Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

Sidebar
Menu

Artilleriestellungen Gempenplateau


Hierbei handelt es sich um vorbereitete verbunkerte Stellungen für die Feldartillerie (BL/SO). Offenbar waren einige Batterien speziell für allfällige französische Hilfstruppen vorgesehen.

Eine Stellung für vier Geschütze befindet sich am Rande des Geländes der Schiessanlage Sichtern auf Baselbieter Boden, die beiden anderen Batteriestellungen liegen bei Munimatt und Rebholden über Nuglar-St. Pantaleon (SO). Besonders an diesen Geschützständen für 7,5 und 15 cm Kanonen ist, dass laut ADAB-Inventar offensichtlich einige davon auch zur Benutzung mit französischen Geschützen (7,5 cm Kanone und 15,5 cm Haubitze) konzipiert wurden. Das Baudetachement Renfer erstellte diese ab Mai 1940.

Lagebeurteilung durch Oberstkorpskommandant Prisi vom 31.01.1940 (Broschüre «Basel und das Gempenplateu im Zweiten Weltkrieg» von Hans Senn: «[Da]... der in Frage kommende Gegener ... nur über Kaliber von 10,5cm aufwärts ... verfügt, wurden die Beobachtungsbunker für Volltreffersicherheit gegen 15cm Beschuss ... berechnet. Der durchgehende Ausbau des Verbindungsnetzes im Boden wäre mit grossen Schwierigkeiten verbunden, weil auf dem Gempenplateau unter einer Humusschicht von ca. 20cm der feste Kalkfels liegt. Das gesamte Kabelgrabennetz in einer Tiefe von 2m müsste daher ausgesprengt werden. Aus dieser Erwägung wurden nur Kabelleitungen vorgesehen von den Beobachtungsstellen ca. 150m nach rückwärts, um von dort an oberirdisch verlegt zu werden.»

Operative Bedeutung des Gempenplateau im 2. Weltkrieg


Im ADAB-Inventar der Kantone Solothurn und beider Basel hat Hans Senn, Generalstabchef 1977-80 die Bedeutung des Gempenplateaus erörtert: Das Plateau bildete im Zweiten Weltkrieg, zusammen mit der vorgelagerten Stadt Basel, für alle gegen Nordosten und gegen Nordwesten geplanten Verteidigungsstellungen den linken oder rechten Eckpfeiler, der den Anschluss an die Maginotlinie beziehungsweise an den Westwall sicherzustellen hatte. Es fällt auf, dass die am linken Flügel der Armeestellung eingesetzte 4. Division sich zwar im Raum Schauenburg-Bad am Ostrand des Plateaus von Gempen verankerte, aber dieses selbst nicht in ihr Dispositiv einbezog. Sie überliess es der Grenzbrigade 4, den Aufstieg des Gegners auf die beherrschende Höhe zu verzögern. Zu diesem Zweck wurden drei Bataillone eingesetzt. Mit artilleristischer Unterstützung konnten sie nicht rechnen. Auf dem Plateau, das sich als Standort für eine Reserve bestens geeignet hätte, befanden sich nur kleinere Spezialverbände.

Der Grund für diese Aussparung ist zunächst im Mangel an Auszugstruppen und Artillerieverbänden zu suchen. In der operativen Übung vom Januar 1939 wurde deshalb die Anregung gemacht, mit dem französischen General Gamelin Kontakt aufzunehmen, um im Fall eines deutschen Angriffes die Lücke mit französischen Truppen zu schliessen. Entsprechende Gespräche wurden denn auch geführt. Im November 1939 erliess General Besson, Kommandant der für die «Opération Helvétie» vorgesehenen französischen Armeegruppe 3, Direktiven für eine allfällige Intervention im Raum Basel. Um einer kleinräumigen Umgehung der Maginotlinie durch deutsche Truppen über den Rhein bei Basel durch das Birstal und über Les Rangiers in den Raum Belfort zu begegnen, sah er vor, dass ein französisches Armeekorps den Anschluss an den linken Flügel der schweizerischen Armeestellung herstellen sollte, um die südlichen Ausgänge der Stadt Basel zu sperren und das Plateau von Gempen zu behaupten

Der Bau von Stellungen für die Artillerie einer französischen Division begann im März 1940. Anfangs Mai wurden weitere Truppen freigestellt, um die Befestigungen im Stadtkern von Basel zu vollenden und neue Arbeiten am Südrand der Stadt, im Hardwald und an den Hängen des Plateaus von Gempen aufzunehmen. Für die Verstärkung der Deckungstruppen im Raum Basel–Gempenplateau standen drei Möglichkeiten offen. Man konnte sie der Armeereserve entnehmen, aus der Südfront oder der Westfront herauslösen. General Guisan mochte weder die Armeereserve noch die Südfront schwächen. Er entschied sich für Verbände der benachbarten Grenzbrigade 3; denn im Falle eines deutschen Angriffes aus Nordosten entfiel der Auftrag der Grenztruppen an der Westfront.

Im März 1940 erliess der Oberbefehlshaber eine Ergänzung zum Operationsbefehl für den Fall Nord, welche Bildung und Auftrag der «Division Gempen» zum Inhalt hatte. Diese sollte aus Truppen der Grenzbrigaden 3 und 4 sowie des Stadtkommandos Basel zusammengesetzt und durch Oberst Du Pasquier befehligt werden. Gleichzeitig gab General Besson neue Direktiven für eine allfällige Intervention im Raum Basel heraus. Darin erwähnte er das schweizerische «Scharnierdetachement Gempen». Dieses werde dem französischen Korps bei dessen Eintreffen in der Schweiz unterstellt.

