Kanton Bern
Die Befestigungsbemühungen der Kantone Bern und Freiburg sind kaum zu trennen, deshalb hier gekürzte Zusammenfassung, erstellt von Br Jürg Keller für die entsprechende ADAB-Broschüre:
1882 hatte die Landesbefestigungskommission die Fortifikation der Landenge zwischen dem Bieler- und Neuenburgersee vorgeschlagen. 1912 und 1913 wurden die Projekte zum Sperren dieser Stelle erarbeitet, so dass bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges Pläne zur Befestigung des Raumes Murten in den Schubladen des Generalstabschefs bereit lagen.
Die Schweizer Armee mobilisierte am 3. August 1914. Für die Schweiz bestand die Gefahr, dass der eine oder andere der Kriegführenden einen Stoss in die Flanke des Gegners versuchen würde. Daher wurde u.a. die Schaffung der Fortifikationen Murten befohlen. Deren Auftrag lautete: «Behelfsmässige Befestigung der Linie Zihlkanal–Vully–Murten–Salvenach–Laupen zum Zweck der Sicherung Berns gegen Angriffe über die Zihl und aus dem Kanton Waadt.» In der Folge entstand die befestigte Linie Jolimont–Neuenburgersee–Mont Vully–Murtensee–Saane bei Kleingurmels. Eine erste Kampfbereitschaft wurde Ende 1914 erreicht. Der Ausbau erfolgte bis 1916, indem vor allem Stellungen für Maschinengewehre und Kanonen sowie hintereinander liegende Verteidigungslinien erstellt wurden. Nach dem Krieg gerieten die Befestigungsbauten, da sie nicht unterhalten wurden, in Vergessenheit.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, waren die Grenzbrigaden in Bezug auf Befestigungen noch nicht bereit. Die Brigaden bauten in eigener Regie Kampfbauten in ihren Abschnitten. Es betraf dies die Grenzbrigade 2 (BE/NE) im Kanton Neuenburg, in den Freibergen und im St. Immertal und die Grenzbrigade Br 3 im restlichen Berner Jura. Hier entstanden ab Herbst 1939 Panzersperren in Form von Höckern, Mauern und Gräben mit flankierenden Werken und Gegenwerke.
Nach dem Reduit-Entschluss zog sich das Gros der Divisionen in den Zentralraum zurück und fünf Divisionen verblieben in der so genannten «vorgeschobene Stellung». Diese verlief vom Zürichsee entlang der Limmat zum Bözberg und weiter über das Gempenplateau, Mont Raimeux, Chasseral, Chaumont, Mont Vully, Saane bei Laupen bis nach Hauteville am Greyerzersee. Den Raum Murten belegte neu die 2. Division, unter anderem mit den Infanterieregimentern 1 (BE/FR) und 13 (Berner Seeland). Zwischen Saane und Sense wurde die Leichte Division eingesetzt. Ab Sommer 1940 entwickelte sich eine intensive Bautätigkeit:
In den Kantonen Bern und Freiburg betraf dies in der vorgeschobenen Stellung Infanteriesperren in Frinvillier und im Taubenloch, am Chasseral, Jolimont und Mont Vully, am Löwenberg bei Murten und vom Galmwald bis an und entlang der Saane.
Gleichzeitig begann aber auch der Ausbau des Reduit. Der Abschnitt in den Kantonen Bern und Freiburg wurde vom 3. Armeekorps besetzt mit dem Auftrag «verhindert jeden feindlichen Vorstoss südlich des Vierwaldstättersees und in die Gegend von Thun» sowie von der 1. Division – später auch Gruppe «Westalpen» genannt – mit dem Auftrag «hält, sich auf die Festung St. Maurice stützend, den Abschnitt der Zentralraumstellung vom Jaunpass bis Tête Blanche».
Die dem 3.Armeekorps unterstellte Berner Division baute Bunkeranlagen am Grünenbergpass, bei Sigriswil und im Raume Spiez. Im Kanton Freiburg baute die 1. Division, welcher zusätzlich das Freiburger Gebirgsfüsilier Batallion 17 unterstellt war, Befestigungen bei Greyerz, La Tine und im Jauntal. Im Sommer 1941 wurde die vorgeschobene Stellung aufgegeben. Die 2. Division zog sich ebenfalls ins Reduit zurück und erhielt den Raum Gantrisch–Simmental zugeteilt. Deren Truppen bauten die Verteidigungslinie zwischen dem Stockhorn und der Kaiseregg.
Den Raum Murten, der durch den Wegzug der 2. Division frei wurde, übernahm am Jolimont die Gz Br 2 und die L Br 1 diesen vom Vully bis zur Saane. Bis zum Herbst 1944 besetzte das 1. Armeekorps mit seinen Verbänden die drei befestigten Zonen: den Grenzraum im Jura, das westliche Mittelland und die Alpen zwischen Hohgant und Tête Blanche. Dann, beim Vormarsch der Alliierten Armeen aus dem Rhonetal entlang der Schweizer Grenze, verliessen die Divisionen das Reduit und wurden wieder an der Landesgrenze eingesetzt.
Auch nach dem Aktivdienst wurden die erstellten Anlagen durch das Festungswachtkorps erhalten dun grösstenteils modernisiert – bis zur Ausserdienststellung meist Ende der 90-er Jahre.
Wie ADAB-Architekt Maurice Lovisa ergänzend schreibt, ist «die Lage der beiden Kantone ähnlich: beide haben einen Fuss im Reduit und den andern ausserhalb! Aber während sich der Kanton Freiburg bis zur Drei-Seen-Region erstreckt, breitet sich der Kanton Bern bis in den Jura aus und umfasst somit neben Befestigungen des Reduits und im Flachland auch so genannte Grenzbefestigungen. Unter den Besonderheiten, die beide Kantone teilen, kann man die Region der drei Seen nennen, wo ein Teil der Befestigungen von 1939 –1945 dem Verlauf der Verteidigungslinien von 1914 –1918 folgt, und die in dieser früheren Epoche entstandenen Werke manchmal wieder verwendet oder umfunktioniert.» Schliesslich seien die beiden Kantone auch durch eine wenig bekannte Verteidigungslinie verbunden, nämlich die «Stockhorn-Kaiseregg-Linie».