RS bei den Festungstruppen 1909
Aus den mir freundlicherweise auszugsweise zugestellten Erinnerungen eines Festungssoldaten mit Jahrgang 1888hier einige Ausschnitte:«In der Rekrutenaushebung1907 bin ich der Infanteriezugeteilt worden und war leider mit dieser Zuteilung nicht zufrieden; ich glaubte bei Zuteilung zu einer Spezialtruppe den Militärdienstzufriedenstellender leisten zu können. Aus diesem Grunde stellte ich mein Gesuch um Versetzung zur Festungsartillerie, welches ohne weitere Schwierigkeiten Erfolg hatte. Ich hätte im August 1908in die Rekrutenschule nach Andermatt einrücken sollen, also dicht vor und währenddem Abschluss der Oberen Realschule mit der Maturität; aus diesem Grunde musste um eine Dispensation von der Rekrutenschule und eine Verschiebung derselben auf 1909nachgesucht werden. Also bin ich 1909 im August nach dem zweiten Semester des Polytechnikumstudiums zur Rekrutenschule – nach erfolgter Einkleidung in Liestal– nach Andermatt eingerückt .Wir waren schon in Liestal eine angenehm zusammenpassende Rekrutengruppe, die auch in der Folge in der Rekrutenschule beisammenbleiben konnte. Ich war durch die von 1908 auf 1909 erfolgte Verschiebung der älteste in der Gruppe und hatte das Detachement Baselland nach Andermatt zu bringen. Schon die Fahrt nach Göschenen und der Marsch von Göschenen durch die Schöllenen nach Andermatt war für uns nochgebirgsunkundige junge Leute ein Erlebnis, das an dem prächtigen Sommertag auf uns bleibenden Eindruckhinterlassen hat; die tosende Reuss bei der Teufelsbrücke, die Schildwache jenseits der Reuss beim unteren Fort-Eingang und erst recht nachdem Durchschreiten vom Urnerloch unsere ernst aussehende granitene Bühlkaserne mit anschliessend dem in der Schöllenen so unerwarteten ebenen Urserental mit Andermatt und Hospental.
Hier also im Hof der Bühlkaserne wurden wir erwartet zur Bildung der Rekrutenkompagnie zusammen mit den aus anderen Landesteilen eingerückten Dienstkameraden(zwei Züge Fussartillerie und zwei Züge Festungsartillerie, zusammen etwa 160 Rekruten). Schulkommandant war Major von Salis (der spätere Oberst von Salis), Kompagniekommandant Oberleutenant (nachher Hauptmann) Niedermann, Zugführer Leutenant Rudolf Gmür, Gruppenführer Korporal Gygax von Bern (ist später in Bern Polizist geworden); die anderen Gruppenführer in unserem Zug waren Korp. Graf (ein Technikerstudent von Burgdorf), Korp. Nägeli und Korp. Brönnimann (ein Kaminfeger von Zürich). Zugführer des anderen Festungs-Artillerie-Rekrutenzuges war Leutenant Mundwiler von Basel (der spätere Oberst Mundwiler).
Unser Zugführer Gmür ist bei mir in bleibend guter Erinnerung geblieben; er war streng und hat körperlich und dienstlich gute Leistung verlangt, aber eben, er ist immer selbst mit gegangen,wo und wann es war. Im inneren Dienst waren wir eine gut zusammenpassende Gesellschaft von etwa zwanzig Rekruten im Zimmer 18 der Bühlkaserne; fröhlich und einander gut gesinnt. Jeden Abend mit wenig Ausnahmen bin ich nach Andermatt gegangen; meist bin ich dort schon unten bei der Altkirchkaserne im kleinen Hotel «Suisse» hängen geblieben; dort habe ich mit der Wirtstochter nach Herzenslust getanzt bis um 91⁄2 Uhr wiedereingerückt werden musste. Auch wenn ich ausnahmsweise einmal ganz ins Dorf hinaufging etwa in den Löwen, oder in die Krone, oder in den Alpenklub, oder in den Skiklub, so musste ich es doch so einrichten, dass ich den Abend unten im «Suisse» mit einem Tanz abschliessen konnte. Vor 9 Uhr 28 Minuten abends bin ich kaum ein Mal in unsere Kaserne zurückgekommen; wenn ich zurück gekommen bin, so hat jeweils der Wachposten der Fort-Wache etwa gesagt: «So jetzt sind alle da; wir können die Kasernentüreschliessen.» Der Dienst im Fort war immer sehr geordnet; man war gewissermassen zu Hause, was man sicherlich bei keiner anderen Truppe in dem Masse hätte sagen können. Die gut eingerichtete Küche und die Bäckerei sorgten für eine gute Verpflegung und die Unterkunft in den Zimmern war gesund, sauber, warm und geordnet. Soweit ich in den Festungswerken Dienst tat, habe ich diese gekannt wie meinen Hosensack, aber es geziemt sich nicht, hierüber etwas zu berichten. In der Rekrutenschule bin ich auch schon mit dem Schützenabzeichen beehrt worden; ich habe gerade das Schützenglück gehabt.

