Festung Oberland

Wehrhafte Schweiz - Bunker und Festungen

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Eglisau (Migrol)


Nicht für die Versorgung der Armee vorgesehen, sondern zur Lagerung von Heizöl war die Tankanlage Eglisau. Dennoch wird sie hier aufgeführt, da einerseits Aussagen über die vorbereitete Zerstörung der grenznahen Anlage bekannt sind, andererseits 2015 offen ist, was mit der heute privaten Liegenschaft passieren wird. Es handelt sich um total 199 Einzeltanks! Gemäss Altlastenkataster wurden neben Heizöl auch Diesel, Schweröl, Benzin und «andere Kohlenwasserstoffe» eingelagert.

Auslöser dieses Textes war folgende Aussage von
Karl Bodmer, ehemaliger Bauvorstand (1958-62) und Gemeindepräsident (1962-78) von Eglisau auf einer Website (LINK): «Durch eine Auflage, die der Bundesrat erlassen hatte, mussten alle Grossverbraucher Notvorräte anlegen, so genannte Pflichtlager. Das waren «Lehren aus dem Kriege». Und das hat die Migrol bewogen, hier [in Eglisau] diese Tankanlage zu erstellen. [...] Eine andere Lehre aus dem Krieg war, dass wenn wieder einmal Streitigkeiten stattfinden, kriegerische Ereignisse, dass man dem Feind nicht wertvolle Sachen überlässt. Die Brücken über den Rhein haben alle Sprengstoff in den Pfeilern gehabt, dass, falls der Feind wirklich einmal käme, man diese hätte sprengen können. Und so kam die Auflage, bei diesen Stahltanks eine Tankvernichtungsanlage zu installieren. Man hätte auf einen Knopf drücken können, wahrscheinlich zwei Knöpfe, damit, falls es ein Fehlgriff gewesen wäre, nicht schon - was weiss ich - losgeht. An zwei Orten hat es auf den Stahltanks solche Pakete gehabt, zirka 20 mal 20 Zentimeter gross, und diese Pakete hätten eine Hitze entwickelt von etwas über 2'000 Grad. Das hätte den Stahltank durchgeschmolzen und das Öl hätte zu brennen begonnen.»

Reglement
In den Reglementen wurde dieser Auszug zum Thema Tankzerstörung gefunden.

TA Eglisau1966
Tanklager Eglisau 1966 © Geodata Swisstopo

Eglisau-Tankanlage-2-2
Die Anlage heute

Sorgen macht verschiedenen Personen und Organisationen der Zustand der Anlage (Rutschungen am Ufer, offene Zugangstüren, offene Tankdeckel) in Bezug auf die Sicherheit. Die Liegenschaft gehört seit 1982 dem heutigen privaten Besitzer, angeblich war einmal ein Campingplatz geplant.

Update: Januar 2016: Wie wochenspiegel.ch und lokalinfo.ch im November berichtete, geht jetzt offenbar etwas. Eine Arbeitsgruppe suche nach Lösungen, die fast 200 Tanks auszugraben und zu entsorgen. Auf Initiative des Kantons soll das 27'000 Quadratmeter grosse Gebiet saniert werden. Grundeigentümer, Migrol, Carbura, Kanton und Gemeinde sind in der Arbeitsgruppe vertreten. Welche Varianten einer Sanierung bisher diskutiert wurden, will die Gemeinde offenbar nicht sagen. Aber klar ist, die Tanks sollen nicht im Boden belassen werden. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Tankdeckel und Zugänge mittlerweile von der Gemeinde mit Ketten gesichert (aber etliche Tanks seien auch heute noch offen…?). Bedenklich ist, dass nicht bekannt ist, in welchen Tanks welche Flüssigkeiten (Öl, Benzin, Diesel) gelagert wurde und wo allenfalls noch Überreste lagern.

Interessante Links
Migrol-Tanklager/Hochrheinschiffahrt
GIS Kanton Zürich
Kataster belasteter Standorte Kanton Zürich
Wikipedia zu Migrol