Kanton Thurgau
Das ADAB-Inventar umfasst im Kanton Thurgau ca. 900 Objekte. Die Anlagen stammen aus drei unterschiedlichen Zeiträumen, es handelt sich ausschliesslich um Sperrelemente – Artilleriewerke findet man keine:
* Während der Vorkriegsperiode 1935- 1939 entstand die Grenzbefestigung, die sich aus einer ersten Serie von Bunkern des reaktivierten Büros für Befestigungsbauten Bern (BBB) zusammensetzte.
* Während des Aktivdienstes 1939- 1945 wurden die letzten Bauten der Grenzbefestigung fertiggestellt und das Verteidigungsdispositiv durch neue Truppenbauten verstärkt.
* Während der Nachkriegszeit wurde das Dispositiv der Grenzbrigaden massiv ausgebaut. Charakteristisch ist die Vorfabrikation der Bauelemente.
Die Befestigungen des Kantons Thurgau können laut Maurice Lovisa in zwei Hauptgruppen unterteilt werden: Zum einen die Linie von Befestigungsbauten entlang der gesamten Nordgrenze am Rhein. Sie wurde nach 1935 ausgeführt und bis zum Ende des Aktivdienstes verstärkt. Sie besteht aus Bunkern des BBB an den Ufern des Rheins und aus Bunkern der Grenzbrigade 7 an den Gestaden des Bodensees. Als Kernstück kann man die Bunkerkette von Kreuzlingen bezeichnen, die mehr als 80 Werke umfasst. 44 wurden durch das BBB, 40 durch die Grenzbrigade 7 gebaut.
Zur zweiten Gruppe gehört der Stützpunkt V 61 im Raum Schlatt, der für das Inf Rgt 52 konzipiert wurde. Er verkörpert den Prototyp der Kugelbunker-Stellungen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren in der ganzen Schweiz gebaut wurden. Die Werke bestehen ausschliesslich aus vorfabrizierten Betonelementen. Dieses Dispositiv enthält auch eine eigene Feuerunterstützung (drei Werke für 8,1 cm Minenwerfer) und eine nach dem vorgegebenen Muster gebaute Sanitätsstelle. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen mit diesem ersten Dispositiv wurde in der Folge die Konzeption solcher Stützpunkte verbessert und leicht modifiziert.
Auf die Frage, was vom Verteidigungsdispositiv, das während dieser verschiedenen Perioden konzipiert wurde, noch übrig ist, fällt die Antwort erstaunlicherweise erfreulich aus: Ein grosser Teil der Werke existiert heute noch. Gewiss hatten die diversen Modernisierungen und taktischen Deklassierungen die partielle oder totale Desarmierung gewisser Bunker zur Folge, und der Bau der Autobahnumfahrung Kreuzlingen-Konstanz zog die Zerstörung verschiedener Werke nach sich. Indessen führten diverse Initiativen seitens der Behörden, wie beispielsweise diejenige des Kantons Thurgau, zur Übernahme einer Serie von Werken der Bunkerkette von Kreuzlingen wie auch von Werken der Rhein-Linie. Zudem gab es auch private Initiativen wie diejenige des Vereins Rheinkastell, der im Schaarenwald zwei Bunker kaufte, um diese in einen Lehrpfad zu integrieren.