Das Festungswachtkorps


Die Ursprünge des Festungswachtkorps reichen ins vorletzte Jahrhundert zurück. Den Festungsverwaltungen Sankt Gotthard (1892) und Saint Maurice (1894) musste für die Bewachung und den Unterhalt der permanenten Festungswerke und deren Armierungen sowie für die Bedienung der eingebauten technischen Anlagen, der eingelagerten Munition, Lebensmittel und Vorräte aller Art, eine besondere Organisation geschaffen werden. Andermatt gilt als «Heimatort» des Festungswachtkorps (1890), Airolo als «Geburtsort» des Festungsbaues mit dem Forte Airolo.


Ausbildung am Scheinwerfer in Andermatt

Die Ausbildung und Mithilfe der neuen Festungstruppen verlangte ständiges beruflich und militärisch gut geschultes Personal, welches der Truppe zur Verfügung stand. Diese Organisation trug anfänglich die Bezeichnung «Sicherheitswache», danach «Fortwache», und wurde unter diesem Namen in der Schweiz mehr oder weniger bekannt. In der Regel wurden Fortwächter in der Festungsartillerie eingeteilt. Sie standen im aktiven Dienst und wurden durch die Chefs der Fortverwaltungen in Andermatt bzw. Lavey-Village (St. Maurice) beim Eintritt in die Fortwache vereidigt.

Im Buch Heereskunde der Schweiz von Karl Brunner (zweite Auflage, 1940) steht im Kapitel XI «Die Fortwächter und der freiwillige Grenzschutz»:
Die Fortwächter und der freiwillige Grenzschutz werden aufgestellt für die Bewachung der Festungswerke. Sie stehen unter der Sektion für Festungswesen des Generalstabes.
1. Die Fortwache* ist eine seit dem Bestehen permanenter Werke bestehende Organisation.
2. Der freiwillige Grenzschutz wurde 1936 organisiert. Seine Aufstellung steht im Zusammenhang mit der Anlage neuer lokaler Grenzfestungswerke. Das personelle Problem, das bis zu einem gewissen Grade das Milizsystem überhaupt berührt, ist zur Zeit noch nicht gelöst. Die Organisation, welche bis jetzt 15 Kompanien umfasst, stellt einen Versuch dar.

* Für Fortwächter gilt insbesondere (Auszug): In die Fortwachen der Befestigungen werden nur Unteroffiziere, Gefreite und Soldaten der schweizerischen Armee aufgenommen. Nur solche Bewerber dürfen aufgenommen werden, die das 2. Altersjahr nicht überschritten haben und nach der sanitarischen Untersuchung für den Dienst bei den Fortwachen für tauglich erklärt worden sind. Die Anstellung kann jederzeit durch das Festungsbureau oder die Fortverwaltungen erfolgen. Während den ersten 14 Tage kann der Angestellte durch das Festungsbureau oder auf eigenes Gesuch hin sofort entlassen werden. Vom 15. Tage an wird die Anstellung für beide Teile verbindlich. Die Entlassung findet auf den letzten Tag eines Monats statt, nach vorausgegangener dreiwöchiger Kündigung. Nach drei Dienstjahren wird die Kündigungsfrist auf 3 Monate verlängert. Die Kündigung steht beiden Teilen in gleicher Weise zu. Bei zahlreich eingehenden Kündigungen steht dem Festungsbureau das Recht zu, nach Ermessen, bis zum Eintreffen des Ersatzes die Entlassung der einzelnen Leute um höchstens einen Monat hinauszuschieben. Bei groben Dienstverletzungen oder wiederholter Straffälligkeit steht dem Chef des Festungsbureaus das Recht zu, die Fehlbaren ohne vorausgegangene Kündigung sofort zu entlassen.

Die tägliche Besoldung beträgt in der Regel für Gefreite und Soldaten 5-6 Franken, für Unteroffiziere 5.50 bis 6.50 Franken. Für Unteroffiziere, Gefreite und Soldaten kann der Chef des Festungsbureaus die tägliche Besoldung erhöhen wie folgt: für Dienstchefs bis auf höchstens 10 Franken; für Dienstchef-Stellvertreter auf höchstens 9 Franken, für Handwerker auf höchstens 8.50 Franken.