Scheinwerfer-Pioniere der Festungstruppen
Etwa in der Mitte der Rekrutenschule ist eine Umfrageerfolgt für die Meldung zum Telephon- und Scheinwerferdienst (die Scheinwerferpioniere hat es damals noch nicht gegeben) und da mir natürlich die eintönige Geschützschule etwas lästig geworden war, habe ich mich für diesen Spezialdienst gemeldet. Für die Anleitung in diesem Dienst ist von der Fort-Verwaltung als Spezialist Adjutant Berger (der kleine Berger; es hat auch einen grossen Adjutant Berger gegeben) und Korporal Oberer abkommandiert worden; das war dann in der Folge ein wirklich interessanter und auch lehrreicher Dienst, der Telephondienst im Fort, das Auslegen von Telephonleitungen im Freien und der Scheinwerferdienst; aber wenn ich ab und zu an ein Emporkommen in militärischer Hinsicht dachte, so war dieser Spezialdiensteher hinderlich und als reiner Kanonier wäre ein Emporkommen leichter gewesen; dennoch war ich vorgesehen für die Unteroffiziersschule des Frühjahrs 1910.Die Unteroffiziersschule im Frühling 1910 habe ich nicht absolvieren können, da ich in Zürich in der ersten Hälfte der Vordiplomprüfung stand; ich musste durch Gesuch die Unteroffiziersschule auf Frühling1911 verschieben und habe1910 nur einen Wiederholungskurs gemacht im Fort Bühl unter Hauptmann Wyss.
Die Unteroffiziersschule im Frühjahr 1911 in Airolo war ein schöner Dienst und zwar wieder reiner Kanonierdienst. n der Kameradschaft habe ich mich weniger gut eingliedern können als in der Rekrutenschule1909; dies jedenfalls, weil ich mich durch die Verschiebung von 1910 auf 1911mit anderen Gesichtern habe zusammen finden müssen, die aus der Rekrutenschule 1910 gestammt haben und zwar aus der ganzen Schweiz zusammengewürfelt. Schulkommandant war wieder Major von Salis Beim Einrücken lag das Fort Airolo noch in tiefem Schnee und ist bis Dienstschluss nach Ostern nicht schneefrei geworden. Sozusagen jeden Abend bin ich durch den in die Schneemassen eingeschnittenen, ca. 20 Minuten langen Fussweg nach Airolo gegangen; am schönsten und heimeligsten war noch die kleine Wirtschaft Beffa unterhalb der Hauptstrasse. Im Dienst selber ist mir einblödes Missgeschick vorgekommen; jeden Tag musste abwechslungsweise ein anderer Dienstkamerad die Gruppenführung übernehmen; da hat Kamerad Zippel als vorderster die Gruppe in Einerkolonne durch den in die Schneemassen eingeschnittenen Fussweg geführt und dahat unter uns ein harmloses Schneeballwerfen eingesetzt; ich hatte das Pech, mit meiner Schneebälle den Gewehrverschluss Zippels zu treffen, so dass Zippel ein grosses Geschrei los liess, das von Oberleutenant Schädeli gehört wurde; dies hat für mich als für die Offiziersschule 1911vorgesehenen die Konsequenzgebracht, dass entschieden wurde, ich müsse die Korporalschnüre abverdienen, bevor ich für die Offiziersschule in Frage kommen könne; das hat Oberleutenant Schädeli fertig gebracht und mich in einen unbeschreiblichen Ärger versetzt. In die Unteroffiziersschule ist während ein paar Tagen noch ein Offiziersschiesskurs eingeschaltet worden; dort habe ich meinen Leutenant Rudolf Gmür auf jahrelang zum letzten Mal gesehen; er hat in jenem Schiesskurs eine Anzahl Geschützfeuerserien geleitet.
