Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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A250 Artilleriestellung und -werk Dailly-Savatan-Aiguille


Die Anlagen von Savatan, Dailly sowie Aiguille sind als zusammen gehörend zu betrachten, da sowohl die Baugeschichte als auch die Aufgabe verbunden sind. Die Terrassen von Savatan und dem höher gelegenen Dailly wurden ab 1892 ins Auge gefasst, um den Bereich St. Maurice artilleristisch zu verstärken.

Bereits Ende 1894 wurden der Truppe übergeben
  • In Savatan 4 12 cm-Panzerhaubitzen in betonierten Stellungen mit Flankiergalerien an der Nord- respektive Ostfront mit 8,4 cm Kaponieren-Kanonen, Maschinengewehren, Schiessbüros, Munitionsmagazinen und Unterkünften. Infanterielinien an allen Fronten mit Schützengräben, Schützennestern, Unterständen und Stellungen für vier mobile 5,3 cm Schnellfeuer-Kanonen sowie Beobachtungsposten und unterirdische Telefonverbindungen.
  • In Dailly 4 12 cm-Kanonen auf Saint Chamond Verschwindlafetten auf Schienen in einem Graben, Unterstände für diese Geschütze und Munitionsmagazine. Dazu kam die Galerie von Morcles, welche die Südfront von Dailly flankierte (2x8,4 cm Kasematt-Kanonen). Infanterielinien, Galerien für die Schützen, Verschanzungen, steile Grabenwände und Stellungen für 2 5,3 cm-Schnellfeuerkanonen auf Schienen oder Transportwagen, Beobachtungsposten, unterirdische Telefonverbindungen, Strassen, Wege und Wasserversorgungen komplettierten diese erste Bauphase.

Die zweite Bauperiode Savatan/Dailly erfolgte von 1895-1903
In Dailly gab es zusätzliche 12 cm-Kanonen auf Verschwindlafetten,
  • in Dailly und Savatan erfolgte der Bau von Stellungen für 2 12 cm-Positionsgeschütze (in Dailly Batterie Rossignol genannt).
  • das einzige 15 cm-Positionsgeschütz Mod. 1877 der Schweiz wurde in Dailly-Aiguille eingebaut.
  • 2 10,5 cm-Kanonen der Positionsartillerie kamen auf Dailly-Aiguille inkl. Gebäuden für Munition und Mannschaften
  • 2 15 cm-Hinterladermörser Mod. 1881 kamen in einen kleinen Turm auf Dailly-Aiguille
  • Savatan erhielt eine fünfte 12 cm-Panzerhaubitze
  • für die 5,3 cm-Kanonen wurden neue Geleise verlegt.
  • die Nord- und Westfront von Savatan erhielten Grabenmauern
  • im Forêt des Buis wurde die Front Dailly-Aiguille zusammengeschlossen
  • in Savatan und Dailly wurden unterirdische Kasernen gebaut.
  • dazu kamen Kommando- und Beobachtungsposten für die Feuerleitung der Artillerie und die Aussenverteidigung der Forts
  • unterirdische Telefonleitungen bis zu den Kampfständen
  • Unterstände für die Positionsgeschütze von Dailly und Savatan
  • Bau von Materialbaracken, Werkstätten in Dailly und Savatan, des Zeughauses in St. Maurice, Ausbau des Wasserversorgungssystems, Lebensmittelmagazinen und Bäckereien in Savatan und Dailly, Barackenlager in Riondaz, Offizierskaserne in Savatan, Bäder mit Trockenkammern in Savatan und Dailly, Büroräume auf der Aiguille und einer Truppenkantine in Dailly.

In der dritten Bauperiode von 1904-10 wurden offene Geschützstellungen in gedeckte Waffenstellungen, betonierte und gepanzerte Kasematten umgebaut:
  • Batterie der Golèze für 7,5 cm-Schnellfeuerkanonen (Mod 03)
  • Batterie Aiguille mit einer Kasematte mit 2 7,5 cm-Schnellfeuerkanonen, gepanzertem Beobachtungsstand und einer unterirdischen Kaserne
Zusätzlich wurde die Südfront durch Mauern, Flankierposten und eine Verschanzung am Weg von Morcles in Savatan verstärkt. Die Nord- und Westfront von Savatan wurde mit Stacheldraht gesichert. Die Übermittlung und Stromversorgung wurde verbessert. Ab 1904 wurden elektrische Zentralen in den Forts installiert, um vom Zivilnetz im Ernstfall unabhängig zu sein. Sie wurden mit Alkohol betrieben. Mit dem Strom wurden nicht nur die Unterkünfte und Kampfstände versorgt, sondern erstmals auch Scheinwerfer zur Gefechtsfeldbeleuchtung. Eine projektierte Seilbahn von St. Maurice via Savatan und Dailly nach Aiguille wurde nie realisiert.

