Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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Grenzbrigade 7


Von Peter Hauser, Oberst a D und früherer Art Chef F Div 6
Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Grenztruppen durch die Truppenordnung 1938 (TO 38) neu organisiert, dabei 11 Grenzbrigaden (Gz Br) neu geschaffen. Die Detailorganisation war GEHEIM klassifiziert.

Die neuen Grenzbrigaden verfügten, neben den Grenzregimentern mit Grenz Füsilierbataillonen, auch über je eine Kompanie Radfahrer, motorisierte Mitrailleure und motorisierte Infanteriekanoniere. In allen Verbänden wurden Leute mit Wohnsitz im Einsatzraum eingeteilt. Die Gz Br blieben vorerst Armeetruppen; die Unterstellung für den Einsatz wurde mit dem Operationsbefehl festgelegt.

Der östliche Nachbar der Grenzbrigade 6 war die Thurgauer Grenzbrigade 7, deren Einsatzraum bei der Sperre von Fänenbach (ca. 1 km W von Mammern) begann und sich bis zur Steinachmündung am Bodensee erstreckte.

Die Einheiten (1991)
Die Brigade bestand ab 1991 aus folgenden Verbänden:
  • Stab und Gz Br Stabs Kp 7
  • Inf Rgt 55 mit den Füs Bat 274, 275, 276, 277
  • Gren Kp I/7
  • Pak Kp II/7
  • Mob L Flab Bttr III/7
  • Pal Kp 71,72,73,74
  • Füs Kp 639
  • Sch Füs Kp 907, 913, 914
  • G Abt 47 (mit Motorboot Kp III/47 als «Bodenseemarine»)
  • Fest Abt 107 mit Flt Kp 107, Fest Kp I/107 (Mw) und Fest Hb Bttr II-IV/107
  • Wk Kp 43
  • Gz Uem Kp 7

Der Einsatz
Für den Kampfeinsatz wäre der Brigade auch noch das Füs Bat 75 (Auszug) unterstellt worden. Der Kampf dieser Brigade stützte sich seit jeher auf mehrere grosse Sperrstellen. Kernstück war der von 1937 an gebaute Werk- oder Festungsgürtel von Kreuzlingen, der anfänglich 42 Werke mit 7 Infanteriekanonen Kaliber 4,7 cm, 5 Lmg und 69 Mg 11 zählte. Durch Bauten während und nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Zahl der Permanenzen auf 79 (noch 66 vorhanden). Der Befestigungsgürtel erstreckte sich von Bottighofen über Lengwil-Bäterschhusen-Tägerwilerwald-Castell-Nonnenwies bis nach Triboltingen. Die wichtigsten Sperrstellen befanden sich in Bottighofen, Lengwil (mit dem bekannten Pak-Bunker im Bahndamm), S von Bernrain und in Triboltingen.

Mit dieser 11,5 km langen Bunkerkette sollte der Ausbruch deutscher Truppen aus dem Brückenkopf Konstanz-Kreuzlingen Richtung Weinfelden, rhein- bzw. seeabwärts und seeaufwärts verhindert werden. Alle über den Seerücken führenden panzergängigen Strassen waren bzw. sind zum Teil heute noch mit Panzerhindernissen und die wichtigeren auch mit Sprengobjekten versehen. Für die Feuerunterstützung war vor dem 2. Weltkrieg der Bau von Artilleriewerken mit 10,5 cm Turmhaubitzen bei Weinfelden geplant worden, dann aber dem Spardruck zum Opfer gefallen. Insgesamt verfügte die Grenzbrigade 7 am Ende ihres Bestehens 1994 über rund 800 permanente Waffenstellungen, KP und Unterstände. Da es in dieser Brigade jedoch keine 8,1 Festungsminenwerfer gab, war die Feuerkraft aus eigenen Mitteln vor dem Bau einiger 12 cm Festungsminenwerfer eher bescheiden. Die 1986 bei Tägerwilen, Hugelshofen, Oberstöcken und Weinfelden geplanten «Centi-Bunker» wurden nicht gebaut. Auch die für den Kampf der F Div 7 (Inf Rgt 34) um Wil/SG flankierend zur Autobahn A 1 im Raum Züberwangen vorgesehenen vier «Centi-Bunker» gab es nur auf dem Papier.

Wegen der leistungsfähigen Fährverbindung nach Friedrichshafen wurde auch der Hafen von Romanshorn in die Verteidigung mit einbezogen und zu diesem Zwecke befestigt. Noch heute befindet sich unterhalb der Terrasse des früheren Hotels «Schloss» ein Bunker, und 1985 wurde in einer Wiese bei der Hafeneinfahrt eine geschützte Waffenstellung für Panzerabwehrlenkwaffen und Panzerfaust erstellt (Anlage F 7560). Teil der Bodenseeverteidigung war auch die zur «Kampfgruppe Bodensee» gehörende Motorboot Kp III/47 samt Radarzug.

Ordre de bataille


Zu verschiedenen Zeiten waren natürlich die eingesetzten respektive unterstellten Einheiten im Raum der Gz Br 7 unterschiedlich. Aufschluss geben die jeweiligen Ordre de Bataille, die hier nach Verfügbarkeit abgebildet sind.

GzBr7-TO92
Ordre de bataille TO92