Bei diesen Geschützfeuerserien hatte ich als kleiner und nicht besonders kräftiger Kanonier den Namen, der beste Haubitzenlader der Unteroffiziersschule gewesen zu sein; beim Schiessen in das etwa 8 km entfernte Kanariental habe ich es ohne weiteres nach dem Einschiessen im Schnellfeuer fertig gebracht, vier Schuss auf den Weg zubringen (ein Schuss am Ziel, zwei Schuss in der Luft und den vierten Schuss zum Rohr hinaus). So hat diese Unteroffiziersschule geendet mit der Beförderung zum Korporal, aber leider mit der Bestimung, dass ich die Schnüre in einer Rekrutenschule abverdienen müsse. Damit ist für mich der Gedanke, Offizier zu werden, für immer dahin gegangen; denn ich konnte doch nicht im Sommer 1911in Andermatt in der Rekrutenschule Korporalschnüre abverdienen, 1912 in eine Offiziersschule gehen und erst1913 den Offiziersgrad abverdienen; all dies hätte mein Studium derart in Frage gestellt, dass ich auf eine solche Offizierlerei zum vorneherein verzichten musste. In diesem Sinne wäre es sicherbesser gewesen, wenn ich von Anfang an bei der Einteilung zur Infanterie geblieben wäre, wo einerseits die Dienstzeiten kürzer waren und andererseits bessere Möglichkeiten bestanden für eine zeitlichgünstigere Einreihung der Dienste in das Studium.
Der Wiederholungskurs 1911in Andermatt wurde von mir im Monat Juni als Festungskanonier-Korporal gemacht unter unserem ordnungsgemässen Hauptmann Wyss, dem sehr sympathischen und ruhigen Fortkommandanten. In diesem Dienst hatte ich etwa in der Mitte einen guten Erfolg mit der Schnellfeuergeschützserie (Fahrpanzer 5,3cm), die ich meiner Gruppe zu kommandieren hatte. Auf etwa 1200 m Distanz hatte ich die Scheiben einer gegen uns gerichteten absteigenden Einerkolonne zu beschiessen; der dritte Granatschuss war ein Volltreffer vorn in die Kolonne, hat die vordersten drei Scheiben direkt vermöbelt und mit ein paar Schrapnell-Schüssen konnte im Schnellfeuer das Ziel zerstört werden; dieser Erfolg hat mir in der Kompagnie einen guten Rufgebracht und ich hätte daran denken sollen, Herrn Hauptmann Wyss zu ersuchen, ein Gesuch zu stellen für die Einberufung in die Offiziersschule 1911 ohne vorheriges Abverdienen der Korporalschnüre; nach meiner heutigen Beurteilung hätte ein solches Gesuch ohne weiteres Erfolg haben müssen, aber ich habe eben damals an so etwas nicht gedacht, nachdem ich den Gedanken für eine Offiziersschule gänzlich abgeschrieben hatte.
