Eisenbahn im Reduit-Raum


Verbindungen sind im Krisenfall unabdingbar, dies gilt nicht nur für die Kommunikation, sondern auch für Verkehrswege. Im Aktivdienst wurden die Transitstrecken der Bahn am Gotthard und Lötschberg/Simplon besondere Beachtung geschenkt, diese Linien waren zur Zerstörung vorbereitet (Brücken und Tunnels). Trotzdem musste der Bahnverkehr funktionieren. Anfangs 1941 wurde deshalb für das Reduit ein Eisenbahnstab gebildet. Jede der drei unterstellten Gruppen (Gotthard/Furka/Oberalp, Brünig und Lötschberg/MOB/Wallis) war in personeller und materieller Hinsicht unabhängig organisiert. Zu diesem Zweck wurden die nötigen Reserven an Rollmaterial, Rampen, Brücken- und Oberbaumaterial usw. ins Reduit verschoben.

Auch der Übergang der schmalspurigen Güterwagen der Brüniglinie auf die Montreux-Oberland-Bahn MOB wurde durch eine Rollschemelbetrieb auf der normalspurigen Linien Interlaken-Zweisimmen organisiert. Spezialzüge als Kommandoposten für den General, als mobile Druckerei oder für Verwundetentransporte wurden zusammengestellt. Zur Sicherstellung des Dampflokbetriebes wurden rund 10'000 Tonnen Steinkohlebriketts im Winter 1940/41 ins Reduit gebracht, dazu Notbrücken und Reparaturmaterial.

In der Realität wären die Bahnlinien im Reduit wohl als eines der ersten Ziele zerstört worden, um der Armee Verschiebungen zu verunmöglichen. Diese ganze Organisation hat aber ihren Zweck nach der Mobilisation (ohne kriegerische Aktionen) sicher erfüllt.


Das Bahnviadukt in Frutigen: Ein Unterbuch der Lötschbergbahn an dieser exponierten Stelle hätte die ganze Strecke blockiert.


Meiringen, 18. November 1941: Feier zur Aufnahme des elektrischen Betriebs bis Luzern. (Fotodienst SBB)


Wacht am Lötschberg: Soldaten bewachen das Südportal des Schluchitunnels auf der BLS-Südrampe (Bundesarchiv)