Motorboot-Detachemente im Oberland


BILDER - die Bilder stammen teilweise aus einem Privatarchiv, der Fotograf ist nicht bekannt

Nach den Erfahrungen mit den deutschen Angriffen auf die nordischen Länder, die auch von Wasserflugzeugen unterstützt wurden, kam man in der Schweiz mit den vielen Alpenseen in Zugzwang. Die Überwachung der Wasserflächen erhielt eine gewisse Bedeutung, in der Beatenbucht wurde ein gepanzerter Seebeobachtungsposten installiert. Ein weiterer war in Leissigen geplant, wurde aber nie realisiert. Doch die Seen konnten auch Transport- und Verkehrswege darstellen, wenn die entsprechenden Boote zur Verfügung stehen würden. Die Armee requirierte zivile Boote, bewaffnete diese und setzte diese auf den Seen ein. Ab 1941 wurden sogenannte Kampfboot-Detachemente sowie Seetransport- und Seeverbindungsdetachemente auf den Reduit-Seen geführt. In den Jahren 1942-45 wurden die Motorboot-Detachemente gebildet.

Das Mot Boot Det 2 auf dem Thunersee hatte seinen Standort in der Werft Furrer (Gwatt). Es wurde Mitte 1943 gebildet und hatte 2 Patrouillenboote P41 sowie 12 requirierte Zivilboote und 9 Motorlastschiffe. Auf dem Brienzersee war das Mot Boot Det 3 in Goldiswil mit einem P41 und 6 requirierten Booten stationiert. Mit der Entspannung der Bedrohung gegen Ende des Krieges wurden die Boote aus dem Reduitraum auf die Grenzseen verlegt. Es gab folgende P41-Boote mit Oberländer Namen: Thun, Brienz, Bönigen und Spiez. Die Namen sagen auch aus, für welche Seen sie ursprünglich vorgesehen waren (die «Spiez» ist übrigens im Verkehrshaus Luzern zu besichtigen).

Die Seewege dienten auch als Rückzugsmöglichkeit für das Armeeoberkommando, da General Guisan sein Hauptquartier zeitweise in Interlaken bezogen hatte. Auf dem Brienzersee waren dazu das Dieselmotorschiff Iseltwald und ein Schlepper ohne Motor bereitgestellt (beide mit Standort Interlaken).

1948 waren je ein Zug der neu aufgestellten Motorbootkompanie 1 auf dem Thuner- resp. Brienzersee stationiert. Mit der Zeit wurden die Boote nachgerüstet, erhielten Radaranlagen, eine 24mm-Tankbüchse auf den Bug und ein Flab-Doppel-Maschinengewehr im Heck.

Unterstellt waren die Boote im Einsatz teilweise den Werkkompanien. So kam es auch, dass der Gebirgsgrenadier-Wachtmeister Peter Abegglen sich auf ein Inserat meldete und so der letzte Kommandant des Bootes «Uri» wurde. Im Buch von Hansjakob Burkhardt über die Befestigung Seesperre Nas sowie die Geschichte der Schweizer Marine ist diese Episode ausführlich beschrieben: Die Festungskompanie III/14 hatte eine eigene in den Mitrailleurzug integrierte Bootsbesatzung. Das Boot «Weggis» diente auf dem Thunersee, wurde 1978 jedoch ausser Dienst gestellt und versteigert. Abegglen wechselte dann als «Uri»-Kommandant auf den Vierwaldstättersee. Auch die heutigen Armee-Patrouillenboote P80 haben einen direkten Zusammenhang mit dem Oberland, wurden sie doch von der Müller-Schiffsbauwerft in Spiez gebaut.


Das P41-Boot «Bönigen» © Stiftung HAM

Boote haben aber im Oberland auch schon für andere Schlagzeilen gesorgt, wie der Sonntagsblick am 11. 11.2001 berichtete: Unter dem Titel «Spionageboot im Thunersee und geheime Waffen entdeckt» wurde über «50 Spezialwaffen, die aus Beständen der Geheimarmee P26 stammen und längst liquidiert sein müssten» geschrieben. Und: «Beim Jachthafen am Thunersee liegt ein Spionageschiff des Geheimdienstes.» Es liege am Ende des Damms beim Jachthafen Thun vor Anker und biete bis zu zehn Personen Platz und «wurde kürzlich mit einem neuen Motor ausgestattet». Laut einem Militär würden auf dem Boot Geheimtreffen organisiert: «Sie meinten, auf hoher See (!) könne man die Gespräche nicht abhören.» VBS-Sprecher Oswald Sigg bestätigt laut Sonntagsblick: «Über dieses Boot verfügt die Sektion Militärprotokoll, die zur Untergruppe Nachrichtendienst gehörte. Es wird heute für Ausflüge von Besuchern verwendet.»