So hatte ich also im Sommer 1911 das Aufgebot zum Einrückenanfangs August in die Rekrutenschule in Andermatt zum Abverdienen. Es hat mir so absolut nicht gepasst, dass von meinem Werkstattpraxisjahr die letzten drei Monate für Militärdienst hätten geopfert werden müssen; so habe ich wenige Tage vor dem Einrückungsdatum in Liestaleinen Auslandsurlaub eintragenlassen, um nach Südfrankreich zu gehen. In Liestal lautete die Antwort ganz einfach: «Sie haben den Wiederholungskurs gemacht, Sie können gehen»; man hat aber eben nicht beachtet, dass ich aufgeboten war. Diese Sache war nicht einwandfrei; ich würde so etwas nicht mehr tun, trotzdem man sagen kann, dass ich wegen einem nebensächlichen Vorkommnis durch die blöde Rapportlerei von Oberleutenant Schädeli dazu getrieben worden bin; eine einfältige Schneeballenwerferei hat für eine militärische Laufbahn Folgen gehabt. Es ist allerdings vor und während dem ersten Weltkrieg noch ein anderer abfälliger Zustand zu erwähnen. Die Aushebung für die Ausbildung zum Offizierskorps war absolut preussisch; unser damaliger Major von Salis war ganz in preussische Methoden eingelebt; so war z.B. in der Unteroffiziersschule on Major von Salis an jeden von uns schriftlich die Frage gestellt: «Haben Sie Verwandte, die Offiziere sind?» Ich habe diese Frage nicht beantwortet; was hat denn das mit der Aushebung für eine Offiziersschule zu tun? Ich hätte ja mit Oberst Stephan Gutzwiller in Bern blaguieren können, mit dem ich vielleicht auch noch in Fadenstärke verwandt war und von dem ich ohne weiteres eine entsprechende Empfehlung hätte veranlassen können. All diese Zustände und auch die Stimmung vor dem ersten Weltkrieg, in der man von einem europäischen Krieg wie von einen Märchen berichtet hat, haben in mir eine Stimmung hervorgebracht, in der ich mir nichts daraus machte, zum Abverdienen der Korporalschnüre nicht einzurücken, sondern nach Südfrankreich zu gehen. Die militärischen Pflichten sind vor dem ersten Weltkrieg bei weitem nicht derart eingeschätzt worden wie dies heute der Fall ist. Am Einrückungstag ist noch telegraphisch nachgesucht worden, ob ich schon verreist sei; da hat mein Bruder Werner telegraphisch geantwortet: Korp. Gutzwiller hat heute morgen um sechs Uhr in Genf die Schweiz verlassen.»Dann bin ich eben im Oktober wieder zurückgekommen zur Fortsetzung des Studiums im fünften Semester.
Im Jahr 1912, es mag im Juni gewesen sein, hat in Luzern eine zweitägige Organisationsmusterung stattgefunden, bei der die Einteilung der Gotthardtruppeneiner Änderung unterworfen worden ist und die Bildung der Festungs-Scheinwerferkompagnie stattgefunden hat. Dieser Kompagnie sind hauptsächlich die Kanoniere zugeteilt worden, die bis zu diesem Zeitpunkt Scheinwerfer- und Telephondienst geleistet hatten, also eben auch ich. Vom anschliessenden Wiederholungskurs konnte ich mich dispensieren lassen, einerseits in Anbetracht, dass ich im sechsten Semester des Studiums stand und andererseits, da ich von anfangs August darauf bis in den Herbst hinein in der Rekrutenschule in Andermatt die Korporalschnüre abverdienen musste. Also rückte ich im August1912 in diese Rekrutenschule ein als Scheinwerfer-Pionier-Korporal, wo wir deren drei waren. Wir hatten etwa das erste Dutzend Scheinwerfer-Pionier-Rekruten, also drei kleine Gruppen; kleine Gruppen haben sich aber eben für Scheinwerferpioniere als zweckmässig herausgestellt. Schulkommandant war wieder der nun, wenn ich nicht irre, zum Oberstleutenant avancierte von Salis und Kompagniekommandant Oberleutenant, nachher Hauptmann Ehrensperger; als Feldweibel funktionierte Mosimann (der spätere Chefmonteur der Bernischen Kraftwerke Laufen).

Antreten vor dem Artilleriewerk Forte Airolo
Für den Telephondienst, den wir für die Kanonierkompagnie zu besorgen hatten, war uns von der Fort-Verwaltung der kleine Adjutant Berger zukommandiert und für die Instruktion im Scheinwerferdienst hatten wir uns an den Fort-Verwalter Oberleutenant Paul Christen(von Oberwil) zu halten. Dieser Dienst stand ganz in seinen Anfängen; es bestanden keinerlei Anleitungen und Reglemente; wir mussten mit Herrn Christen zusammen für die Bedienung der Scheinwerfer alles selbst organisieren und sind so gut vorwärts gekommen. Wenn ausserhalb dem Fort für Scheinwerfer Strom benötigt wurde, so war dazu ein altes Lokomobil zur Verfügung mit einer Dampfmaschine und einem Gleichstromgenerator, eine ganz primitive alte Sache; wenn damit für einen Scheinwerfer der Strom abzugeben war, musste ich den Generator selbst bedienen, wenn ich sicher ein Versagen vermeiden wollte; wenn nicht haargenau gleichzeitig mit der Einschaltung des Scheinwerferlichtes die Erregung am Generator gesteigert worden ist, so ist die Spannung so erbärmlich abgefallen, dass der Scheinwerfer sofort wieder auslöschte; ist dann so die Einschaltung und der Betrieb gelungen, so musste dann von den Rekrutentüchtig Kohle geschaufelt werden, um den Dampfdruck und den Betrieb halten zu können. Diese Maschine ist vermutlich alsdann bald ersetzt worden durch andere Einrichtungen; ich habe dieses Lokomobil später nicht mehr gesehen.