Von der vierten Bauperiode von 1911-1920 sind vor allem durch Verbesserungen und Verstärkungen dokumentiert: Infanteriestellungen für die Nahverteidigung, Beobachtungs- und Kommandoposten, Schiessbüros und Telefonzentralen, Übermittlungs- und Verbindungsmaterial. 1920 waren es 65 Geschütze in der Festung St. Maurice.

Es war die Zeit, als der Festungsbau in die Höhe strebte. Es verwundert deshalb kaum, dass auch die ganze Bergkette (von Croix-de-Javernaz zum Dent-de-Morcles), die Dailly beherrschte mit Schützengräben, Waffenstellungen, Schutzräumen, Kommandoposten und Baracken ausstattete. Der Dent-de-Morcles (2968 Meter über Meer) wurde mit einer Stellung für 7,5 cm-Kanonen versehen.

Weiter wurden in dieser vierten Bauperiode erstellt:
  • gedeckte Schützengalerie an der Nordfront von Savatan
  • Scheinwerfer in den Felsen der Fronten von Savatan
  • Beobachtungsposten auf Dailly und Savatan
  • 4 Batteriestellungen für Feldhaubitzen in Dailly
  • Batteriestellung für mobile 5,3 cm-Panzertürme in Evionnaz
  • Das Werk Scex wurde innen ausgebaut, erhielt u.a. eine Krankenstation sowie eine Seilbahn
  • Zentralen und Telefonnetze in Dailly und Savatan wurden vergrössert
  • Alle Festungen wurden mit dem zivilen Stromnetz verbunden
  • Bau einer elektrischen Zentrale in Savatan
  • In Savatan und Dailly wurden die Unterkünfte verbessert (Zentralheizung und Licht)
  • Unterkunftsbaracken für die Nahverteidigung
  • Bau von Kasernen, Magazinen, Ställen und Strassen

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurden alte Geschütze (10,5 cm-Kanonen von Dailly oder 15 cm-Mörser von Aiguille) entfernt ohne sie zu ersetzen. 1928 hielt die Befestigungskommission fest, dass auf Savatan nur 4 12 cm-Panzerhaubitzen und in Dailly eine 12 cm-Panzerhaubitze kampftauglich seien. Die sechs 12 cm-Kanonen auf Verschwindlafetten seien zu stark dem Feuer der Artillerie und der Flieger ausgesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden massiv Sperrwerke mit den entsprechenden Geländehindernissen gebaut. In Savatan und Dailly wurden zwei 10,5 cm-Panzerturmkanonen eingebaut.

Im Kalten Krieg - nach der Explosion vom 28. Mai 1946 - wurden auf Dailly zwei 15 cm-Panzerturmkanonen installiert, die vier für den Gotthard und Sargans geplanten kamen nie zur Ausführung. Eine unterirdische Standseilbahn verbindet die beiden Werke. Die Energiezentrale für beide Anlagen mit drei 700 PS-Dieselmotoren befindet sich in Savatan.

Installiert wurden dort zum Beispiel ebenfalls 12 cm-Festungsminenwerfer und als Exoten Türme von Staghound-Panzerspähwagen mit Mg 11 als Nahverteidigung. Da die Offiziersschulen der Festung dort untergebracht waren und viel Ausbildung betrieben wurde, kamen u.a. auch zwei 15 cm-Übungsgeschütze zum Einbau.

  • 12 cm Fest Mw Rosseline (569’453/118’604)

Was von den weitläufigen unterirdischen Anlagen in Savatan und Dailly heute noch genutzt wird (sei es zur Ausbildung oder z.B. als Führungs- und Kommunikationsanlagen), ist mir nicht bekannt. Jedoch wurde die gesamte schwere Artillerie - die Festungsminenwerfer zählen heute zu den Infanteriewaffen – ausgemustert und durch eine einzelne einsame Bison-Batterie ersetzt.

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