Mit dem Ausbau der Landesbefestigungen, in den Jahren 1936 bis 1942 zeigte sich, dass die Festungsverwaltung und die Fortwache für die neuen Aufgaben personell zu schwach waren und für den Einsatz im ganzen Lande nicht mehr die geeignete Organisation bildeten. Anderseits wurde im Jahre 1936 die «Freiwillige Grenzschutztruppe» aufgestellt, bald ebenso bekannt wie die Fortwache. Die «Freiwilligen» wurden anfänglich für die Bewachung der im Bau befindlichen permanenten militärischen Anlagen eingesetzt. Gleichzeitig wurden sie an mobilen und an Festungswaffen ausgebildet.

Ferner ging es in jener Zeit darum, für die zahlreich entstehenden neuen Festungswerke ausser dem Personal für Bewachung, Unterhalt, Bedienung der technischen Anlagen und Ausbildung der Festungstruppen, auch sofort über eine einsatzbereite Besatzung zu verfügen. Ausserhalb der Festungsgebiete Gotthard, St. Maurice und Sargans mangelte es an gut ausgebildeten Besatzungen bei den Festungstruppen. Diese freiwillige Grenzschutztruppe hat sich während der Dauer ihres Bestehens im harten Dienst bewährt. Sie hat in Alarmübungen und in den mehr als kritischen Zeiten der Bedrohungen für unser Land und Volk von 1939 bis 1942 die Befestigungswerke im Grenzgebiet besetzt und war bereit, den Abwehrkampf aufzunehmen.

Mit dem abschliessenden Ausbau der Landesbefestigungen und der Aufstellung von Festungsbesatzungen musste eine Kombination der ständigen Fortwachen mit den freiwilligen Grenzschutztruppen gesucht werden. Die Kampfaufgaben traten in den Hintergrund, diese wurden primär Aufgabe der neu geschaffenen Werk- und Festungsformationen. Für das ständige Personal wurden nun Unterhalts-, Verwaltungs- und Ausbildungsaufgaben wichtiger.

Auf den 1. April 1942 wurden die ständigen Fortwachen mit der freiwilligen Grenzschutztruppe zum Festungswachtkorps vereinigt. Diese Massnahme ging nicht ohne Schwierigkeiten vor sich, da die beiden Organisationen sehr ungleich waren. Auf der einen Seite die Fortwachen, die zum Teil aus älteren Fortwächtern bestanden und deren Tätigkeit vor allem dem Unterhalt der Festungswerke und dem Einsatz für technische Aufgaben galt. Auf der anderen Seite eine militärisch vorzüglich geschulte Truppe im Auszugsalter, deren Stärke die soldatische Disziplin sowie der Einsatz als Kampftruppe, insbesondere für den Kampf mit, um und an Festungen und im Nahkampf war.


Standorte der Freiwilligen Grenzschutz-Kompanien vom 27.1.1941 (aus «50 Jahre FWK»).

Es rekrutierte sich aus den aufgelösten freiwilligen Grenzschutztruppen, (Bestand ca. 2'500 Mann), Teilen der Mannschaft und des Kaders und aus den Festungs- und Fortverwaltungen Saint Maurice, Sankt Gotthard und Sargans das bisherige Personal, also vom Arbeiter über den Angestellten bis zum Beamten. Das Festungswachtkorps gliederte sich in vier Festungskreisstäbe analog der 4 Armeekorps und schweizweit in 19 Festungswachtkompanien mit einem Zentralmaterialpark, 4 Festungsmaterialparks und einem Militär-Strafdetachement (Zugerberg).

Den neuen Erfordernissen entsprechend standen also für das Festungswachtkorps, neben hohem Können im Einsatz der Festungswaffen, vor allem die technischen Kenntnisse im Vordergrund. Das Hauptgewicht hatte sich vom Einsatz als Kampftruppe auf Reparatur- und Unterhaltsarbeiten sowie die technische, taktische Waffenausbildung der Werk- und Festungsformationen verlagert.