Im Exerzierdienst und im inneren Dienst waren wir drei Pioniergruppen einem Kanonierzug zugeteilt unter Leutenant Vest, dem späteren Zahnarztprofessor Vest von Basel, der damals seinen Leutenantgrad abverdient hat. Ganz obenauf der Allmend stand das Klettergerüst und daneben war ein etwa 4 Meter langes Loch, das zum Übersetzen bestimmt war. Lange Zeit mussten wir Unteroffiziere dieses Klettergerüst nicht benützen und das Loch nicht übersetzen; da fiel es plötzlich diesem Leutenant Vest ein, dass nun die Unteroffiziere diese Hindernisse auch zu begehen haben; hätte er Leutenant Gmür geheissen, so hätte ich dies begriffen, denn der wäre auch über diese Hindernisse gegangen. Ich war im Zug immer Führer rechts, also der letzte an der Reihe für das Übersetzendes Loches; es war eben Zeit zum Einrücken in den Scheinwerferdienst, und ich sah auf der Gotthardstrasse Oberleutenant Christen kommen; da nahm ich für das Übersetzen des Loches einen kräftigen Anlauf und machte am Rande vor dem Loch Stop mit dem Ruf: «Herr Leutenant, Herr Oberleutenant Christen kommt, wir müssen gehen.»«Macht, dass ihr zum Teufel kommt», war die Antwort von Leutenant Vest, aber er hat mir diesen kleinen Scherz trotzdem nicht nachgetragen. Im Juni 1913 konnte von mir der übliche Wiederholungskurs in Andermatt nicht gemacht werden, da ich in Zürich im Diplomsemester stand; durchein Gesuch musste ich mich von diesem Dienst dispensieren lassen. Dagegen bin ich dann im August1913 nach Abschluss der Diplomprüfung kurzfristig angefragt worden, ob ich bereit sei, im Fort Stöckli sofort den Wiederholungskurs nachzuholen, wozu ich sofort einwilligte.
So habe ich also Ende August/anfangs September1913 einen Wiederholungskurs gemacht im höchstgelegenen Fort des Gotthards, im Fort Stöckli unter Hauptmann Bolliger. Da war man dann wirklich von der Welt abgeschnitten; am Sonntag hat man es sich noch leisten können, etwa nach Oberalp hinunter zu gehen; das war alles, wenn man noch einen anderen Menschen ohne Uniform hat sehen wollen. Die Dienstkameradenwaren mir am Anfang des Dienstes fast alle fremd und doch habe ich mich nach ein paar Tagen ordentlich eingelebt. Ich hatte mit etwa zwei Pionieren in und um das Fort den Telephondienst zu besorgen, auch anlässlich der an wenigen Tagen zur Durchführung gekommenen Geschützschiessereien. Von den dortigen Dienstkameraden ist mir Wachtmeister Remund in guter Erinnerung geblieben, den ich dann in späteren Jahren in unserer Nachbarschaft wieder getroffen habe. Ein besonderes Erlebnis auf Fort Stöckli war der Anblick auf ein grosses Gewitter hinunter, das abends nach neun Uhr nach dem Eindunkeln über Göschenen losbrach und das sich ganz unter unserem Standort abwickelte. Die Blitzzüge, die die dicken Wolkenballen mit einander zu verbinden schienen, von oben herab betrachtet, ergaben ein kaum beschreibbares Bild in der mit Donnerschlagserienbeginnenden Nacht. Dieser Dienst war ein gutes Zwischenstück nach dem soeben abgeschlossenen Studium, welcher Studienabschlussgerade in den ins Fort hinaufgekommenen Zeitungen publiziert worden ist, ein Zwischenstück in meinem Beginn in die Tätigkeit als Ingenieur.
