt Major Barbatti (Fest Abt 5), Major i Gst Wagner (Fest Abt 6) und Major i Gst Niquille (Fest Abt 7) verabschiedet.