Das Inf Regiment 11 (SO) im Reduit
Im Zweiten Weltkrieg waren die Besatzungen der Werke meist Feldtruppen, die eigentlichen Reduiteinheiten wurden erst nach dem Krieg gebildet. So kam es, dass die drei Oberländer Gebirgsinfanterie-Batallione 34, 35 und 36 des Geb Inf Rgt 17 vor allem im Simplongebiet und im Goms Dienst leisteten, während zum Beispiel das Solothurner Infanterieregiment 11 seine Ablösedienste im Reduit im Raum Thunersee machte.
Aus dem Jubiläumsbuch des Solothurner Infanterieregiment 11 stammen diese Angaben über Einsätze im Oberländer Reduitraum: Mit dem Reduitbefehl zogen sich die Truppen in den zentralen Alpenraum zurück. Als Beispiel das Solothurner Infanterie-Regiment 11 (Quelle: Erinnerungsbuch): Am 22. August 1940 bezog das nun der 3. Division unterstellte Inf Rgt 11 seinen neuen Verteidigungsabschnitt im Raum Spiez-Wimmis-Einigen. Das Regiment erfuhr Verstärkung durch die Feldartillerie-Abteilung 11 und das Solothurner Gebirgsfüsilier-Batallion 90. Zunächst galt es, das Verteidigungsdispositiv zu errichten, Erfahrung im Stellungsbau hatte man schon. Dann konnte die Ausbildung vorangetrieben werden. In Zusammenarbeit mit der unterstellten Artillerie-Abteilung, mit einem Detachement Renault-Panzern und mit einer Fliegerstaffel konnte effektiv trainiert werden.
Turnusgemäss wurde auch der Kommandoposten der 3. Division in Thun von Teilen des Inf Rgt 11 bewacht. Am 4. November 1940 rückte das Regiment in Spiezwiler ein (Dienst bis 25. Januar 1941) und marschierte direkt in die Stellungen an der Kandermündung. Das Dispositiv wurde in einem Manöver überprüft, indem mit Panzern und Infanterie bei Tag und Nacht angegriffen wurde. Doch die «Angreifer» konnten weder die Kander überqueren, noch mit Motorbooten vom Thunersee her die Stellungen einnehmen. In der dritten Dienstperiode (18. März bis 30. Mai 1941) wurde im Raum Oberhofen-Kiesen-Steffisburg eingerückt. Die Elfer hatten die Aufgabe, die rechtsufrige Thunerseestrasse zwischen Thun und Interlaken zu sperren. In einer ersten Phase besetzte das Regiment zudem die Sperren Eichbühl, Oberhofen sowie Oertli. Im Kriegsfall hätte das verstärkte Regiment die Zulg-Übergänge von Eriz bis zur Aaremündung sowie die Sperren am Thunersee besetzen sollen. Zusätzlich hätte das Regiment das Anwassern und Landen längs des rechten Thunersee-Ufers verhindern sollen.
In einer zweiten Phase übernehmen die Elfer die Besetzung der Sperren Kanderbrücke, Krattigen, Brodhüsi, Wimmis und Mülenen. Der nächste Ablösedienst (7. Oktober bis 14. November 1941) begann im Raum Spiez-Wimmis. Im Herbst 1941 galt es immer noch, das Verteidigungsdispositiv mit Befestigungsarbeiten zu verstärken. Im Rahmen des Regimentsmanövers, das am 5. November auf der Thuner Allmend begann, wurde die Verschiebung zu den Entlassungsorten vorgenommen. 1942 wurde das Regiment aufgeteilt: Das Füs Bat 50 wurde vom 19. Oktober bis 19. November als Bewachungsbatallion der Territorial-Inspektion 1 unterstellt und wurde u.a. in Spiez und beim Bundeshaus eingesetzt. Auch vom 11. Januar bis 13. Februar 1943 war die Einheit als Einsatzregiment der Territorial Inspektion 1 für Bewachungsaufgaben eingesetzt, und zwar an der Lötschbergrampe Thun-Kandersteg. Zusätzlich stellte es die Bewachung des Flugplatzes Uetendorf sicher.
Der zweite Ablösedienst im 1943 (8. Oktober bis 10. November) erfolgte erneut an der Lötschbergrampe, zudem wurde viel Ausbildung betrieben. Der letzten Reduit-Dienst erfolgte vom 31. Januar bis 13. März 1944: Per Bahn erreichte das Inf Rgt 11 ihren Einsatzraum Spiez-Frutigen-Kandersteg. Es galt erneut, die Lötschbergbahn zu bewachen, Teile des Füs Bat 50 waren auf dem Flugplatz Interlaken stationiert. Die restlichen Aktivdiensttage erfolgten dann 1944 und 1945 nach dem Verlassen des Oberländer Reduitraumes wieder an den Landesgrenzen.