In der Militärdienstleistung weiterfahrend kam im Jahr 1914 der erste Weltkrieg, wie er zuerst als Europäischer Krieg begonnen hat; am 3. August musste ich in den Aktivdienst nach Andermatteinrücken. Unterwegs beim Bahnhof Göschenen hat die Vereidigung stattgefunden. Vom grossen Rummel der Mobilmachung unten im Land herum habe ich wenig oder nichts gesehen. Man glaubte an einen kurzen Krieg, der keinesfalls sich in den Winter hinein erstrecken werde. In Andermatt sind wir Scheinwerferpioniere detachementsweise auf die verschiedenen Forts verteilt worden. Mich traf10Detachement der Festungs-Batterie II/4. Kommandant Oberleutnant Schächlin das Los auf Fort Bäzberg zusammen mit dem Kameraden Korp. Schellenberg (genannt Korporal von Glockenhügel)und etwa zehn Pionieren, die wir auf zwei kleine Gruppen zu verteilen hatten. In der Kanonierkompagnie sind wir einem Zug zugeteilt worden unter Oberleutenant Baltenschwiler. Kompagnie- und Fortkommandant war Major Eugen Meyer, ein Advokat von Liestal. Im Herbst 1914 hat es sich aber bald gezeigt, dass der Dienst länger dauern werde als vorauszusehen war und man hat uns daher schon im September die Aufgabe zugewiesen, zwei Scheinwerferstellungen zu bauen, Schellenberg eine solche oberhalb vom Fort und ich eine solche unterhalb vom Fort. Für die meinige war als Dach eine an der betreffenden Stelle liegende Granitplatte von etwa 4 m Länge, ca. 3 m Breite und ca.1 m Dicke zu verwenden. Diese Granitplatte musste aufgewunden und untermauert werden und für den Hohlraum des Unterstandes war noch ein beträchtliches Quantum Granit herauszusprengen.
Zu Beginn hat man mir die Sprengarbeit durch die Pioniere von Hand, mit Keilen, zugemutet; dies hat sich natürlich sofort als nichts ausrichtende Methode herausgestellt und ich verlangte vom Materialoffizier Herrn Oberleutenant Rüefli die Beschaffung von Sprengstoff, der vom Magazin Andermatt erhältlich war. Dieser Sprengstoff unter dem Namen Telsit ist kurzfristig eingetroffen und für das Laden mussten mittelst langen Steinbohrern Löchergebohrt werden von ca. 20mm Durchmesser. Besonde11re Sorgfalt war nur auf die etwas gefährlichen Dynamitzündkapseln zu richten. So haben wir sofort begonnen, jeweils des Morgens etwa ein Dutzend bis 20 Schüsse zuladen, um dieselben auf die Mittagszeit zur Explosion zubringen. Herr Oberleutenant Rüefli hat mir strenge Weisung gegeben, dass er beim Anzünden der ersten Schüsse dabei sein wolle; das letztere habe ich natürlich angeblich vergessen; ich habe die Umgebung durch die Pioniere absperren lassen und habe die Schüsse einfach angezündet; da ist Herr Oberleutenant Rüefli bei diesem Geknall mit einem grossen Gebrüll und natürlich zu unserem Vergnügen herangesprungen, aber die Sache war eben getan mit einer kurzen Entschuldigung meinerseits und von nun an ist alltäglich gesprengt worden, bis der nötige Hohlraum geschaffen war. Für die Maurerarbeit sind mir aus den Tessiner-Landwehrtruppen etwa vier Maurer zugeteilt worden und wir haben schöne Granitstein-Polygonmauern erstellt, welche Arbeit mir ganz besonders zugesagt hat; ich habe die Pioniere die Bohr-, Spreng- und Aufräumarbeitenmachen lassen und ich habe tagelang mit den Tessinern Polygonmauern gemauert, so dass ich in dieser Arbeit eine ganz zufrieden stellende Fertigkeit erreichte. So ist die Entstehung der Scheinwerferstellung gut vorangeschritten, aber vor dem Einwintern ist sie doch nichtfertig geworden, trotzdem bis in den Dezember hinein wenig Schnee gefallen ist.