Aus dem 1886 für den Bau der Gotthardfestungen geschaffenen Büro für Befestigungsbauten (BBB) wurde 1902 die Abteilung für Genie in Bern. Diese ging 1911 als Sektion Festungswesen in die Generalstabsabteilung über. 1943 formierte sich die Sektion neu als Gruppe für Festungswesen und war ab 1951 in der Abteilung für Genie und Festungswesen aktiv. Ab 1965 als Abteilung für Genie und Festungen (AGF) eingegliedert, wurden die Festungsbelange 1979 in das Bundesamt für Genie und Festungen (BAGF) integriert. Mit der Armee 1995 bzw. EMD 1995 (A 95 / EMD 95) kam das Festungswachtkorps als eigenständige Direktion zum Heer. Das Festungswachtkorps wurde nun für die nächste Zeit vorwiegend eine technische Truppe und war in der Lage und das praktisch bis und mit zur Armee 95 (A 95) neben Unterhalts- und Reparaturarbeiten auch anspruchsvolle Bau- und Installationsarbeiten auszuführen.


FWK-Standorte 1948 (aus «50 Jahre FWK»).

Als Berufskorps mit ca. 1'600 Dienstnehmern, alles Angehörige der Armee (AdA), gut ausgerüstet und vielseitig in ca. 140 Funktionen einsetzbar, hatten die Festungswächter die Gelegenheit und Chance, mit ihrem erlernten Beruf vertraut zu bleiben. Das FWK schachbrettartig schweizweit verteilt, dadurch rasch einsetzbar mit ständig besetzter Alarmstelle und mobilen Mitteln, viersprachig und mit besten Ortskenntnissen war ein anerkanntes Bindeglied zwischen Armee und Zivilbehörden.

Ein eigenes Kommunikationsnetz mit Krypto-Fax, Funk- und mit Telefonverbindungen wie auch einer leistungsfähigen EDV-Unterstützung, sowie ein entsprechender Fahrzeugpark mit Spezialfahrzeugen prägten das Erscheinungsbild des Festungswachtkorps in dieser Zeit. Eine längst überfällige neue und zweckmässige Arbeitsuniform inkl. der Bewaffnung prägten das neue sich bereits abzeichnende FWK 95 im Rahmen des EMD95/A95. Bei dieser wohl grössten Armeereform wurden die Dienstleistungen des FWK zugunsten der Truppe und Dritter mehr als nur hinterfragt.

Im BAGF, und damit eingeschlossen im Festungswachtkorps, wurde eine markante Reduktion der Direktunterstellten vollzogen. Anderseits wurden damit im Heer die Ausbildungsführung, die Betriebe z. B. die Kriegsmaterialverwaltung (KMV), das Festungswachtkorps, das Lehrpersonal und die Stabs- und Kommandantenschule als Hauptelemente gebildet. Die bisherigen Truppengattungen wurden zusammengefasst in die Bereiche Kampf-, Unterstützungs- und Logistiktruppen.


FWK-Standorte bis 1995 (aus «50 Jahre FWK»).

In der Armee XXI wird das Festungswachtkorps, als militärisches Korps im Prinzip weiter bestehen bleiben, jedoch mit einem neuen
Sollbestand zwischen 800 bis 1200 DienstnehmerInnen.

Der Auftrag bewegt sich in den folgenden vier Segmenten:
* Sicherheit mit In- und Auslandeinsätze
* Ausbildungsunterstützung
* Infrastruktur
* Kampfmittelbeseitigung im In- und Ausland

Zurück zu den Kernaufgaben heisst die neue Devise im FWK XXI und so bleiben von den ehemaligen zwanzig Hauptaufgaben, welche das Festungswachtkorps prägten nur noch eine, nämlich die ureigensten Festungswachtaufgaben analog den Dienstvorschriften für das Festungswachtkorps von 1942 bis 1995. Das Korps «Lehrverband Militärische Sicherheit» wird sich in einen Führungsstab mit 3 evtl. 4 Regionen organisieren.


Unterhaltsarbeiten an einem ASU (aus «50 Jahre FWK»).

Es wird also nach wie vor darum gehen, die noch aktiven und eingemotteten permanenten militärischen Anlagen, auf welche die Armee XXI sich festlegt hat, in der ganzen Schweiz zu kontrollieren und zu überwachen. Die daraus resultierenden Wartungsarbeiten, Revisionen und Reparaturen werden durch Unterhaltsequipen und Privatfirmen zu erledigen sein. Mit der Schliessung aktiver Kampfanlagen nimmt die Arbeit zudem ab 2011 nochmals ab. Die Folgen für die Angestellten sind absehbar...

(Quelle und weitere Infos unter www.fwk.ch)