Am 10. Mai 1940 eröffnete die deutsche Wehrmacht den Westfeldzug. Der rasche Erfolg der durch Luxemburg, Belgien und Holland geführten «Operation Sichelschnitt» zwang das französische Oberkommando am 19. Mai, die Armeegruppe Besson abzuziehen. Am Tag darauf wurde Oberst Du Pasquier das Kommando über den Abschnitt der Division Gempen mit den sich darin befindlichen Truppen der Grenzbrigade 4 und des Stadtkommandos Basel übertragen. Von den Verbänden der Grenzbrigade 3 durfte er erst zwei Bataillone heranziehen.

Anfang Juni war absehbar, dass sich die Kampfhandlungen der schweizerischen Westgrenze nähern könnten. General Guisan zog Truppen aus der Limmatstellung heraus, um die Verbände im Jura zwischen Basel und Genf zu verstärken. Die strategische Lage der Schweiz hatte sich vollständig geändert. Aus dem «Scharnierdetachement Gempen», das den Aufmarsch der französischen Interventionstruppen hätte decken sollen, wurde nun ein Nahtdetachement, das die Vermaschung zwischen den Truppen der Limmatstellung und jenen der Westfront garantieren musste. Dieser Auftrag erlosch, nachdem Mitte Juli Teile der Feldarmee das Alpenreduit bezogen hatten.

Gempenplateau-0000
Befestigungslinien im vorgesehenen Einsatzraum Gempen der verstärkten Grenzbrigade 3. Von A. Meier nach Plänen der Festungsregion 4.

Gempenplateau-0000a
Stellungen und Feuerräume für die Artillerie der französischen Interventionstruppen auf dem Gempenplateau, dem Bruderholz und der Reinacher Heide. Von A. Meier nach Plänen BAR E5707/08 und E27/17826.

Die Nummerierung der Batterien basiert auf der Karte/Zeichnung oben. Die Zuordnung der französischen(!) Geschütztypen erfolgt jedoch aufgrund der tatsächlichen Abmessungen gemäss Stellungs-Bauplänen.

Batterie 1: Froloo
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 610'060/261'200
2: 610'110/261'500
3: 610'135/261'480
4: 610'175/261'435

Batterie 2: Hinterlind
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 610'430/260'670
2: 610'480/260'660
3: 610'545/260'650
4: 610'600/260'655

Batterie 3: Reinacherheide
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 612'375/260'575
2: 612'390/260'560
3: 612'410/260'550
4: 612'435/260'545

Batterie 4: Ermitage, Hintere Hagenbuchen
F Kan 7,5 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 614'615/259'790
2: 614'640/259'790
3: 614'675/259'785
4: ?
Von der Haubitzen-Batterie Ermitage (Hintere Hagebuchen, Arlesheim BL) ist neben einigen Stellungen noch der Unterstand/KP/Feuerleitstelle (614'800/259'740) vorhanden.

Batterie 5: Ermitage, Gobenmatt
F Kan 7,5 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 615'120/259'960
2: 615'155/259'950
3: 615'200/259'940
4: 615'230/259'920

Batterie 6: Schönmatt, Süd
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 616'020/260'165
2: 616'025/260'105
3: 616'030/260'070
4: 616'050/260'045

Batterie 7: Schönmatt, Haselstuden W
F Kan 7,5 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 616'465/260'245
2: 616'515/260'225
3: 616'570/260'190
4: 616'635/260'100

Batterie 8: Schönmatt, Haselstuden E
F Kan 7,5 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 616'735/260'175
2: 616'780/260'160
3: 616'831/260'140
4: 616'890/260'125
Die Batterie Haselstuden gehörte zum Stellungsraum Schönmatt. Einiges davon ist – oft zugewachsen und vergessen – noch zu finden.

Batterie 9: Gempen-Dorf E
Schw F Hb 15 cm
Die Stellungen befinden sich (heute) mitten im expandierenden Siedlungsgebiet. Möglicherweise wurde ein Teil auch schon abgerissen. Nach langem, langem Suchen konnten Überreste von zwei Stellungen ausgemacht werden.
1: 617'125/258'460
2: 617'175/258'530

Batterie 10: Disliberg
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost), alle stark zugewachsen
1: 617'715/258'825
2: 617'740/258'805
3: 617'780/258'790
4: 617'820/258'750

Batterie 11: Muni
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 618'540/258'830
2: 618'575/258'815 (mit Loch, um ins Innere zu gelangen)
3: 618'605/258'830
4: 618'640/258'815

Batterie 12: Brunnenbachrain
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 619'520/258'575
2: 619'615/258'570
3: 619'710/258'530
4: 619'740/258'470

Batterie 13: Talacher
Schw F Hb 15 cm - Stellungen (von West nach Ost)
1: 620'000/259'000 (Scharte teilweise offen)
2: 620'040/259'030 (mit Zugang)
3: 620'080/259'060
4: 620'165/259'040 (nur ausserhalb der Schiesszeiten des Schiessstand Sichtern besuchen!)

Beobachter Adler
Das im April 1940 durch das BBB fertiggestellte Felsenwerk Adler (619'610/262'475) enthält neben zwei Festungs-Maschinengewehren (mit Scheinwerfer) einen doppelten Beobachterstand für die auf dem Plateau von Gempen eingesetzte Artilleriegruppe Ergolztal (schwere Haubitzen-Abteilung Sichteren). Die Besatzung bestand aus 2 Unteroffizieren und 10 Mitrailleuren des Grenz-Füsilierbatallions 246.

Artilleriebeobachter Winterhollen
Bauplan für einen Doppel-Beobachtungsstand der Artillerie. Im Rohbau realisiert für die 250 m auseinander liegenden Anlagen Winterhollen (Winterhalde?) Ost (615'140/261'570) und West (614'945/261'505).