Mit dem Einwintern haben dann natürlich die Maurerarbeiteneingestellt werden müssen und wir haben mit der Skifahrerei begonnen. Über Weihnachten 1914 hat etwa die halbe Kompagnie samt Korp. Schellenberg Urlaubbekommen. Da wir Pioniere sonst nie Wache zustehen hatten, ist gewünscht oder verlangt worden, dass wir die Wache zu stellen hatten an Weihnachten und Neujahr ;an Weihnachten fiel diese Aufgabe auf mich als Wachtkommandant und die Pioniere meiner Gruppen zuzüglich einpaar Kanoniere als Wachtposten(wir hatten, wenn ich mich recht erinnere, 3 Posten mit dreifacher Ablösung zu stellen);am Neujahr war es Korp. Schellenberg und seine Leute, die diese Aufgabe zu übernehmen hatten. Anfangs der Weihnachts-Nacht hat die zurückgebliebene halbe Kanonierkompagnie in der Kantine bei einem Weihnachtsbäumchen Weihnachten gefeiert; nach Mitternacht war aber alles still und alle haben gut geschlafen; dahabe ich mir eine vielleicht etwas peinliche Dienstverletzung zu Schulden kommen lassen; ich habe die Wachtposten eingezogen; wir habenden Weihnachtsbaum in der Kantine angezündet und etwa eine halbe Stunde haben wir in aller Stille Weihnachten gefeiert; eine Blitzlichtaufnah12Ruhepause beim Geschütztransport. Detachement der Festungs-Batterie II/9. Kommandant Hauptmann Zollikoferme war vielleicht unvorsichtig und hätte uns verhängnisvoll werden können; ein Exemplar dieser Photographie war bei uns noch lange Zeit vorhanden, ist aber wie vieles andere vermutlich verloren gegangen. Auf Neujahr habe ich dann Urlaub bekommen und zwar gerade für zwei Monate, um in meiner Anstellung wieder einigermassen nacharbeiten zu können. Auch vorher schon hatte ich die Bewilligung, im Schiessbureau vom Fort Bäzberg für das Geschäft Zeichnungsarbeiten zu erledigen.
Ende Februar 1915 kam ich wieder in den Dienst zurück und mittlerweile hatten unsere Berge reichlich Schneeerhalten; von der Fortsetzung der Bauarbeiten konnte keine Rede sein; wir haben uns mit Schneeaufräumungsarbeiten und mit Skifahren beschäftigt und es war auch durch reichliche Urlaubsbewilligungen der Kompagniebestand immerstark reduziert. Es sind uns in jener Zeit auch ohne weiteres Gruppenskitouren bewilligt worden; die grösste, an die ich mich besonders erinnere, hatte am 13. März 1915 ihr Ziel auf dem Lucendro; ein schöne heller Wintertag war dies; im Winter ist bei hellem Wetter das Gebirge am schönsten. Vom Bäzberg aus auf dem Bergrücken in Richtung gegen die Furka lagen riesige Schneemassen; besondere Vorsicht war dort auf die Telephonleitung zu richten, die sich grösstenteils etwa auf Gesichtshöhe hinzog und ein Hineinfahren in diese Telephonleitung hätte gefährlich sich auswirken können; an den Telephonstangen hat man gerade so auf Körperhöhe die Isolatoren ergreifen können.
