ADAB
Die Arbeitsgruppe Natur- und Denkmalschutz bei Kampf- und Führungsanlagen ADAB – vom VBS eingesetzt – stellte ab 1992 Inventare der erhaltenswerten respektive schützenswerten Militäranlagen der Schweiz (natürlich nur von ausgedienten) zusammen. ADAB wurde 2006 aufgelöst. Die nach Kantonen aufgeteilten Dokumentationen gibt es als PDF-Dateien: Download hier
Jahresbericht ADAB 1994: Download
Jahresbericht ADAB 1995: Download
Jahresbericht ADAB 1996 (franz.): Download
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Jahresbericht ADAB 1999: Download
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Anlässlich der Präsentation des Inventars der Kantone Bern und Freiburg ist am 22. September 2006 in der Tageszeitung «Berner Oberländer» folgendes Interview mit dem Leiter der ADAB, Silvio Keller, erschienen (Autor Hans Rudolf Schneider):
Inventar militärischer Bauten des Kantons Bern
«Bunker sind Zeugen der Geschichte»
Im Kanton Bern stolpert man vielerorts über Bunker und sogenannte Toblerone-Höcker - etliche davon im Oberland. Gestern wurde das Inventar dieser Bauten vorgestellt. Was passiert mit den erhaltenswerten Bunkern?
Das Bundesinventar der erhaltenswerten Militärbauten umfasst im Kanton Bern weit über Hundert einzelne Objekte - zusammengefasst in 59 Sperrstellen. Diese wurden meist in Engnissen und Taleingängen gebaut, wo oft bereits früher Burgen und Letzimauern standen. Massierungen solcher Sperrstellen sind in der Region Murten-Vully und im Oberland zu verzeichnen, im ehemaligen Reduit. Während im Seeland Anlagen bis zurück in den 1. Weltkrieg bestehen, stammen diejenigen im Oberland ausschliesslich aus dem 2. Weltkrieg oder danach. Der Interlakner Silvio Keller ist Leiter der Arbeitsgruppe Natur- und Denkmalschutz von Kampf- und Führungsbauten (ADAB). Diese klassiert die ausgedienten Anlagen in der ganzen Schweiz.
Herr Keller, der Kalte Krieg ist vorbei, viele Bunker stehen leer, Zivilpersonen erfüllen jedoch selten die Auflagen für einen Kauf. Wieso wird also mit viel Aufwand ein Inventar erstellt?
Silvio Keller: Gemäss Artikel 3 des Natur-und Heimatschutzgesetzes sind alle Bundesstellen - also auch das Verteidigungsdepartement - verpflichtet, zu geschichtlichen Stätten und zu Natur- und Kulturdenkmälern Sorge zu tragen. Das kann man aber nur, wenn man den grossen Bestand an Bauten und Anlagen kennt. Das Inventar dient also insbesondere den Immobilienverantwortlichen bei ihrem Umgang mit diesen Zeugen aus wichtigen Epochen der jüngsten Schweizer Geschichte.
Das Inventar gliedert in die drei Kategorien der nationalen, regionalen und lokalen Bedeutung. Nach welchen Kriterien wird ein Betonbunker eingeteilt?
Diese Kriterien wurden von der Arbeitsgruppe und ihrem Fachberater Maurice Lovisa sorgfältig erarbeitet. Es geht im Wesentlichen um die geschichtliche, kulturelle und ökologische Bedeutung der einzelnen Objekte. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Arbeitsgruppe nicht nur Leute aus dem VBS, sondern aus allen Bundestellen angehören, welche sich mit Denkmalpflege und Naturschutz befassen.
Allein mit der Armee 95 wurden rund 13 500 Einzelobjekte vom Einmann-Bunker bis zur Artilleriefestung ausgemustert. 13 der 59 im Kanton Bern aufgenommenen Sperrstellen sind von nationaler Bedeutung. Sind das viele?
Nein. Natürlich wurden nicht alle Bauten ins Inventar aufgenommen; mehr als die Hälfte wurden zwar begutachtet, aber nicht als erhaltenswert taxiert.
In Einigen kaufte die Gemeinde Spiez vom Bund einen Bunker und riss diesen im 2005 ab. Die ganze Sperre Einigen ist jedoch als «von nationaler Bedeutung» eingestuft. Ist das gestern vorgestellte Inventar für den Auftraggeber VBS wirklich verbindlich?
Der Abbruch des Bunkers «Julia» mit seiner interessanten Tarnung in Einigen ist sehr bedauerlich. Er hätte nicht passieren dürfen, wenn alles korrekt gelaufen wäre. Aber wo gearbeitet wird, passieren eben auch Fehler.
Im Oberland stehen leere Bunker von Heiligenschwendi bis auf die Grimsel und den Jaunpass. Gab es umstrittene Fälle im Inventar?
Dieses bezieht sich nur auf Anlagen, die noch der Eidgenossenschaft gehören. In diesem Sinn ist es auch nur für die Bundesstellen verbindlich. Es gab und gibt aber immer wieder Fälle, wo Anstösser oder Landeigentümer die Beseitigung einer Anlage verlangen. Ein Beispiel dafür war die Sperre Spissi in Wimmis. Die Höckersperre wurde aber angesicht ihrer historischen Bedeutung vom Kanton Bern ins Inventar der Schutzobjekte aufgenommen. Kantone und Gemeinden sind zuständig, ob sie unsere Empfehlungen übernehmen und Objekte ins eigene, verbindliche, Inventar aufnehmen.
Die Inventarisierung ist bis Ende Jahr für alle Kantone abgeschlossen. Werden alle aufgelisteten Objekte der Nachwelt im heutigen Zustand erhalten?
Das Inventar formuliert für jedes aufgenommene Objekt sogenannte Erhaltungsziele. Diese setzen in den meisten Fällen einen gewissen baulichen Unterhalt voraus.
Und das kostet...?
Angesichts der knappen Finanzen wird man sich auf die wichtigsten Objekte beschränken müssen. Bei den übrigen wird es darum gehen, die Sicherheit zu gewährleisten. Zum Glück gibt es viele zivile Organisationen, wie die Stiftung Artilleriewerk Faulensee, welche historische Militäranlagen mit grossem, ehrenamtlichem Einsatz für die Öffentlichkeit zugänglich erhalten.