Ökologie in Hindernissen
Der Umweltschutz hat auch in der Armee Einzug gehalten. Etliche Gelände- und Infanteriehindernisse sind zu wichtigen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen geworden.
1995 ging ich für die Zeitung «Berner Oberländer» diesem Thema nach. Hier der damalige Bericht:
«Für ökologische Aufwertung kommen im Oberland nur wenige Geländehindernisse in Frage, viele sind auch nicht vorhanden.» Adjudant Unteroffizier Hans Laubscher, Angehöriger des Festungswachtkorps zählt dennoch einige auf: «In Wimmis sind noch Toblerone-Höcker zwischen Burgfluh und Niesen vorhanden, in Einigen ist die langgezogene Mauer entlang der Bahnlinie sowie der Panzergraben und Sperren hat es noch in Hünibach, Heiligenschwendi und Merligen.» Der Festungswächter listet aber auch gerade die Probleme der einzelnen Anlagen auf. «In Wimmis sind wir nur im Baurecht auf dem Land. Die Aufwertung zum Beispiel mit einer Hecke zwischen den Höckern, brächte der Natur viel, der Landbesitzer möchte aber seit Jahren, dass die Betonhöcker entfernt werden. Die Sperre bleibt aber, genauso wie denjenigen in Hünibach und Merligen weiter bestehen.»
Der Landbesitzer, Rudolf Ast aus Wimmis, hat die Entstehung der Sperre miterlebt. «Viel Wert war sie sowieso nicht. 1947 hat die Schweizer Armee mit einem modernen deutschen Panzer versucht, hier in Wimmis die Sperre zu überwinden. Die Betonhöcker bröckelten ab, die Stahlseile zerrissen, der Panzer fuhr einfach darüber hinweg.» Doch nicht der militärische Wert interessiert ihn, er möchte vielmehr das Land für die Landwirtschaft zurück haben. «Dieses Gebiet entspricht etwa eine Jucharte. Das heisst Gras für eine Kuh mehr.» Laubscher kontert: «Der Zweck eines Geländepanzerhindernisses ist es, den Vormarsch von Panzern zu verlangsamen, um die Trefferwahrscheinlichkeit der Abwehrwaffen zu erhöhen und nicht, das Überwinden ganz zu verhindern.» In Einigen ist die Sperre ins Ortsbild integriert, eine Aufwertung nicht sinnvoll und machbar. Auch in Merligen ist auf der kleinen, nicht überbauten Fläche keine zusätzliche Massnahme sinnvoll, da die Grünfläche bereits heute extensiv gepflegt wird.
Aufgewertet werden könnten einzig der Grünstreifen vor der Panzermauer in Hünibach und die zur Liquidation bestimmten Sperren in Heiligenschwendi. Während für Hünibach bereits ein Projekt besteht und nur noch die Trägerschaft und die Finanzen sichergestellt werden müssen, ist für die Sperre in Heiligenschwendi noch alles offen. Auch, ob und wann diese abgebrochen werden.
Seit 1994 besteht im Militärdepartement eine Arbeitsgruppe für das Projekt «Ökologische Aufwertung militärischer Hindernisse». Die konkreten Massnahmen dieses Projektes betreffen die Verbesserung in verschiedenen Lebensräumen:
* Erneuerung und Erweiterung von wasserführenden Panzergräben
* Entfernung von Stacheldrähten aus Infanteriehindernissen
* Pflanzung von Hecken, Ausscheidung von extensiv genutzten Krautsäumen
* Aufwertung von Wäldern und Waldrändern
* Extensivierung von intensiv genutzten Wiesen.
Im Oberland sind nicht viele Objekte vorhanden, bei denen eine ökologische Aufwertung in Frage kommt. Ganz anders sieht es in der Ostschweiz aus. Im Rheintal sind solche Tobleronesperren an der Tagesordnung. Dort sind auch die Versuche mit den Hecken durchgeführt worden. Die ersten Auswertungen zeigen, dass dank der Panzergraben-Erneuerung der Bestand des stark gefährdeten Laubfrosches ansehnlich zugenommen hat. Die extensivierten Wiesen und Krautstreifen bieten verschiedenen Insekten verbesserten Lebensraum. In einem Hindernisband von 1,4 Kilometern Länger konnten neu 37 Vogelarten festgestellt werden. Der Abbruch und die Rückführung der nicht mehr militärisch genutzten Anlagen respektive Räume in die Landwirtschaft wäre für die Tier- und Pflanzenwelt ein bedeutender Lebensraumverlust. Das EMD erklärte sich deshalb 1991 bereit, nicht mehr benötigte Hindernisse als ökologische Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen. Das EMD betreibt auch in einsatzbereiten Hindernisanlagen Naturschutz. Mit den getroffenen Massnahmen wird gleichzeitig der Hinderniswert erhöht, die Tarnung verbessert und das Landschaftsbild aufgewertet.»

Zwischen den Betonhöckern (hier Spissi in Wimmis) wächst alles mögliche an Pflanzen und Getier.