Gegen Hospental sind wir die Bäzgant hinuntergefahren und haben uns das Gotthardtal hinauf bewegt, um dann nah dem Gotthardhospiz nach rechts abzuzweigen direkt Richtung Lucendro. Auf dem Lucendro war der Ausblick an jenem Wintertag einzigartig, aber die Temperatur so tief, dass wir nur etwa eine Viertelstunde aushielten, um uns dann wieder im Windschatten talwärts zuzuwenden direkt gegen Rehalp. Was in ein paar Stunden durchs Gotthardtal und abseits nach dem Lucendro erklommen worden war, konnte in der Abfahrt in etwa einer Viertelstunde zurückgelegt werden; nachher musste dann allerdings die Bäzgant hinauf und zurück ins Fort wieder der harte Aufstieg unternommen werden; dies war der 13. März 1915.Der weitere Dienst im Frühling1915 auf Fort Bäzberg war grösstenteils erfüllt mit der Beobachtung des riesigen Spiels der Lawinenniedergänge, die an sonnigen Tagen ringsum statt gefunden haben. Die grösste Lawine, die wir gesehen haben, war die Unteralptal-Lawine, deren Niedergang uns der Maschinist Korp. Bischoff Tage zuvor vorausgesagt hatte; dahat sich die ganze östliche Flanke des Gurschen, nach hinten bis zum Pizzo Centrale (auf dessen Gipfel ich auch einmal war anlässlich einer Sonntagsbergtour im Sommer1912) längs dem Unteralptal auf mehrere hundert Meter Breite in Bewegung gesetzt und ist tosend und krachend ins Unteralptal gestürzt. Im April sind noch ein paar Tage eingeschaltet worden für eine Verlegung der Kompagnie nach der Altkirchkaserne in Andermatt angeblich wegen einer gewissen Demoralisierung der Truppe; das waren ein paar schöne Skifahrtage und Tage, an denen man auch die Bevölkerung des Dorfes wieder zu sehen bekam.
Ins Fort Bäzberg zurückgekehrt, begann die Kunde aufzukommen von einer baldigen Entlassung, und man wurde auch aufmerksam gemacht, eventuell eingetretene gesundheitliche Schäden zumelden. Bei mir hatte sich während des Winters ein lästiges Ohrensausen eingestellt. Dieses Ohrensausen habe ich gemeldet und ich wurde sofort zu genauer Untersuchung an die Etappen-Sanitätsanstalt Solothurn und von dort zur Behandlung an die Etappen-Sanitätsanstalt Olten gewiesen, wo ich etwa eine Woche zugebracht habe, während welcher die Kompagnie vom Bäzberg auf unbestimmte Zeit entlassen worden ist, so dass ich in Olten auch auf eine Entlassungin ungeheiltem Zustand eingewilligt habe. Ein Wieder-Aufgebot in den Aktiv-Dienst erfolgte erst etwa ein Jahr später im Frühling1916; mein Zustand hinsichtlich dem Ohrensausen war noch gleich und die Möglichkeit des Wegkommens im Geschäft war noch schwerer geworden als zuvor, da inzwischen auch der Werkmeister Claus, ein Deutscher, in den Kriegsdienst eingezogen worden war; ich entschloss mich, vor dem Einrücken mich vor Untersuchungskommission (UC) zu begeben und ich wurde von dieser in Olten dienstfrei erklärt; in den Jahren1916 & 1917 habe ich Militärsteuerbezahlt. In Anbetracht der mehr als ein Jahr ausmachenden Diensttage habe ich es nicht ganz in Ordnung gefunden, auf alle Zukunft hinaus die volle Militärsteuerbezahlen zu müssen, und bin auf ein entsprechendes Gesuch um Entgegenkommen vorstellig geworden; diesem Gesuch ist nach einigem Hin und Her im Juni 1919, als gerade schon die Steuer für zwei Jahre fällig gewesen wäre, weitgehender entsprochen worden, als ich erwartet hatte; ich hatte halbe Steuer erwartet: in Anbetracht aber, dass mein Ohrensausen im Winter1914/15 im Aktivdienst begonnen hatte und man die Ursache nicht hat feststellen können, bin ich steuerfrei erklärt worden; auf eine Rückzahlung der für 1916 und1917 bezahlten Steuern ist man allerdings nicht eingetreten; damit war ich befriedigt.
Ende der Dreissigerjahre ist ein Aufruf erfolgt für Anmeldung in Hilfsdienst, und in Anbetracht, dass ich mich gewisser Gewissensbisse wegen zu spärlicher Militärdienstleistungin früheren Jahren nicht erwehren und mich jahrelang dienstfrei und militärsteuerfrei bewegen konnte, habe ich mich für einen geeigneten Dienst gemeldet. Am 26. November 1940 bin ich zum Obmann des Elektriker-Hilfsdienst-Detachements 4 ernannt worden.